Donnerstag, 06 April 2017 13:37

Order to Ruin - Lunar Asylum

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Lunar Asylum Lunar Asylum Order to Ruin

Wo gehobelt wird, fallen Späne und kaum eine Band im deutschen Sprachraum ist so fleißig dabei ein Album nach dem anderen rauszuschieben und damit eine ganze Menge Holz zu produzieren wie die münsteraner Melo-Death-Kombo „Order to Ruin“.

Fünf Alben in der Zeitspanne von 2014 bis 2017 zu produzieren ist eine verdammt beeindruckende Leistung und es ist bewundernswert, dass auch die letzte Veröffentlichung „Lunar Asylum“, (die sich sehr schön in der Tradition der Göteborger Schule eingliedert und oft auch eine etwas härtere Gangart an den Tag legt) größtenteils sehr ordentlich abliefert. Allerdings kommt man nicht umhin zu bemerken, dass die wahnsinnig kurze Zeit zwischen den einzelnen Veröffentlichung zu Lasten des musikalischen Feinschliffs gegangen ist. Der Scheibe klingt dabei sehr solide. Die eigentlich sehr gelungene Vocalperformance von Sänger Mike Seidel könnte zwar etwas besser im Mix sitzen und den Mitten wäre etwas Entzerrung sehr zuträglich, aber an sich ist der Sound dem Album sehr dienlich und er bewegt sich gekonnt im Spannungsfeld von etwas dreckigem Schwedenuntergrund und einer klaren, differenzierten Produktion. Trotzdem muss man an dieser Stelle eine Warnung für Puristen aussprechen, denn gerade beim konzentrierten Hören stechen die Drumsamples doch recht schnell heraus und gehen dementsprechend vor allem in den „offenbarenden“ Momenten nach kurzer Zeit auf den Nerv.

 

Ein großes Kompliment geht an die meistens sehr gelungenen, runden Melodien, die so effektiv wie motivierend zirkulieren und damit die Musik zum größten Teil tragen, was im Falle von Melodic Death Metal wohl im Sinne des Erfinders ist. Die Songs sind meistens kurz und prägnant, was ihnen oft auch gut tut. Der einzige Ausreißer in dieser Hinsicht ist der Titeltrack, der versucht über seine sechseinhalb Minuten eine kontinuierliche Dramaturgie aufzubauen, aber dabei leider an so mancher Stelle etwas unbeholfen wirkt.

 

Dies und die anderen kleinen Schwächen des Albums machen keinen musikalischer Unfall mit Totalschaden und auditiver Todesfolge, aber man kann sich dem Eindruck nicht verwehren, dass hier doch oft ein wenig Potential verschenkt wurde. Manche Melodien und Riffs verlangen lautstark eine Weiterführung und Variation, die ihnen allerdings verwehrt wird. Zu oft wird musikalisch auf der Stelle getreten, wo mehr möglich wäre. Oder es wird ein schöner Ansatz durch mangelnden Biss im Arrangement seines Potentials geraubt, wie es alle acht Takte im Mainriff von Necromorph geschieht, wenn man Ende des wirklich, wirklich guten Teils in eine Lehre ohne prägnante Rhythmusgitarre fällt, während das fortlaufende Schlagzeug eigentlich eine durchgehende Bewegung impliziert. Der Track „The Mystery Of A Madman“ wird von einer Leadgitarre eröffnet die Spannung aufbaut und dann plötzlich wegbricht, so dass man eher verwirrt als gebannt zurückbleibt, wenn dann über das gleiche Riff die Vocals einsetzen. Derlei nichtnachvollziehbare Elemente sind nicht weltbewegend, aber doch im Endeffekt etwas symptomatisch für die ganze Scheibe und das, was sie vom Label „großartig“ trennt.

 

All diese Punkte halten sich die Waage mit den wirklich guten Momenten des Albums, wie dem Pre-Chorus- und Chorusgespann von „The Mystery Of A Madmen“, den Breaks in „Lunar Asylum“ oder dem im Gesamten gelungenen und sehr thrashigen „Arcane Walker“, so dass am Ende eine solide Scheibe übrig bleibt, die sich zum einem manchmal ein wenig zu wohl in den Fußstapfen der besagten frühen Göteborg-Szene fühlt und zum anderen ihr vorhandenes Potential nicht ganz ausschöpft.

 

Tracklist:

1. Transcendng Superior Cosmos

2. Planet Zero

3. The Mystery of a Madmen

4. Dreamdemon  

5. Necromorph

6. LZ128   

7. Lunar Asylum

8. Arcane Walker

9. Predators from Gaia

 

Bewertung:

7 von 10 Punkten

 

Weitere Informationen

  • Band: Order to Ruin
  • Album Titel: Lunar Asylum
  • Erscheinungsdatum: 01.02.2017
  • Fazit: „Order to Ruins“ sechster LP ist mit seinen gelungen Melodien und prägnanten Songs vermutlich ein gefundenes Fressen für jeden Fan der schwedischen Melo-Death-Tradition, aber es fehlt an einigen Stellen der Feinschliff und die Eigenständigkeit um darüber hinaus Punkten zu können.
Gelesen 517 mal Letzte Änderung am Montag, 10 April 2017 14:00

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