Freitag, 17 März 2017 11:24

Spectrale, Heir, In Cauda Venenum - Split

geschrieben von
Artikel bewerten
(1 Stimme)
Split Split Spectrale, Heir, In Cauda Venenum

Franzosen und Black Metal: Floskeln über Floskeln, übrig bleibt meist gute Musik. In einer einfach als „Split“ bezeichneten Split geben sich mit Spectrale, Heir und In Cauda Venenum gleich drei relativ junge und unbekannte Bands aus dem Land des Weins und des gallischen Widerstands die Ehre – bisher hatte ich von keiner auch nur einen Ton gehört. Beste Voraussetzung also für ein interessantes Review.

Geben wir unseren Protagonisten ein wenig Raum zur Vorstellung: Spectrale ist ein Trio aus Bordeaux, das sich selbst die wunderbar eingängige wie aussagekräftige Genrezuordnung der „acoustic expérimental classical esoteric music“ gegeben hat – auf den Punkt gebracht? Bleibt abzuwarten, für Kenner des atmosphärischen Black Metals dürfte jedoch ein Blick auf das Line-Up zumindest Qualität erahnen lassen: Gitarrist Jeff Grimal ist Teil der mächtigen The Great Old Ones. Spectrale steuern drei der sieben Songs des Albums zu.

Ein einziger, dafür aber mit gut 15 Minuten längster Song der Split geht auf die Kappe von In Cauda Venenum. Hierbei handelt es sich um ein Trio aus Lyon. Unterstützt wird die Band vom Cellisten Raphaël Verguin. Der Song ist eine Interpretation von „Laura Palmer's Theme“, ein Musikstück aus der US-Serie Twin Peaks - eine Serie, die ich persönlich nicht kenne.

Drei weitere Lieder steuern Heir bei. Das junge Quintett gründete sich erst 2015 und stammt aus Toulouse. Über die Bandmitglieder selbst lässt sich nur wenig sagen, findet man doch nur Abkürzungen, die vermutlich aus Vor- und Nachnamen bestehen (beispielsweise Sänger L.H).

Neben einem Querschnitt von Frankreichs Süden enthält die Split aber natürlich auch Musik, irgendwo zwischen Black Metal und Post Rock. Dabei bemerkt man bei allen drei Bands ähnliche Einflüsse. Das merkt man insbesondere bei Spectrale und Heir, die zwar mitnichten gleich sind, aber durchaus Ähnlichkeiten aufweisen: auf einen ruhigen, meist akustischen Gitarrenstart folgt hohes, hartes Tempo und während Spectrale völlig auf Vocals verzichtet, sind sie bei Heir so sekundär, dass sie kaum ins Gewicht fallen. Zudem zeigen beide Bands in ruhigen Zwischenspielen ihr musikalisches Können und bieten zudem einen angenehmen Gegenpol zur sonstigen Härte und kalten Atmosphäre. Allerdings muss bei beiden Bands der Klang der Drums kritisiert werden: unnatürlich und störend.
Beide Bands bauen auf einer grundlegend soliden Atmosphäre und Spielbasis auf, versuchen sich immer wieder an guten Konzepten, deren Umsetzung allerdings nicht immer ganz gelingt - von Scheitern möchte ich aber nicht sprechen, dazu liefern sowohl Heir als auch Spectrale zu ordentlich ab.

In Cauda Venenum wiederum können mit ihrem einzigen Song durchaus überzeugen. In rund 15 Minuten ist genug Zeit, dass sich der Song entfalten kann und es ist gut, dass sich die Band auch diese Zeit nimmt. Das Cello passt ausgezeichnet in den Song, der – welch Überraschung – sehr ruhig beginnt, langsam eine hoffnungslos-traurige Atmosphäre aufbaut. Ein guter Kniff ist auch, dass das Cello-Thema im Verlauf des Songs im Hintergrund bestehen bleibt und ab und zu durch die Gitarrenwände durchschimmert. Das aufgebaute Klangbild wirkt sehr dystopisch, man verliert sich in der Atmosphäre. Der Song ist schneller vorbei, als erwartet, was meist ein Zeichen guten Songwritings ist – das würde ich auch ICV unterstellen.

Alle drei Bands bieten auf dem Split-Album grundsolide Arbeit – die Frage ist nur: Reicht das? Auch wenn sich alle Beteiligten hier handwerklich wie kreativ keine Blöße gegeben haben, ist nichts dabei, was mir längerfristig in Erinnerung bleiben wird; ja, die akustischen Gitarrenparts waren schön, teilweise gar sehr schön. Dieselbe düstere, an Stellen hoffnungsvolle, an anderen hoffnungslose und kalte Atmosphäre hat sich durch alle 7 Stücke gezogen. Trotzdem sticht nichts steht wirklich heraus, nichts schreit danach, dass ich mir das Ganze nochmal anhören sollte. Was ich sagen möchte: ich sehe hier Potenzial in dreifacher Ausfertigung, ich sehe aber genauso oft die Gefahr, in einer großen Zahl an Bands mit ähnlicher Musik unterzugehen.

Bewertung: 7/10 Punkten

Tracklist:

01 Spectrale – Sagittarius A
02 Heir Descent
03 In Cauda Venenum – Laura Palmer, Agonie À Twin Peaks
04 Spectrale – Al Ashfar
05 Heir – Upon the Masses
06 Spectrale – Crépuscule
07 Heir - Sectarism

Weitere Informationen

  • Band: Spectrale, Heir, In Cauda Venenum
  • Album Titel: Split
  • Erscheinungsdatum: 18. August 2016
  • Fazit: Alle drei Bands bieten auf dem Split-Album grundsolide Arbeit – die Frage ist nur: Reicht das? Auch wenn sich alle Beteiligten hier handwerklich wie kreativ keine Blöße gegeben haben, ist nichts dabei, was mir längerfristig in Erinnerung bleiben wird; ja, die akustischen Gitarrenparts waren schön, teilweise gar sehr schön. Dieselbe düstere, an Stellen hoffnungsvolle, an anderen hoffnungslose und kalte Atmosphäre hat sich durch alle 7 Stücke gezogen. Trotzdem sticht nichts steht wirklich heraus, nichts schreit danach, dass ich mir das Ganze nochmal anhören sollte. Was ich sagen möchte: ich sehe hier Potenzial in dreifacher Ausfertigung, ich sehe aber genauso oft die Gefahr, in einer großen Zahl an Bands mit ähnlicher Musik unterzugehen.
Gelesen 613 mal

Medien

Laura Palmer, Agonie À Twin Peaks In Cauda Venenum

 Undergrounded 2017 - Impressum - Datenschutzerklärung