Dienstag, 29 Dezember 2015 17:13

molllust - In Deep Waters

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In Deep Waters In Deep Waters molllust

Metalheads wird häufig eine Affinität zur klassischen Musik nachgesagt und in der Tat ähneln sich beide Musikrichtungen aufgrund ihrer Komplexität. Die Leipziger Band molllust versucht seit nun mehr drei Alben beides musikalisch in Einklang zu bringen – ein schwieriges Unterfangen, dem die achtköpfige Band den Namen „Opera Metal“ gegeben hat. In poetischer Schönheit umschreiben sie selbst ihre Musik: „Das Herz ist Klassik, Metal der Puls.“ Ob das Konzept des Opera Metals im dritten Album von molllust, „In Deep Waters“, funktioniert? Lest selbst. 

Ein riskantes Unterfangen, Klassik und Metal in einem Gesamtbild zusammenfassen zu wollen.  Vieles kann schief gehen, die Harmonie nicht stimmen, man kann zu viel wollen – man kann es aber auch richtig machen: Voilà, molllust. Gleich 15 Songs stecken im dritten Album der Leipziger, 15 Beispiele für gelungenen „Opera Metal“. Das Ganze klingt bisweilen bombastisch, ohne jedoch überladen zu wirken. Ein Piano, eine E-Gitarre, zwei Violinen, ein Cello, Drums, einen E-Bass sowie einen Doublebass – acht Musiker, dazu noch Operngesang. Gut 75 Minuten, textlich ist die Band auf verschiedenen Sprachen unterwegs (Deutsch, Französisch, Englisch). Soweit zu den Fakten. Doch lasst mich ein wenig genauer auf die Musik eingehen.

Bereits der erste Song, „Ouvertüre Nr. 2“, vereint in sich die Stärken des Albums: Abwechslung, Tempowechsel, gutes Zusammenspiel klassischer und metalaffiner Instrumente, starke Komposition sowie großartiges Können der Musiker. Das Piano übernimmt die Führung, die üblichen Instrumente ergänzen, „Ouvertüre Nr. 2“ baut Spannung und Vorfreude auf, wirkt dabei fast schon düster.
Der Gesang, der ab dem zweiten Song („Unschuld“) einsetzt, mag gewöhnungsbedürftig sein, qualitativ hochwertig ist er aber zweifellos. Der schwere Operngesang legt zudem bereits das Tempo des Albums vor, meist eher langsam, maximal im Midtempo-Bereich. Persönlich habe ich ein wenig gebraucht, um den Gesang schätzen zu können, teils hatte ich das Gefühl, dass die hohe Stimme ein wenig auf verlorenem Posten war. Nach einigen Durchläufen des Albums hat sich mir aber eine immer stärker werdende Harmonie zwischen Musik und Gesang entwickelt – wirklich stark!
Mit „Evenfall“ schlägt dann bereits an dritter Stelle eines der Highlights von „In Deep Waters“ ein, Janika Großs Gesang in diesem Song ist zum Niederknien! Zudem treiben die Drums den Song schön voran, verleihen dem Ganzen Härte, die dem Album (verständlicherweise) an einigen Ecken fehlt.

Ob choartige Mehrstimmigkeit („Voices of the Dead“) oder einfach nur solistische Brillanz, die Vocals können auf ganzer Linie überzeugen. Auch Drums, Violinen und Gitarre harmonieren gut miteinander. Wie bereits oben vermerkt, ist es aber vor allem der Abwechslungsreichtum und die gute Komposition, die den Langspieler auf hohem Niveau klingen lassen. Herausheben möchte ich noch „König der Welt“, das jede Menge Ohrwurmpotenzial hat, sowie „Number in a cage“.

Zum absoluten Knaller fehlt dem Album aber noch etwas, sei es die Experimentierfreudigkeit der Gitarren, das Wiedererkennungspotenzial einzelner Songs so wie die doch noch vorhandene Mittelmäßigkeit einiger Songs – genau den Finger darauf legen kann ich auch nach mehrmaligem Hören nicht.

Nichtsdestotrotz: Wen klassische Musik interessiert und sich nicht von jedem Album die Rübe weggeballert braucht, sollte auf jeden Fall in molllusts „In Deep Waters“ reinhören! Ein abwechslungsreiches, höchst spannendes Projekt mit guten Liedern, einer grandiosen Sängerin, virtuosen Musikern und jeder Menge Potenzial.

Bewertung: 8/10 Punkten

Tracklist:

01 Ouvertüre Nr.2
02 Unschuld
03 Evenfall
04 Paradis perdu
05 Voices of the Dead
06 Paradise on Earth
07 Spring
08 Lampedusa
09 König der Welt
10 Number in a Cage
11 Papa
12 Passage nostalgique
13 Sabrina
14 Erlkönigs Tochter
15 Traumwelt

Weitere Informationen

  • Band: Molllust
  • Album Titel: In Deep Waters
  • Erscheinungsdatum: 25.09.2015
  • Fazit: Wen klassische Musik interessiert und sich nicht von jedem Album die Rübe weggeballert braucht, sollte auf jeden Fall in molllusts „In Deep Waters“ reinhören! Ein abwechslungsreiches, höchst spannendes Projekt mit guten Liedern, einer grandiosen Sängerin, virtuosen Musikern und jeder Menge Potenzial.
Gelesen 2622 mal Letzte Änderung am Dienstag, 29 Dezember 2015 17:19

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In Deep Waters (Teaser) molllust

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