Dienstag, 06 Oktober 2015 09:07

Rusty Pacemaker - Ruins

geschrieben von Soundchaser
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Ruins Ruins Rusty Pacemaker

Rusty Pacemaker ist ein 1-Mann-Projekt eines österreichischen Multiinstrumentalisten, der sich für die Studiosessions Unterstützung holt, wo er es selber nicht hinbringt: an den Drums (Franz Löchinger) und für ein paar weibliche Gesangssprenkel (Lady K.) Fünf Jahre nach dem Debütalbum „Blackness and White Light“ legt der Songwriter nach rund drei Jahren Aufnahmezeit mit „Ruins“ das zweite Album vor.

 Der gute Rusty macht es einem mit diesem Album nicht einfach. Wer sich vor dem Hören dieser Scheibe schon in einer depressiven Episode befand, braucht nach dem Hören bestimmt erheblich länger, um wieder rauszukommen – oder stürzt sich gleich von der nächsten Brücke...vermutlich kam so oder so ähnlich auch das arme Federvieh zu Tode, das man auf dem Cover sieht. Hat sich einfach von der Brücke gestürzt - oder totgeheult.


Der Gesang erinnert mich beim Opener „Ruins“ irgendwie sofort an Kaa, die Schlange aus dem Dschungelbuch, wie sie mit hypnotischer Stimme auf Mogli einredet. Nach diesem ersten, ruhigen Einstieg gibt es erst mal eine Runde Traurigkeit in Stakkato-Doom-Riffs gegossen, dann geht es in „Made of Lies“ vergleichsweise fröhlich zu, in „Ocean of Life“ hören wir danach das erste Mal Lady K., die unterstützend mitträllert. Nett. Aber so melancholisch, dass die Tränensäcke noch ein Stück weiter nach unten driften. Der Rest des Albums bewegt sich auf ähnlichem Terrain.


Spontan muss ich jetzt an das aus meiner Sicht hervorragende Album „A Legacy of Love“ von Antichrisis aus dem Jahr 1998 denken ( hier natürlich ohne Dudelsack) – gewisse Parallelen sind auf „Ruins“ nicht von der Hand zu weisen, wenngleich diese Scheibe in der Gesamtheit doch etwas härter rüberkommt. Ein lupenreines Metalalbum ist „Ruins“ deswegen noch lange nicht. Zu melancholisch, zu nachdenklich. Nix für einen „ganzen Kerl“ - der braucht in der Regel brachialere Kost. Lacrimosa-Fans könnten mit Rusty Pacemakers aktuellem Album möglicherweise auch gute (weil schön traurige) Momente haben, bewegt sich der Österreicher doch auch immer wieder in Gothic- und Darkrock-Gefilden. Kleines Textzitat: „Well, I have died this afternoon...“ (Beginn von “Forever”) – puh...der Arme!


Ähnlich wie das vorbeschriebene „A Legacy of Love“ von Antichrisis bedarf auch „Ruins“ des Hörens „aus einem Guss“, sprich: am Stück. Verglichen mit dem Referenzwerk von Antichrisis ist „Ruins“ mir persönlich auf Dauer jedoch zu spannungsarm, wenngleich Rusty wohl auch nicht beabsichtigte, damit einen Charterfolg zu landen (muss ja auch nicht sein, wen interessieren schon die Charts...) Der Gesang ist einerseits atmosphärisch und beinahe hypnotisch (und an einigen exponierten Stellen sogar mit kurzen Growls gewürzt), anderseits manchmal überraschend dissonant (bis voll daneben) und dürfte – je nachdem, wer zuhört – von Begeisterung bis hin zu Apathie jegliche Emotion bedienen.

 

Tracklist

01 Ruins

02 Made Of Lies

03 Ocean Of Life

04 The Game

05 Night Angel

06 Candlemess

07 Forever

08 Matter Over Mind

09 Knowing

10 Pillow Of Silence

 

Bewertung:

6,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Rusty Pacemaker
  • Album Titel: Ruins
  • Erscheinungsdatum: 22.05.2015
  • Fazit: Wer auf vertonte Depression und tiefe Traurigkeit, eingehüllt in einen Mix aus Akustikgitarren, wenigen aggressiven, eher schleppenden Riffs und tieftraurigen Texten, steht, möge sich in „Ruins“ hinein- (schlimmstenfalls gleich irgendwo runter-) stürzen. Für Frohnaturen absolut nicht zu empfehlen!
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