Dienstag, 05 Mai 2015 20:26

The Hellevator - Abysmal

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The Hellevator - Abysmal The Hellevator - Abysmal The Hellevator

The Hellevator ist eine hessische Melodic Death Metal Band aus Flörsheim am Main, die bereits 2009 gegründet wurde und ursprünglich Thrash-/Death Metal spielten. Nach Eigenproduktionen ist die hier vorliegende EP nun die erste richtige Studioaufnahme für die man die Presskopp Studios enterte, die im Metalbereich über einige Erfahrung verfügen, was ja gerade bei den extremeren Ausprägungen wichtig für ein gutes Gesamtergebnis ist.

Hier habe ich wirklich Respekt, dass eine junge Band sich nicht dem „ich kann alles selbst“-Homerecordingwahn anschließt, sondern sich professionelle Hilfe holt. Die EP klingt daher auch erheblich besser als die meisten Eigenproduktionen, ich würde mir persönlich noch etwas mehr Druck bei den Drums wünschen, aber das ist sicher Geschmackssache. Melodischer Death-Metal ist inzwischen ja ein extrem weites Feld und deckt von der gnadenlosen Abrissbirne alter Death-Schule mit nur zu erahnenden Melodielinien der Gitarre bei erbarmungslosem Gesang bis hin zu fast schon poppiger Musik mit Death-Growls alles ab. Daher zuerst eine Einordnung: The Hellevator geben als ihre Vorbilder The Black Dahlia Murder, At The Gates, Dimension Zero, Dying Fetus, Arsis und Lamb of God an. Und das sollte Euch auch schon eine grobe Einordnung ermöglichen: The Hellavator haben soviel mit Pop am Hut wie Heino von Death Metal, hier regiert ganz klar die Abrissbirne. Das brutale Organ von Sänger Olli klingt als ob er jeden Morgen mit einer Packung Reißnägel gurgeln würde und passt zu dieser Art von Musik absolut perfekt. Neben tiefen Growls beherrscht er auch aggressives „Bellen“ und schreit sich die gesamte EP über die schwarze Seele aus dem Leib, hier ist sowohl ihm als auch der ganzen Band die Spielfreude anzumerken, die auch für den Hörer ansteckend ist.


Die EP beinhaltet fünf Songs, wovon allerdings zwei Instrumentalstücke sind. Los geht’s mit „Descending“ einem unheilvollen Intro, das mit unverzerrten Gitarren und einem nicht näher zu entschlüsselnden „Knistern“ eine gute Einstimmung bietet. Nicht spektakulär, aber ein stimmungsvoller Einstieg. Gleich den ersten Song „Hell Awaits“ zu nennen ist mutig und legt nicht nur bei Slayer-Fans die Messlatte entsprechend hoch. Ab jetzt zeigt die Band wo es lang geht: Olli bellt den Beginn des Songs ein und dann wird geknüppelt was das Zeug hält. Die Strophe besteht aus einem eher einfach, aber effektiv gehaltenen Gitarrenriff, Sänger Olli hat dadurch die Möglichkeit eine abwechslungsreiche Gesangslinie darüber zu singen. Härtemäßig legt man nach einer Minute sogar noch eine Schippe drauf. Nach rund dreieinhalb Minuten fährt man das Tempo deutlich zurück und gönnt dem Hörer eine kurze Veschnaufpause mit einem fast schon balladesken Teil, doch nach diesem ruhigeren Part geht es wieder voll auf die Zwölf. Ein guter Einstieg in die EP!


Mit „A Lucif Nightmare“ geht es dann ultrabrutal weiter: der Highspeed-Song hat etwas melodischere Elemente und ist ein bisschen leichter zugänglich als „Hell Awaits“ ohne dabei auch nur ein klein bisschen an Härte einzubüßen. Alle, die mit melodischen Death Metal sonst Bands wie Scar Symmetry oder Arch Enemy verbinden seien gewarnt, hier ist Melodie nur in homöopathischen Dosen zu finden, was keineswegs als Abwertung gemeint ist, sondern nur Missverständnisse vermeiden soll. Mit „The Bloodshed“ geht es dann in höchstem Tempo weiter. Mir persönlich gefällt hier die Mischung aus Schreien und Death-Growls sehr gut, weil es wieder etwas Abwechslung in den schnellen Song bringt und der Härtegrad beibehalten wird. Achtet auch unbedingt auf das Schlagzeug, wie nuanciert hier mit den Becken gearbeitet wird und das bei dem Tempo! „Transcending“ ist dann wieder ein sehr ruhiges Outro ohne Gesang.


Was bleibt: The Hellevator spielen anspruchsvollen Death Metal und haben mit der EP eine aussagekräftige Visitenkarte abgegeben, die Lust auf ein Album macht. Alle Songs sind niemals einfach nur nach Schema F (Strophe/Refrain/Strophe/Refrain) gemacht, sondern enthalten Parts, die einen regelrecht aus dem Stück herausreißen ohne dabei störend zu wirken und führen dann auch wieder in den Song zurück, was auch den Langzeithörspaß deutlich erhöht und sie vom Gros der klassischen Death Metal-Kapellen abhebt. Musikalisch gibt es nichts zu mäkeln, die Songs sind durchdacht komponiert, das merkt man u.a. auch bei dem variablen Schlagzeugspiel, das eben nicht immer nur stur lostrümmert, sondern dezent und doch effektiv Akzente setzt, die einem erst nach mehrmaligem Hören auffallen dürften sowie den Zwischenparts, die songdienlich eingesetzt werden. Was verhindert dann die bessere Bewertung? Es sind halt genau genommen nur drei Songs, wenn man Intro/Outro abzieht. Die drei Songs sind allesamt sehr gut, aber auch auf vielen Alben sind bei zehn Songs genau drei gute dabei und den Beweis, dass sie in der Lage sind auch zehn Songs in dieser Qualität zu schreiben bleiben sie (noch) schuldig.Ich traue es The Hellevator aber auf jeden Fall zu und freue mich auf ein Album.



Tracklist
1. Descending
2. Hell Awaits
3. A Lucid Nightmare
4. The Bloodshed
5. Transcending


Bewertung
8 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: The Hellevator
  • Album Titel: Abysmal
  • Erscheinungsdatum: 16.05.2014
  • Fazit: Was bleibt: The Hellevator spielen anspruchsvollen Death Metal und haben mit der EP eine aussagekräftige Visitenkarte abgegeben, die Lust auf ein Album macht. Alle Songs sind niemals einfach nur nach Schema F (Strophe/Refrain/Strophe/Refrain) gemacht, sondern enthalten Parts, die einen regelrecht aus dem Stück herausreißen ohne dabei störend zu wirken und führen dann auch wieder in den Song zurück, was auch den Langzeithörspaß deutlich erhöht und sie vom Gros der klassischen Death Metal-Kapellen abhebt. Musikalisch gibt es nichts zu mäkeln, die Songs sind durchdacht komponiert, das merkt man u.a. auch bei dem variablen Schlagzeugspiel, das eben nicht immer nur stur lostrümmert, sondern dezent und doch effektiv Akzente setzt, die einem erst nach mehrmaligem Hören auffallen dürften sowie den Zwischenparts, die songdienlich eingesetzt werden. Was verhindert dann die bessere Bewertung? Es sind halt genau genommen nur drei Songs, wenn man Intro/Outro abzieht. Die drei Songs sind allesamt sehr gut, aber auch auf vielen Alben sind bei zehn Songs genau drei gute dabei und den Beweis, dass sie in der Lage sind auch zehn Songs in dieser Qualität zu schreiben bleiben sie (noch) schuldig.Ich traue es The Hellevator aber auf jeden Fall zu und freue mich auf ein Album.
Gelesen 1608 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 07 Mai 2015 11:54

Medien

THE HELLEVATOR - ''The Bloodshed'' - music video 2014 (Official) The Hellevator

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