Dienstag, 17 März 2015 20:10

Psycodia – Ressource Mensch

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Psycodia – Ressource Mensch Psycodia – Ressource Mensch Psycodia

Thrash Metal mit deutschen Texten, starken Melodien und mehrstimmigen Gesang – kann das funktionieren? Und ob! Gegründet haben sie sich 2008 und mit dem ersten selbst produzierten Album (Ich denke…mehr Angst „2011“) ging es vier Jahre durch kleinere Clubs und auf Festivals in Deutschland. Hier ist also das neue Album und was soll ich sagen: das ist das originellste was ich in den letzten Monaten gehört habe.

 Was macht Psycodia so besonders? Hier werden verschiedene Stile souverän miteinander verknüpft: die Grundrichtung ist abwechslungsreicher Thrash-Metal, in der aber immer wieder durchbrochen wird: Los geht’s mit dem Opener „Übermensch Ich“: wer hätte gedacht, dass so ein sperriger Titel zu einem Ohrwurm werden kann? Sänger Lars Hill klingt im Refrain etwas nach Kevin Russel, wobei hier musikalisch wie textlich bei Psycodia in einer ganz anderen, deutlich anspruchsvolleren Liga gespielt wird.


 „Dein Leben ohne Dich“ sticht schon durch seinen durchdachten und ungewöhnlichen Text heraus und zeigt das gesamte Spektrum von Sänger Lars. Langsame Teile wechseln sich mit Knüppel-Attacken à la Testament ab. Was für ein melodischer Nackenbrecher! Die Produktion ist übrigens druckvoll, kompakt und auf dem Stand der Technik, lediglich der Schlagzeugsound könnte für meinen Geschmack etwas aggressiver sein, aber das ist wirklich meckern auf sehr hohem Niveau.Bei „Kindheitshelden“ zeigen Psycodia wie man Songs schreibt, die sich sofort einprägen ohne dass man einen Refrain zigfach wiederholt: zur Melodie des Refrains werden immer neue Texte präsentiert und doch wirkt es immer wie aus einem Guss. Lediglich beim Doublebass-Gewitter am Ende des Songs würde man sich wieder einen raueren Drumsound wünschen.

 

Obwohl die Tracks 4 und 5 gut sind, ist die Platzierung auf der CD meines Erachtens nicht optimal, da sich beide Intros etwas ähneln und der Einstieg in den Song jeweils mit cleanen Gitarre erfolgt. Danach schlagen beide Titel ganz andere Richtungen ein und wären sie nicht direkt hintereinander würde es vermutlich auch nicht auffallen, so hingegen wirkt es nicht ganz rund.„Ressource Mensch“ ist mit gutem Recht der Titeltrack: toller Wechsel zwischen Geknüppel und ruhigen Passagen und dazu noch ein guter Text mit allerdings gewöhnungsbedürftigem Refrain. Das soll nicht heißen, dass er schlecht ist, aber er geht einfach nicht sofort ins Ohr, sondern der Song entfaltet erst nach mehrmaligem Hören sein volles Potenzial. Von daher ist es sinnvoll, dass die Band „Was kommt noch“ als Single ausgekoppelt hat.

 

Was an der CD der noch jungen Band auffallend ist: es ist nicht ein einziger Füller zu finden, alle Songs befinden sich kompositorisch auf einem erfreulich hohen Level und wo deutsche Texte oft peinlich werden schaffen es Psycodia in jedem der 9 Songs ein Zeichen zu setzen, lediglich Titel Nummer 10 habe ich jetzt mal als „Outro“ gewertet, da hier eine Minute und zehn Sekunden lang nur Keyboardsounds. Inhaltlich beschäftigt man sich mit gesellschaftskritischen Themen („Ressource Mensch“), nachdenklichem („Kennst Du Dich selbst“). Was mir insgesamt etwas fehlt ist die sonst im Thrash Metal bei Bands wie Kreator oder Testament pfeilschnelle Leadgitarre. Ansatzweise hört man sie z.B. bei „So bist Du“, aber insgesamt ist hier noch etwas Luft nach oben. Erwähnenswert ist auch noch die sympathische Preisgestaltung von CDs und Merchandising auf der Homepage der Band. Die aktuelle CD gibt’s für 9,90 Euro inklusive Versandkosten. Von daher kann ich nur jedem etwas toleranteren Thrash-Fan, der sich nicht von eingängigen Melodien abschrecken lässt ans Herz legen, hier mal ein Ohr zu riskieren. Die Band hat es verdient!

 

Tracklist:

1. Refugium

2. Kindheitshelden

3. Totgesagte leben länger

4. Was kommt noch

5. Ressource Mensch

6. Kennst du Dich selbst

7. Übermensch Ich

8. Dein Leben ohne Dich

9. Das Gefühl Frei

10. So bist Du

 

Bewertung:

9 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Psycodia
  • Album Titel: Ressource Mensch
  • Erscheinungsdatum: 28.02.2015
  • Fazit: Thrash Metal mit deutschen Texten, starken Melodien und mehrstimmigen Gesang – kann das funktionieren? Und ob! Gegründet haben sie sich 2008 und mit dem ersten selbst produzierten Album (Ich denke…mehr Angst „2011“) ging es vier Jahre durch kleinere Clubs und auf Festivals in Deutschland. Hier ist also das neue Album und was soll ich sagen: das ist das originellste was ich in den letzten Monaten gehört habe.
Gelesen 2873 mal Letzte Änderung am Dienstag, 17 März 2015 22:17

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