Montag, 25 August 2014 17:45

The Cold View - Wires of Woe, Ways of Waste

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Wires of Woe, Ways of Waste Wires of Woe, Ways of Waste The Cold View

"Wires of Woe, Ways of Waste" ist kein normales Album. Das zweite Album vom Funeral/Drone Doom Projekt The Cold View schafft es z.B. mit nur vier Songs auf über eine Stunde Laufzeit zu kommen. Doch besonders macht das Album sein bis in kleinste Detail durchdachte Gesamtkonzept, welches sich in Musik und graphischer Gestaltung widerspiegelt.

Bei "Wires of Woe, Ways of Waste" geht es A.A.S., dem Mastermind hinter dem Projekt, darum, die existenziellen Sackgassen der modernen Welt zu zeigen. Als ich mir mit diesem Hintergrund die graphische Gestaltung des Booklets anschaute, kam in mir der Vergleich mit einer Galerie auf. Unter dem übergeordneten Titel des Albums werden vier Bilder bzw. Songs präsentiert, wobei jeder für sich stehen kann, aber auch seinen Platz im Gesamtkonzept einnimmt. Die einzelnen Songs bekommen als Klangbilder jeder einen Raum für sich, damit sie ihre ganze Wirkung auf den Betrachter/Hörer entfalten zu können.


Diese Räume sind zu Beginn immer dunkel und leer, erst wenn der Hörer einen betreten hat und sich der Song nach und nach entwickelt, füllt sich dieser langsam mit den Bildern, die beim Hören der Musik aufkommen. Auch wenn The Cold View eine Hauptaussage hinter "Wires of Woe, Ways of Waste" stehen hat, lassen die einzelnen Songs, gerade in ihrer spartanischen Gestaltung, genügend Raum für eigene Interpretationen und Gefühle, die man beim Hören empfindet.


Alle vier Stücke sind durchdacht, atmosphärisch dicht und düster aufgebaut und regen einen dazu an, sich bewusst mit dem Song auseinander zu setzen. Wie oben schon erwähnt, ist die musikalische Gestaltung der Songs sehr spartanisch. Drums hört man zum Beispiel nur sehr selten, die Gitarren sind so verzerrt, dass man nie genau sagen kann, wann ein Riff beginnt und im Hintergrund läuft ein an- und abschwellendes Dröhnen, welches den Songs, gemeinsam mit den sehr tiefen und verzerrten Growls, Tiefe und eine bedrohliche Wirkung gibt.


Von den vier Kompositionen bleibt mir "Wires" am nachhaltigsten im Gedächtnis. Beim Hören des Songs kommen in mir beklemmende Bilder auf, wie der Mensch die Erde und am Ende sich selbst in seiner Abhängigkeit von Strom und Energie vernichtet. Das für mich Verstörende daran ist, dass es The Cold View schafft, mit minimalistischen Mitteln ein so starkes und emotionales Erleben der Musik zu erzeugen, dass meine Angst vor dem oben genannten Szenario für mich nahezu greifbar wird. Ein Band, welches sich um meinen Brustkorb legt, wird mit jeder Sekunde, die "Wires" läuft, enger und enger und schnürt mir nach und nach die Luft ab. Selten hat mich Musik so körperlich gebannt und gefesselt!


Ich weiß nicht, ob man "Wires of Woe, Ways of Waste" so einfach mit einer Punktezahl beurteilen kann und ich will mir dies auch nicht anmuten, zu tun. Denn die Art und Weise der Musik ist zu zweischneidig und kann nicht einfach in gut oder schlecht eingeteilt werden. Es ist in meinen Augen ein sehr gelungenes Gesamtkunstwerk, welches mich emotional voll gepackt und gebannt hat. Wer es mag, sich beim Hören von Musik auch mit Inhalten und den aufkommenden Gefühlen und Emotionen auseinander zu setzen, der bekommt mit "Wires of Woe, Ways of Waste" genau das richtige Album. Alle anderen sollten die Finger davon lassen, denn zum bloßen Hören ist das Album nicht geschaffen worden.


Tracklist:

1. Wires (18:02min)

2. Woe (15:38min)

3. Ways (17:10min)

4. Waste (15:26min)


Bewertung:

-

Weitere Informationen

  • Band: The Cold View
  • Album Titel: Wires of Woe, Ways of Waste
  • Fazit: Ich weiß nicht, ob man "Wires of Woe, Ways of Waste" so einfach mit einer Punktezahl beurteilen kann und ich will mir dies auch nicht anmuten, zu tun. Denn die Art und Weise der Musik ist zu zweischneidig und kann nicht einfach in gut oder schlecht eingeteilt werden. Es ist in meinen Augen ein sehr gelungenes Gesamtkunstwerk, welches mich emotional voll gepackt und gebannt hat. Wer es mag, sich beim Hören von Musik auch mit Inhalten und den aufkommenden Gefühlen und Emotionen auseinander zu setzen, der bekommt mit "Wires of Woe, Ways of Waste" genau das richtige Album. Alle anderen sollten die Finger davon lassen, denn zum bloßen Hören ist das Album nicht geschaffen worden.
Gelesen 2461 mal Letzte Änderung am Montag, 25 August 2014 17:55

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