Interview - Thomas René Antes (Bleeding Nose Stuttgart)

Thomas René Antes Thomas René Antes

Heute steht uns im Interview Thomas René Antes, seines Zeichens Veranstalter des Bleeding Nose sowie diverser Konzerte in Stuttgart Rede und Antwort.

UG: Servus Thomas!
Thomas: Moin Grave!

UG: Anfang 2012 hast du und deine Truppe mit viel Freibier und einer unvergesslichen Party das 100. Bleeding Nose gefeiert und ihr seid inzwischen schon bei Nr. 109 im November angekommen. Das Prag ist dabei ein Stichwort was mich als alten „Prager“ auch noch schwer interessiert. Während das Lehmann’s in Stuttgart die altehrwürdige Bareinrichtung und die URL des Club-Prag geerbt hat, hast du den Event abgegriffen oder wie war das damals?

Thomas: Naja, ganz so war das nicht. Bleeding Nose ist von Anfang an meine eigene Veranstaltung und kein Prag-Sprössling gewesen – Idee, Konzeption und auch die Umsetzung lag bei mir. Als es mit dem Prag LEIDER zu Ende ging, hieß es von den Chefs, „kein Metal im neuen Club – das passt nicht in die Innenstadt“. Selbst der damalige „Crossover Friday“, heutiges „Lehmann rockt“, stand auf der Kippe. Ich hingegen war und bin nach wie vor der Meinung, dass Metal gut in die Innenstadt passt. Und wie man an den stetig steigenden Besucherzahlen sehen kann, passt das auch in unser Hauptstädtle. Nicht falsch verstehen – ich bin mit dem Lehmann nicht auf Kriegsfuß, halte das Lehmann nach wie vor für die beste Bleeding Nose Location – aber ich muss auch sagen, dass damals Dinge passiert sind die nicht ganz fair waren. Wie sagt man so schön, die Zeit heilt alle Wunden und somit ist von meiner Seite aus alles vergeben und vergessen. Bin auch schon in Kontakt wegen neuen Konzepten.


UG: Es ist gut zu wissen dass trotz des allgemeinen Clubsterbens in Stuttgart einige Institutionen erhalten bleiben. Die Schließung der Röhre war in meinen Augen auch ein weiterer Schritt ins Grab der guten Musik im Ländle. Wie siehst du die Metal-Zukunft im Großraum Stuttgart?

Thomas: Dass die Röhre schließen musste war ein tiefer Cut in die Stuttgarter Sub-Kultur und das betrifft jedes Genre. Auch wenn es immer noch schmerzt sehe ich positiv in die Zukunft, denn die Stuttgarter Metal-Szene ist ja nach wie vor da, ist feierwütig und lässt sich nicht vom Platz drängen - sie verschiebt sich nur ein bisschen. Andere Clubs spielen immer mehr Metal und fragen bei mir schon an ob, ich nicht was mit Ihnen machen möchte. Hier sei erwähnt, dass ich gerade stark an neuen Konzepten arbeite. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Stuttgart (und Umgebung) sehr viel zu bieten hat, was den Metal angeht. Davon können sich andere Städte noch eine dicke Scheibe abschneiden.


UG: Das Bleeding Nose kommt ständig mit neuen Mottos um die Ecke von denen einige nicht gerade Metalkonform zu sein scheinen (Oktoberfest, leider geil). Siehst du die Events ein wenig mit einem Augenzwinkern oder wer „erfindet“ die Mottos?

Thomas: Ich nehme das Konzept das hinter Bleeding Nose steht sehr ernst. Ich nehme mir sehr viel Zeit dafür das Ganze immer wieder zu optimieren, so dass bestenfalls JEDER zufrieden ist – Klar kann man es nicht jeden immer zu 100% Recht machen, aber anhand der viele Stammgäste muss ich sagen das wir es dem Großteil recht gemacht haben. Ich nehme Kritik immer sehr ernst, setze mich damit auseinander, versuche es nachzuvollziehen und versuche es dann in die Tat um. Zudem bin ich auch noch sehr selbstkritisch, was für den Event nur förderlich sein kann. Sicherlich sehen wir die Sprüche mit einem gewissen Augenzwinkern, stehe aber zu 100% hinter jedem Flyer. Ich finde es nicht wirklich Zeitgemäß immer denselben Hintergrund zu haben und immer nur die Event-Nummer hoch zu zählen. Das ist doch langweilig und nach dem dritten Flyer interessiert sich keiner mehr dafür. Also lassen wir uns zu jedem Event was anderes einfallen, was gerade in die Jahreszeit passt, politisch aktuell ist oder sonst irgendwie im Netz rum schwirrt. Mal sind die Ideen von mir, mal von der Grafikerin Tina oder mal nehmen wir die Idee von einem Stammgast. Und bis jetzt war ja noch kein Flyer dabei der total daneben war, oder? Das Motto ist wie am Anfang gleich geblieben: 100% Metal – voll auf die Fresse im Moshers Paradise“

UG: lach Manche sind defintiv gewagt aber ich gebe dir gern recht, Abwechslung muss sein!


UG: Direkt an der B14 und in Wurfweite zur Königsstraße ist das Uni der wohl zentralste Anlaufpunkt für Metalheads in Stuttgart und trotzdem ist es (vor allem im Suff) relativ weit zur nächsten Fressbude. War das der Grund für eine Kooperation mit der Circle-Group, die seit dem BN #108 lecker belegte Brötchen anbieten oder wie kam es dazu?

Thomas: Wie oben schon erwähnt, ich bin immer sehr offen für neue Ideen. Und da im Prag das Grillen schon sehr gut angekommen ist, hat die Circle-Group mit der Brötchen Idee bei mir offene Türen eingerannt. Die Brötchen sind der absolute Wahnsinn, habe selber vier davon gegessen, weil die so lecker waren. Sicherlich hätte wir da jeden X-beliebigen Caterer hinstellen können, das passt aber nicht zu Bleeding Nose. Wir brauchen Leute die das wie wir machen, aus Leidenschaft und Liebe zum Metal und genau deswegen macht es auch die Circle-Group. Bisschen Werbung in eigener Sache: Ich würde mich sehr freuen wenn Ihr den Zettel mit euren Lieblingszutaten am Essens-Stand ausfüllt und somit den „Bleeding Nose Burger“ wählt. Ich versuche die Dinge immer irgendwie zu verbinden, wie auch die beiden speziell für Bleeding Nose entwickelten Cocktail „Bleeding Man“ und „Bleeding Woman“


UG: Für mich als alten und vollkommen eingefahrenen (Death-)Metalhead ist der Floor am Raucherbereich jedesmal ein echter Bringer während der andere Floor für mich persönlich zu, ich sag mal politisch korrekt, „jung“ ist. In welchem Genre fühlst du dich besonders zuhause?

Thomas: Ich fühle mich in beiden Floors wohl, aber da mein Herz für Modern Melodic Death schlägt, bin ich im Ground-Zero (Main-Floor) ein bisschen heimischer, da kenn ich mich auch einfach mehr mit aus. Sicherlich kenne ich auch die ein oder andere Underground Band vom Bloodfloor (2. Floor), aber wenn es um südbrasilianische Underground Blackmetal-Bands geht, übersteigt das einfach mein Wissen. Wer mich besser kennt oder auch auf Facebook mit mir befreundet ist, weiß das ich Genres gegenüber sehr offen bin. Ich Liebe z.B. Behemoth und Dimmu Borgir genau so wie In Flames und The Browning. Ich bin der festen Überzeugung das Genres einfach tot sind, man hört das was einem gerade gefällt.


UG: Ende 2012 soll ja laut Maya Kalender die Welt bildgewaltig und äußerst brutal in ihre Einzelteile zerlegt werden. Sollte dies nicht eintreffen, wird das Anfang 2013 die GEMA für die deutschen Clubs erledigen – Wie viel Sorgen bereitet euch diese Entwicklung bzw. wie stehst du zur „Gebührennovellierung“?

Thomas: Wenn die Welt wirklich am 21.12.2012 untergeht, dann haben wir auf jeden Fall noch mal eine geile Party am 08.12.2012 gehabt. Wenn Sie nicht untergeht, machen wir ne fette After-Party am 22.12.2012, lacht. Die GEMA waren sind und bleiben immer noch MOTHERFUCKER!!! Sie schmeissen sämtlichen Sub-Kulturen immer wieder große Steine in den Weg, das ist echt nicht cool! Ich habe das Gefühl, dass die das ganz bewusst machen und seit Jahren schon geht das in die falsche Richtung. Egal ob das jetzt kleine Underground-Konzerte oder Mini-Festivals sind, oder jetzt die Club-Events, alle werden richtig zur Kasse geben. Und da Selbige gerade aussterben, werden jetzt die Clubs noch mal gemolken. Einer Großraumdisko mit 5000 Leuten tut das sicherlich nicht so weh, wie einem Club mit 200 Leuten...


UG: Mal vom Bleeding Nose abgesehen organisiert ihr bzw. du ja auch regelmäßig Konzerte und das nicht nur im Universum. Was kommt denn als nächstes auf uns zu?

Thomas: Aufgrund des aktuellen Umbruchs im Musik-Business ist es für uns sehr schwer Konzerte zu Veranstalten, bzw. die auch nur annähernd kostenneutral zu planen. Aber wir geben nicht auf, und werden immer mal wieder ein schönes Konzert für euch veranstalten. Aktuell sind wir in Planung für das Heimspiel von Debauchery Ende Dezember.


UG: Da könnte Gema-Freie Veranstaltungen, wie Sie UG plant ja noch richtig interessant werden! Aber mal noch eine Frage zu dir, was macht Thomas René Antes eigentlich beruflich und privat, wenn er nicht gerade neue Gigs und das BN #110 plant?

Thomas: Ohhhhh jeee, ich bin wirklich immer sehr beschäftigt… Hauptberuflich bin ich beim Bosch als Qualitätsingenieur im zentralen Einkauf angestellt – Ich kann wirklich mit Stolz behaupten das ich meinen Job echt Liebe – er macht mir sehr viel Spass und dazu habe ich noch total geile und durchgeknallte Kollegen. Nebenberuflich manage ich dann Event wie Bleeding Nose oder Bands wie Ill Nino, Madison Affair oder auch die beiden erfolgreichen Stuttgarter Bands Mindead und May the silence Fail. Ab und zu bin ich dann noch mit Bands wie zum Beispiel Sonic Syndicate als Tour-Manager auf der PIste. Privat bin ich mittlerweile viel mit dem Bike unterwegs, gehe gerne Snowboarden, tauche leidenschaftlich gerne oder bin einfach mit Freunden und Kollegen die Gegend unsicher machen.  


UG: Wenn du Thomas vor 10 Jahren mit deinem heutigen Wissen treffen könntest und ihm etwas mit auf den Weg geben könntest, was wäre das?

Thomas: DU WIRST GENAU DAS RICHTIGE MACHEN, pass ein bisschen auf dich auf, glaube nicht alles was man dir erzählt, glaube an dich und deine Ideen, lass dich nicht Unterkriegen, verfolge deine Träume und deine Ziele und bleib immer du selber! Du schaffst das! Und ganz Wichtig: NO REGRETS!!!


UG: Vielen Dank für deine Zeit, ich freue mich schon auf den nächsten Gig bzw. vielleicht sogar auf einen Gig der von uns mitorganisiert wurde?!

Thomas: Da freue ich mich auch schon drauf! Vielen Dank für das Interview. Lass es krachen und wir sehen uns bald bei Bleeding Nose.


Das Interview führte Grave von Undergrounded und Thomas René Antes, Veranstalter des Bleeding Nose und Mastermind hinter den BN-Konzerte. Mehr Infos hierzu findet ihr unter:

 

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Gelesen 3090 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 24 Oktober 2012 11:00

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