Interview - Der Metal-Anwalt

Interview - Der Metal-Anwalt Christian Koch

Abmahnung erhalten? Urheberrechtsstreit wegen eines Songs, Logos oder Lyrics? Sachbeschädigung an Equipment auf eurem Gig oder Stress mit dem Eventmanager? - Sucht nicht weiter, heute im Quickcheck der "Metal-Anwalt" Christian Koch!

UG: Beim Lesen deiner Biographie habe ich sofort verschiedene Schnittpunkte in unseren Lebensläufen gefunden. Du hast versucht als "Gitarrengott" Karriere zu machen, hast dann aber zu wenig Talent entwickelt und dich entschlossen die Szene anders zu unterstützen. Ich konnte nur Blockflöte und hab deswegen auch lieber eine Community gegründet, um die Szene, mit dem was ich besser kann, zu unterstützen. Als ich auf deine Webseite aufmerksam gemacht wurde, habe ich mir erstmal gedacht: Was zur Hölle? Ich kenne Arbeitsrecht, Strafrecht, Verkehrsrecht, Familienrecht, aber "Metal-Recht"? Wie kommt man darauf, besonders für die Metalszene, eine Dienstleistung rund ums Medienrecht anzubieten, bzw. wie kommt ein Metalhead darauf Jura zu studieren?

Christian Koch: Die Frage stellst du natürlich zu Recht, denn ich musste das "Metal-Recht" erstmal erfinden....Ich bin Metaller seit so ziemlich von Anfang meiner Musik-Biographie an. Meine Liebe begann im Jahre 1993 mit der "Somewhere Far Beyond"-Scheibe von Blind Guardian, ich kann also nächstes Jahr mein "20 Years in Metal"-Jubiläum feiern. Als ich mir endlich selber eingestanden habe, dass ich niemals selber als Saitenhexer gefeiert werde, blieb es für mich zunächst für Jahre beim Hören, Sammeln und Konzerte besuchen. Dann war ich auf einmal "erwachsen" und hatte einen Beruf...der Zufall hat mich im Referendariat in eine Medienrechtskanzlei verschlagen und so kam ich zum Musikrecht wie die Jungfrau zum Kind. Trotzdem brauchte ich noch ein paar Jahre, bis ich die gedankliche Verknüpfung zwischen meiner Arbeit und meiner Leidenschaft herstellte. Die besten Ideen hat man immer auf dem Klo.....

Die Idee Jura zu studieren (Achtung: Anekdote) kam mir in der 10. Klasse. Dort nahmen wir in Sozialkunde das Grundgesetz durch. Das fand ich...aufregend, spannend, faszinierend...irgendwie. Da fiel der Entschluss Jura zu studieren. Es ist übrigens ok, wenn ihr den Kopf schüttelt...

 

UG: Kommen deine Aufträge nur aus der Szene? Oder vertrittst du auch jeden anderen Mandanten, z.B. wenn er, ganz plump gesagt, Baggies oder Anzug trägt?

Christian Koch: Bislang kommen meine Aufträge nur zu einem kleinen Teil aus der Szene. Den Metal-Anwalt gibt es seit November 2011 und dafür ist es echt gut angelaufen. Im Moment mache ich noch überwiegend "normale" Mandate, meist aber auch aus dem Bereich Urheberrecht/IT-Recht. Man, ich will Metal-Mandate, aber ich würde auch jeden anderen Musiker oder Kunstschaffenden vertreten. Bei unserer Musik hängt eben auch Herz mit drin.

 

UG: Und wer kommt so auf dich zu, bzw. gibt es DEN typischen Klienten?

Christian Koch: Nein, gibt es nicht. Ich dachte zuerst meine Zielgruppe wären junge Bands, aber ich habe nun mit Labels, Festivalveranstaltern und Internetradios zu tun. Also alle Variationen von Kunstschaffenden und das macht so auch viel mehr Spaß. Beratungsbedarf gibt es viel.

 

UG: Die Frage hörst du bestimmt auch oft im Freundeskreis, aber was war bisher dein härtester Fall?

Christian Koch: Eine Sache, die nichts mit Musik zu tun hatte, sondern mit Recht am eigenen Bild. Es ging da um einen "rechtlosen Vater", der um das Umgangsrecht mit seinem kleinen Sohn kämpfte. Extrem emotional, habe aber nur hinsichtlich der urheberrechtlichen Fragstellungen beraten.

 

UG: Auf deiner Webseite steht "Die Robe ist deine Kutte". Wie seriös muss ein Metal-Anwalt in der Praxis, z.B. im Gerichtssaal, auftreten?

Christian Koch: Im Gerichtssaal herrschen natürlich bestimmte Gepflogenheiten. So wurde die Schlipspflicht für Anwälte erst vor wenigen Jahren gekippt. Sollte eine gerichtliche Auseinandersetzung sich nicht vermeiden lassen, steige ich gerne für die Sache auch in den (schwarzen) Anzug. Ansonsten versuche ich immer, lieber mit Kompetenz, als mit Kleidung zu punkten. - Obwohl ein Backpatch auf der Robe ziemlich großartig aussehen würde.

 

UG: Wirst du von deinen Kollegen belächelt oder beneidet, weil du mit deiner Idee praktisch eine Marktlücke entdeckt hast? Oder gibt es schon Nachahmer?

Christian Koch: Wir wissen ja alle, was die Menschen im Allgemeinen so über Heavy Metal denken. Das kann man besonders gut anhand der ganzen Wacken-Berichterstattung in den Medien verfolgen. Grundsätzlich habe ich aber gerade von Kollegen sehr positives Feedback bekommen. Es ist eben ein maßgeschneidertes Angebot für eine bestimmte Zielgruppe. Nachahmer fände ich irgendwie großartig. Wenn jemand mein Idee nachahmt, spricht das für die Idee. Mir ist bis jetzt jedenfalls nichts bekannt. Komisch, wenn man bedenkt, dass es Metal nicht erst seit gestern gibt. Sollte ich eine/n Nachahmer/in entdecken, schaue ich mir das ganz genau an und entscheide dann, ob ich das cool oder uncool finde...

 

UG: Gibt es bestimmte Tagessätze für Dienstleistungen oder wie verdienst du deine Brötchen genau?

Christian Koch: Warning: Anwaltliches Vergütungsrecht! Ich will hier niemanden langweilen, deshalb in aller Kürze: Grundsätzlich wird nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) abgerechnet. Das eröffnet verschiedene Möglichkeiten: Kosten nach Tabelle, Stunden- oder Pauschalhonorar. Die letzten beiden Alternativen sind bei mir immer verhandelbar.

 

UG: Wir als Undergrounded.de unterstützen besonders kleine Bands, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen und keine bis geringe finanzielle Möglichkeiten haben und arbeiten praktisch unentgeltlich bzw. fast schon "ehrenamtlich". Gab es eine Situation, wo du ohne Honorar oder unbürokratisch geholfen hast, z.B. einen besonders interessanten Fall, oder jemanden, der dich nicht entlohnen konnte?

Christian Koch: Nur im privaten Umfeld, etwa bei der Gründung eines Fördervereins. Die "pro bono"-Beratung ist nach dem RVG eigentlich nicht vorgesehen und möglicherweise sogar berufsrechtswidrig. Trotzdem liegt die Notwendigkeit auf der Hand, das muss man im Einzelfall einfach besprechen. Kontaktaufnahmen mit mir als Metal-Anwalt sind immer unverbindlich und kostenlos. Ich mache mir ein Bild von der Sachlage und dann bespreche ich die Kosten.

 

UG: Was würdest du Christian Koch sagen, wenn du ihn zu Anfang seines Studiums mit deinem heutigen Wissen treffen könntest?

Christian Koch: Go ahead, mach dein Ding. Besorg dir eine gute Qualifikation und such dir dann die Nische, in der du dich wohlfühlst. Ich wollte nie (niemals nie) Rechtsanwalt werden. Nun bin ich es und liebe es.

 

Danke für das Interview. Einerseits hoffe ich, niemals geschäftlich mit dir zu tun haben zu müssen, andererseits ist es ein gutes Gefühl eine Adresse für die metalspezifischen Probleme zu haben!

 

Das Interview führten Grave von Undergrounded und Christian Koch - Der Metal-Anwalt!

Mehr Infos zum Metal-Anwalt findet ihr unter:

http://metal-anwalt.de/

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Gelesen 5763 mal Letzte Änderung am Dienstag, 09 August 2016 02:59

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