Donnerstag, 24 November 2016 07:54

Undergrounded Leaks - Cateringgate

geschrieben von Ghostwriter

Es gibt auf großen Festivals diesen magischen Ort namens „Backstage“, wo es unbegrenzt Bier, Wein, Sekt und Groupies gibt. Wo die edelsten Gerichte gerade gut genug sind, um die Gaumen und Lippen der gefeierten Bands der Szene zu erfreuen und wo der Luxus zu Hause ist.

Von der obligaten Flasche schottischem „Glerznchurchallach“ Whiskey (30 Jahre alt, 42%) ist da oft die Rede, von dem armen Roadie, der beim Aussortieren der M&M's auf gar keinen Fall auch nur ein Grünes in der Schale vergessen darf und von der Band, die nach dem Konzert ausschließlich blonde Hostessen mit Master Degree fordert. Tatsächlich können wir aus Erfahrung sagen, dass es wohl kaum etwas Langweiligeres als den Backstage eines großen Events gibt. Hat man einen gesehen, hat man alle gesehen. In einem Containerdorf oder einer kleinen Hotelanlage, wo sich die „großen“ Künstler vor und nach dem Auftritt lieber in ihren eigenen Räumlichkeiten verbarrikadieren, um ja nicht von irgendwem tangiert zu werden, herrscht in der Regel eine Art „professionelle Tristesse“ und wenige, sehr wenige Ausnahmen. Die eigentliche Party findet in der Regel in einem kleinen versifften Raum mit ein paar abgefuckten Sesseln, billigem Bier und Fusel und einem Catering bestehend aus Chili oder Pizza statt. Aber um diese kleinen, feinen Aftershowparties unter Freunden soll es hier nicht gehen, sondern um eines der ganz dicken Events.

 

Wir haben von einem Informanten direkt an der Quelle über 90 Bandrider von Bands zugespielt bekommen, die dieses Jahr auf einem großen deutschen Festival aufgetreten sind. Von absolutem Größenwahn bis hin zu den ganz kleinen Wünschen ist hier alles vertreten und wir freuen uns, euch einen kleinen Einblick in die Gewohnheiten der „Stars“ der Szene zu geben!

Die erste Band, die wir euch präsentieren wollen, ist eine echte Death Metal Legende namens „Deathy Death Death“ (Der UG Anwalt rät uns dazu, auf jeden Fall echte Bandnamen zu verwenden). Über fünf Seiten wird hier klargemacht, dass man nicht nur mit der Musik, sondern auch mit den Ansprüchen protzt. So verlangt „Deathy Death Death“ neben einem ordentlichen Frühstück und dem Standard „All Day Beverage Service“ gleich 4 Räume, die wohl so mancher sofort als Wohnung beziehen würde. Besonders wichtig: Die BBQ Potato Chips bitte NUR Montags, Mittwochs, Freitags und Sonntags, die Doritos NUR am Dienstag, Donnerstags und Samstag!


Bild 1 Bild 2

 

 

Im Vergleich – fast schon handzahm – präsentiert sich die Band „German Paganic Death Folk Something“, die sich vielleicht (noch) nicht in höheren Sphären bewegt, aber halbwegs auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist:

 

Bild 3

 

Auch Bands, die mit Metal so viel zu tun haben wie Blümchen, haben einige Ansprüche an Futter und Unterkunft, so z.B. „Softy Velvet Question“ – Wer hier Straight-Edge erwartet hätte, um den 12-jährigen Fans zu gefallen, wird von den zwei Flaschen Vodka und den Pizzen mit Fleischbelag schwer enttäuscht werden.

Velvet1   Velvet2


„Gasoline Killed“ bewegen sich als großer Act dabei auch noch erfrischend nah am Boden, was auch das um Verständnis heischende „Intro“ des Cateringriders klarstellt:


Please remember that the band is far from home, and ask for these items to help make a long trip in an unfamiliar setting a little bit easier. You will find the band very down to earth and easy to work with and we appreciate you doing your best to provide the items requested.“

Dem kann man wohl zustimmen, reichen doch ein paar Sandwiches und die obligaten fünf 9-Volt Batterieblöcke, um den Bassisten zufriedenzustellen (Fun Fact: Im Techrider gibt’s nochmal so viele - Snacken ist einfach wichtig!).

Gasoline1Gasoline2

 

Die geringsten Ansprüche hat wohl insgesamt die Thrashfraktion, die einfach nur lokales Bier und ein warmes Abendessen wollen. Jungs mit solchen "Anforderungen" muss man einfach lieben, so auch die Brutalmetaller von "Dolchstoß":


Verräter

 

 

Im Gegenzug erbrechen sich „Automatic P“ über 25 Seiten in Anweisungen, was im Backstage stehen soll, welcher Fahrer welches Bier bekommt und von welcher Beschaffenheit die Selbstschussanlagen vor der Bühne sein müssen, um ja nicht mit einem dreckigen Fan in Berührung kommen zu müssen. Die Angst vor den Fans scheint jedoch unberechtigt, ist ja eine kleine Armee von "highly trained and deadly efficient" Securites angetreten, um die Sicherheit der Band zu gewährleisten. Rock'n'Roll will never die!

Softy      Softy2

 

Es gäbe in der Liste noch einige interessante Beispiele von latentem Größenwahn, der einen wohl erwischt, wenn man auf einem Billing von 100+ Bands gut lesbar auf dem Plakat zu entziffern ist und wir wollen es an dieser Stelle dabei bewenden lassen.

 

Uns freut viel mehr, dass es auch große Bands gibt, die die Füße unter dem Tisch lassen. Oft genug trifft man diese auch auf den kleinen Festivals der Republik, auf denen sie zusammen mit Helfern und „Fußvolk“ auf einer Bierbank ein selbstgemachtes Essen zu sich nehmen – wie z.B. Sodom oder Tankard, von denen wir nur zu gern wüssten, was sie tatsächlich auf Ihren Cateringridern verlangen.

Metal ON!


Gelesen 1375 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 24 November 2016 09:21

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