Mittwoch, 02 Juli 2014 14:12

Crimson Death Studioreport Teil 1: Von Dosendrums und ersten Einblicken

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Crimson Death Crimson Death Crimson Death

Ein kleiner Kellerraum, vollgestellt mit Drum-Sets, Equipment und Technik. Sieht es so aus, wenn Death Metaller an ihrem neuen Album arbeiten? Ja, so machen das "tödliche Todesmetaller". Die Waiblinger Crimson Death sind mitten in den Aufnahmen zum zweiten Album - in die ich einige Einblicke bekomme.

Auch wenn der enge Raum vollgestellt ist, konzentrieren sich zehn Augen nur auf einen kleinen Laptop. Denn dort befinden sich die ersten, rohen Fassungen der Gitarren-und Bassspuren des neuen Albums, vorläufig unterstützt von "Drums aus der Dose", wie Frontmann Patrick das PC-generierte Schlagzeug schmunzelnd nennt. Vocals und die richtigen Drums fehlen im Augenblick noch. Letztere bilden im Aufnahmeprozess der Band ohnehin eine Ausnahme. Denn im Vergleich zum Gesang und zu den Saiteninstrumenten kann Drummer Sebastian nicht einfach daheim draufloshämmern und das Ganze aufnehmen. "Die Drums müssen in einem entsprechenden Raum aufgenommen werden, der eine halbwegs kontrollierbare Akustik hat und wo auch nicht zu viel 'Lärm' nach außen dringt. Beides bietet mein Keller nicht."

Die drei größten Probleme bei der Albumaufnahme und -produktion hören aber auf andere Namen: Zeit, Geld und Logistik.
Alle vier Musiker befinden sich noch im Studium. Folglich gibt es Prüfungen, die im Weg stehen. Und auch unterschiedliche Studienstandorte.
Mit zwei Gitarren spielte Kevin Lead- und Rhythmusgitarren ein, rund 60 Kilometer von Waiblingen und den drei anderen entfernt, in Tübingen. Das mehrspurige Abmischen ist gängige Praxis im Metal, für Crimson Death ist es zumindest bei einem Langspieler erstmals Vorgehensweise - um einen fetteren Sound zu erzielen. Der finale Sound kommt dann mit der Technik des Re-Ampings zustande, für mich als Technik-Noob natürlich Neuland (Deswegen kann, wer interessiert ist, mehr darüber hier lesen). Und die neuen Gitarrenstücke klingen gut, fetzig, auch melodischer und haben vor allem eins: Wiedererkennungswert! Man spürt die Vorfreude des Quartetts auf das neue Album bis in die - durchaus langen - Haarspitzen und sie überträgt sich auf mich.

Die Songs werden durchgehört, der Raum ist erfüllt von lebhafter Gestik der vier Jungmusiker und jeder Menge Onomatopoesie - sprich, ständig wird versucht, mit dem Mund das gerade gehörte Riff nachzuspielen. Immer wieder wird ein Song unterbrochen, eine Stelle wieder und wieder gehört, die qualitativ unterschiedlichen Kopfhörer umhergetauscht. Vor allem Patrick äußert immer wieder Kritik, ist oft im Dialog mit Kevin. Sebastian und Max halten sich eher zurück.

Die beiden Gitarristen sind es auch, welche die Banddynamik größtenteils bestimmen. "Kevin brescht immer nach vorne. Mit Ideen, mit Konzerten. Da ist es gut, dass ich eher der zurückhaltendere Typ bin, so kann ich ihn gegebenfalls bremsen", meint Patrick. Die beiden ergänzen sich gut, quasi ein Wechselspiel. Dass natürlich auch Drummer Sebastian und Bassist Max nicht weniger wertvoll für das Bandgefüge sind, zeigt sich schon daran, dass am neuen Album alle vier sehr eng zusammengearbeitet haben. Jeder hat mindestens einen eigenen Song beigetragen.  Den Namen des neuen Albums wollen sie mir aber nicht verraten. Das sei so ausgemacht gewesen. Warum genau können mir einige Tage weder Patrick noch Sebastian sagen. "Dann muss es wohl wichtig gewesen sein", grinst Patrick. Mit einigen Informationen rücken sie aber schon heraus. Es wird ein Konzeptalbum, der Protagonist hört auf den sympathischen Namen Evil Joe. Trotzdem soll jeder Song auch in sich abgeschlossen sein, betont Kevin.

Dass auch tödliche Todesmetaller nicht frei von Fehlern sind, zeigt die Listening-Session aber auch. Mehrmals kritisiert Patrick eine Stelle, bis die drei anderen ihn davon überzeugt haben, dass es genau so sein soll. "Hab ich so noch nie gespielt", meint Patrick und lacht. Man lernt eben nie aus.

Bereits sechs Jahre gibt es Crimson Death nun schon. Dabei kamen einige "What the..."-Momente zustande. Lachend erinnern sich die Jungs daran, wie aus Patrick in einem Zeitungsartikel plötzlich Frank, wie aus Crimson Death in einem anderen Artikel Crimson Decay wurde. In der lokalen Zeitung waren sie sogar im Jahresabschluss-Kreuzworträtsel als Lösung zu finden. "So weit haben wir es also schon geschafft", stellen sie lachend fest. Dann erzählen sie weiter vom neuen Album, die Motivation ist groß. Erstmals wurden die Songs in einer größeren Gemeinsamkeit geschrieben und vor allem besprochen. Neben Kevin und Patrick haben - wie oben bereits erwähnt - auch Sebastian und Max eigene Songs geschrieben. Besonders letzterer wird fieser und schwärzer, beteuert die Band.

Eine der größten Herausforderungen beim neuen Album sei es gewesen, die Schnittstelle zwischen Eingängigkeit und Monotonie zu finden, meint Patrick. "Es soll nicht neunmal der gleiche Song sein - was uns aber glaube ich gut gelungen ist." Man habe mehr mit melodischeren Riffs gearbeitet, trotzdem aber nichts an Härte verloren. Zudem sei dieses Mal alles besser auf den Gesang abgestimmt - eine Sache, die dem Frontmann sehr am Herzen lag. Die Vorfreude aufs neue Album steigt, das klingt alles verdammt gut. Wann denn das neue Album erscheinen werde, möchte ich wissen. Die Vier schauen sich kurz an, diskutieren einige Sekunden. Eigentlich wollen sie das noch geheim halten. Dann sagen sies mir aber doch. Mehr dazu später.

Auf mein Nachfragen nach der Motivation legen die Jungs los. Sie erzählen von verschiedenen Dingen: die großteils wirklich guten Rückmeldungen zum Debüt, die vielen tollen Live-Auftritte - und eine Sache, die es ihnen wirklich angetan hat. Bei ihrem Auftritt im Club Zentral mit Hackneyed kam nach dem Konzert ein Mann zu ihnen, der "uns durch seinen Akzent auffiel". Dieser Mann war aus der Schweiz angereist, nur um Crimson Death zu sehen, obwohl er sie zuvor noch nie gesehen oder gehört hatte. Einzig ein Bericht im Legacy habe ihn auf die Band scharf gemacht.

Einen Blick in die nahe Zukunft gewährt mir die Band auch noch. Im Juli steht der erste Auslandsgig an, in Österreich. "Darauf freuen wir uns schon riesig".
Gleichzeitig muss das Quartett aber meine nächste Frage verneinen. "Eine Tour ist nicht in Sicht. Das ist einerseits finanziell nicht möglich, andererseits ist das logistisch gesehen ein Ding der Unmöglichkeit", sagt Kevin. Außerdem sei es schwer als kleine Band unter der Woche Termine zu bekommen.

Schlussendlich geht es dann weiter, zum entspannten Teil der Aufnahmearbeiten: den Abend im Pub ausklingen lassen.

Das Releasedatum verrate ich euch dann im zweiten Teil ;) Dort wird es dann verstärkt um die Drumaufnahmen gehen. Einen kleinen musikalischen Vorgeschmack erhaltet ihr hier.


Gelesen 2238 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 02 Juli 2014 15:38
Asgrimur

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