Donnerstag, 14 März 2019 16:09

Pestilence - 30 Jahre "Consvming Impvlse"

geschrieben von Crimson & Blood Countess
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Pestilence Pestilence Consuming Impulse

Pestilence sind seit 1986 eine feste Instanz in der Death Metal Szene und haben mit ihren nunmehr 8 Album eine Menge junger Bands inspiriert und geprägt. 30 Jahre ist es her seit „Consvming Impvlse“ das Licht der Welt erblickte und seine Fans weltweit in den Bann zog. Zum Jubiläum dieses Glanzstückes gibt die Band auf ihrer „Redvced to Ashes Tovr“ das Album erneut zum Besten. Grund für uns, diesem Klassiker erneut eine Chance zu geben und zu schauen, ob es seinen Status als wegweisenden Kvlt-Longplayer nach all den Jahren immer noch halten kann.

Viel zu lang lag diese CD in hinterster Reihe im heimischen Regal, in Anbetracht der Bedeutung und zeitlosen Todesmetallkunst, die hier präsentiert wird. Kaum dröhnt der erste Titel aus den Boxen, kommen alte Erinnerungen wieder hoch, während man selbst gebannt lauscht und in dem hämmernden Schlagzeuggewitter begraben wird. Markantestes Merkmal sind die stechend herausragenden Vocals von Martin Van Drunen, welcher zu Recht als einer der besten Death Metal Sänger unserer Zeit genannt wird. Auch die Entwicklung dieser Band ist bemerkenswert – die überwiegend rohen Thrash und Death Metal Einflüsse der Anfangsjahre und insbesondere von diesem Album sind heute einem etwas progressiveren Sound untergeordnet. Den wohl wichtigsten Meilenstein auf dem Schaffensweg der Band stellt definitiv dieses Werk dar, Anlass genug also um das Album aus dem Regal hervorzukramen und sich der Garde alter Death Metal Größen wie Death, Celtic Frost und Morbid Angel erneut zu widmen, bevor ihr Erbe in der Versenkung verschwindet.

Ursprüngliches Cover Ursprüngliches Albumcover


Unvergessen bleibt eindeutig der Opener „Dehydrated“, der den Hörer ohne Kompromisse direkt ins Getümmel stürzt und ohne Orientierung oder Wasser mit einem bis heute genialen Riff in der Wüste sitzen lässt. Rotzig, brutal und gnadenlos hart sowie erstaunlich gut produziert für diese Zeit, reiht sich ein Genickbrecher an den Nächsten. Kaum spürbare Übergänge zwischen „Suspended Animation“ und „The Trauma“, sondern stetig nach vorne prügelnd und mit genialen Riffs untersetztes Death Metal Gewitter ohne die geringsten Anzeichen von Schwäche oder Langatmigkeit. Die stellenweisen Low-Tempo Parts wie am Anfang von „The Trauma“ komprimieren kurz die Stimmung, um sofort wieder in gewohnter Manier fortzufahren. Es ist bereits wieder nach drei Songs diese Anbahnung von energischem Kribbeln zu spüren, man will sich direkt in den nächsten Moshpit stürzen, um diese Musik zu zelebrieren. Technisch gesehen ist das Album sicher Vorreiter neben Werken von Death oder Morbid Angel, insbesondere wenn es um neuere Genres wie Brutal/Technical Death Metal geht. Mit ein Grund, warum das Album nach 30 Jahren immer noch einen zeitlosen Charakter aufweist – diese alte Rohigkeit und Härte findet man sonst immerhin noch bei Asphyx, Martin van Drunens Stimme scheint genau diesen Death Metal Old School Vibe mitkonserviert zu haben. Dieser unverkennbare Stil, der auf „Consvming Impvlse“ seit jeher so lebendig klingt ist zwangsläufig auch das Aushängeschild von Pestilence und lässt die Holländer weiterhin als eine der Death Metal Inkonen der alten Schule beinahe unangetastet stehen.

„Chronic Infection“ spielt beispielsweise sehr gelungen mit diesen Einflüssen, ohne die raue Gangart zu verlieren. Unvergessen bleibt ebenfalls mein persönlicher Favorit und wohl bester Song der Platte „Out Of The Body“ mit seinem Killer-Riff, das Hörer damals wie heute einfach nur wegbläst. Genauso „Echoes of Death“ mit seinen Gänsehaut verursachenden Riffs und Drumparts, welche von Anfang bis Ende so fantastisch gelungen und stimmig sind, dass man sich fragt woher die Band diese Energie nimmt. Bis zu „Reduces to Ashes“ nimmt die Band alles auseinander und liefert ein für heute wie damals grandioses Stück Todesmetall.

Band 1989

Bandfoto 1989

Pestilence waren mit diesem Album ähnlich wie Death mit „Leprosy“ 1988 ihrer Zeit ein gutes Stück voraus, was damals noch nicht in dem Maße zu erahnen war. Diese zurückblickend unverkennbare Relevanz der „alten Schule“ lernt man insbesondere heute zu schätzen, wenn man sich im neuzeitlichen Sumpf aus modernen Stilen und Elementen völlig überflutet findet und erneut auf solch eine Perle aus längst vergangen Zeiten trifft, die mit ihrer Liebe zur Schlichtheit und Stärke aus dem Einheitsbrei der modernen Musikszene herausbricht wie eine zweite Offenbarung. Je tiefgehender man sich mit diesem Werk befasst, desto mehr hört man regelrecht, wie oft sich spätere Formationen wohl von den Niederländern inspirieren lassen haben. Es ist ohne Frage ein zeitloser Klassiker, der heute genauso wie in abermals dreißig Jahren seine Liebhaber finden wird.

Weitere Informationen

  • Band: Pestilence
  • Album Titel: Consuming Impulse
  • Erscheinungsdatum: 25. Dezember 1989
Gelesen 1102 mal Letzte Änderung am Freitag, 15 März 2019 10:10

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