Montag, 30 Dezember 2019 19:02

13.-14.12.2019 - De Mortem Et Diabolum V - Jugendhaus Paulinenaue +++ Mgła + Bölzer + Ascension +++

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De Mortem Et Diabolum V De Mortem Et Diabolum V Jugendhaus Paulinenaue

Mitte Dezember fand im Großraum Berlin zum fünften Mal die bei jeder bisherigen Ausgabe mit außerordentlichem, erlesenem Programm aufwartende Eventreihe De Mortem Et Diabolum statt. Als im Spätsommer bekannt wurde, dass nicht wie bisher das Berliner Columbia Theater Ort der Veranstaltung sein könnte, wurde mit dem Jugendhaus in Paulinenaue eine neue Location gefunden. Die Veranstalter hatten via Social Media verlautbaren lassen, dass man zu diesem Schritt gezwungen wurde,  da die Geschäftsführung der früheren Konzertstätte Auflagen aussprach, die nicht zu erfüllen waren, und sich die Verantwortlichen mit Vorwürfen wegen mancher geladener Acts konfrontiert sahen. Der Locationwechsel fand nicht ohne Widrigkeiten statt, tat der Qualität der Veranstaltung aber keinen Abbruch: Ob das nunmehr fünfte Jubiläum des Events dennoch ein Erfolg wurde, erfahrt ihr hier.

Hand aufs Herz: War das Jugendhaus in dem beschaulichen Paulinenaue unweit von Friesack, der Location des UTBS-Festivals seit 2017, perfekt für das Event? Vielleicht nicht. Aber was aus der schwierigen Situation gemacht wurde, um nicht gleich das ganze Event absagen zu müssen, war professionell, gut durchgetaktet und für die überaus unangenehme Situation des Locationwechsels ein wahrer Meilenstein in Sachen Orga. Gewiss wird es für manche Besucher, vor allem diejenigen, die nicht mit dem Auto anreisten, bzw. die Unterkünfte in Berlin gebucht hatten, nicht ganz einfach gewesen sein, ins Dorf Paulinenaue zu kommen und nach den Konzerten wieder zurückzukommen - mit dem Zug gelangte man (zugegebenermaßen nicht in ganz kurzer Zeit) aber eigentlich recht easy von der Hauptstadt nach Paulinenaue und hatte dann auch keinen langen Fußweg bis zum Jugendhaus. Für die späteren Stunden organisierten die Veranstalter hingegen Shuttlebusse, damit alle Besucher sicher dort angelangten, wo sie ihre Nachtlager aufschlugen. Darüber hinaus brachte das Jugendhaus ein gewisses Exklusivitäts-Ambiente mit sich: Eine Art Aufenthaltsraum im Haupteingangsbereich, in dem die Merch-Stände aufgebaut wurden, eine große, in die Länge gezogene Halle, in der durchaus eine weit größere Menge an Besuchern noch Platz gefunden hätte, Schlafräume und Aufenthaltsräume en masse, direkt neben der Location bzw. im gleichen Gebäude, ausreichend Platz im Außenbereich für Essensstände, eine Bar im Innern, einen Bierwagen draußen etc. - kein Malus in Sachen Platz und auch aus dem Klang holte man das Beste heraus. Zudem dürften manche Besucher auch durch das Angebot an Ferienwohnungen und Zimmern in den Gaststätten der Umgebung von Paulinenaue den einen oder anderen Euro gegenüber den Unterbringungen direkt in Berlin gespart haben. Der erste Eindruck auch für unser Team war, als wir an der Location ankamen, dass man durchaus beeindruckt sein kann, mit welcher Akribie und Professionalität hier zu Werke gegangen wurde und dass man sich der rettenden Maßnahmen mit der neuen Location weder schämen musste, noch in irgendeiner Weise etwas falsch gemacht hätte - im Gegenteil: Die Rettung der fünften Ausgabe DMED stellte sich als gelungenes Unterfangen heraus, von der ersten Minute an.

Tag 1

Evohé und Matterhorn eröffneten das Festival am Freitag. Während die Franzosen aus Chambery erst 2019 nach ihrem Drittwerk "Deus Sive Natura" neuerdings bei Folter Records untergekommen sind und vor vergleichsweise kleinem Publikum mit interessantem Bühnenbild aufwarten konnten, beeindruckten Matterhorn mit ihrem ganz im Gegenteil zu den Openern eher dreckigen, weniger atmosphärischen Sound. Die Schweizer um Morbid, Tim Tot und Nekroking waren jüngst mit den ebenso am Freitag auftretenden Headlinern Dødheimsgard, Bölzer und Blaze of Perdition unterwegs, stellten ihr Debütalbum "Crass Cleansing" von 2018 vor und lieferten eine solide Show. Gleichzeitig muss man sagen, dass die Band es auf einem beinahe reinen Black Metal-Event etwas schwer hatte, ihren abgewetzten Stil an den Mann oder an die Frau zu bringen und ging bereits auf der Tour bei den kleineren Club-Shows teils etwas unter. Schnelle Riffs, viele Anleihen Genre-ähnlicher, anderer Bands, aber keineswegs Eintönigkeit charakterisierten den Auftritt der Band aus Zürich.

Während Teile unseres Teams sich mit dem Veranstalter trafen, machten sich Halphas bereit, der größer werdenden Menge ihre düsteren Stücke zu präsentieren und markierten auch gleich das erste Highlight des Tages. Für uns bereits ein starker Vertreter auf dem Under The Black Sun 2018 stellten die Hessen ihr am selben, verheißungsvollen Freitag den 13. erschienenes Neuwerk "The Infernal Path Into Oblivion" vor. Und das knallte gehörig rein: Schnörkelloser Black-Thrash mit roher Kante, aber durchdachtem Songwriting schlug den Besuchern um die Ohren, gleich nachdem das melancholische, ruhige Intro vorbei war. Vor allem Frontmann Legatus und seine Reibeisen-Vocals stechen beim Auftritt heraus.

Auch Membaris -wie schon Halphas aus dem Hessener Raum- gingen nicht weniger erbarmungslos zu Werke: Kenner der Band haben die zwei Alben "Grenzgänger" und "Entartet" im Hinterkopf, aber nachdem es in den vergangenen Jahren etwas ruhiger um die Band wurde, vor allem nach einigen Ensemble-Wechseln, kehrt die Combo um Obscurus und Kraal und ihren Live-Support nun mit neuem Material zurück. Ende März erscheint mit "Misanthrosophie" ein neues Album, von dem auch Stücke präsentiert wurden. Ein erlesenes Set mit Songs, die so noch nie live zu hören waren, die bedrohliche Optik der Musikschaffenden auf der Stage und eine dichte Atmosphäre zeichneten den geplagten, tiefschürfenden und aufwühlenden Sound von Membaris aus - auch wenn die Vocals live weniger rauschhaft und mitreißend rüberkamen, als es auf der Platte der Fall ist.

Ordentlich eingenebelt und zum dritten Mal beim DMED dabei: Blaze of Perdition aus Polen, die im Februar des neuen Jahres ihr brandneues Werk "The Harrowing of Hearts" veröffentlichen. Für Liebhaber der intensiven Live-Shows der Band aus Lublin um Frontmann Sonneillon markierte der Auftritt das Must See des Tages, trotz der starken und namhaften Headliner der Tour-Quadriga, die noch folgen sollten. "With Madman's Faith" und "Transmutation of Sins" vom Neuwerk überzeugten dabei genauso wie Stücke vom hochgelobten Vorgänger "Conscious Darkness" - auch ein hochinteressantes Cover der Genre-fremderen Band Fields of the Nephilim bauten die Polen ein. Eine Veredelung in Form eines Black Metal-Anstrichs stand dem Gothic-Klassiker "Moonchild" dabei überaus - auch wenn der Song gewiss sehr verfremdet wurde.

Bölzer zerlegten im Nachgang nochmal alles - kein Wunder, dass das Schweizer Black/Death-Duo derzeit gehörige Aufmerksamkeit erhält, als Sureshot in Sachen brachiale Shows gehandelt wird und darüber hinaus schon jetzt Kultstatus innehat. Mehrere EPs, darunter auch die zum Tourstart Ende November erschienene "Lese Majesty" sind derart begehrt, dass man sie auf Vinyl teils nur noch zu horrenden Preisen ergattern kann, sowie in CD-Variante regelmäßig ausverkauft sind. Ihr Debüt "Aura" von 2016 manifestierte die Band jedenfalls so fest in der Szene, als gäbe es sie schon seit mehreren Jahrzehnten und nicht erst seit 2008. Besonders schön am kurzweiligen, aber groß angelegten Set der Band: Die jüngste EP wurde sogar in Gänze gespielt. Gerade "A Shepherd in Wolven Skin" und "Ave Fluvius! Danú Be Praised!" sind derartige Brecher-Songs, dass man live einfach vor den Künstlern den Hut ziehen muss. Weihrauchgeschwängerte Luft, Nebel und eine okkulte Ader trafen auf niederwalzende Sounds - das sorgte dafür, dass Bölzer, neuerdings lieber als "Bølzer" stilisiert, an diesem ersten Festivaltag das gesamte Publikum in den Bann zogen und ordentlich die Köpfe schütteln ließen.

Die norwegischen Black Metal-Avantgardisten Dødheimsgard um Sänger und Gitarrist Vicotnik (u.a. Ved Buens Ende, Strid) beendeten den Tag - schade bloß, dass sich zum Beginn des Gigs der Saal im Jugendhaus Paulinenaue bereits ordentlich geleert hatte. Gewiss, der chaotische, teils sehr experimentierfreudige, mal wieder eher psychedelisch anmutende Black Metal-Sud der bemerkenswert routinierten Band fasziniert die einen, stößt die anderen aber wieder ab. Aber auch hier gilt: Ein sonderer Kult umwebt die Band, für viele sind sie Meister ihres Fachs, für andere Clowns. Egal, wie man zur Band steht: Zweifelsohne lieferten die Norweger auch hier eine gute Show ab. Mit dem Opener des wegen seiner doch sehr Industrial-lastigen Einkerbungen kontrovers aufgenommenen "666 International" von 1999 startete die Band in ihr Wechselbad aus intensivem Rausch und rätselhaftem Geklimper, lieferte im Folgenden einen Rundumblick über die gesamte Diskographie der Band, vom Debüt "Kronet til konge", was einige Fans der 90er Black Metal-Ära sehr gefreut haben durfte, bis zum 2015er "A Umbra Omega". Gewiss kein schlechter Auftritt, aber Dødheimsgard verlangen ihrer Hörerschaft auch einiges ab, wenn es um Geduld, Gewöhnung und Stilbrüche geht.

Photos: Anna Apostata

Weitere Informationen

  • Band(s): Evohé, Matterhorn, Halphas, Membaris, Blaze of Perdition, Bölzer, Dødheimsgard
  • Wann: 13.12.2019
  • Wo: Jugendhaus Paulinenaue
Gelesen 1766 mal Letzte Änderung am Freitag, 13 März 2020 19:00
Haimaxia

Impavidi progrediamur - sic itur ad astra.