Black Metal aus dem Vereinigten Königreich war lange Zeit erstens eine Rarität und stand zweitens im Schatten der großen Vertreter aus Skandinavien oder Ländern östlich des Inselverbunds. Doch spätestens seit Saor oder Winterfylleth weiß man, dass auch die Schotten und Engländer über hochkarätige Vertreter der dunklen Tonkunst verfügen. Mit Helgafell steht nun ein neuer Stern am Himmel des britischen Black Metals – und der reiht sich nahtlos zwischen die beiden erstgenannten Bands ein. Keine Überraschung also, dass sie einen Platz in unserer Rubrik "Unter dem Radar" bekommen.

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Samstag, 16 November 2019 15:00

UNTER DEM RADAR - BLUTVIAL (BLACK METAL)

Aus Großbritannien kommt in letzter Zeit ein ordentlicher Schwung an Bands, die erhebliches Potential an den Tag legen. Einige wie Fen, Saor oder Winterfylleth fanden schnell eine nicht unbeträchtliche Anzahl an neuen Fans, andere haben dieses Glück leider nicht, obwohl sie musikalisch die höchsten Ansprüche bedienen. So wollen wir euch heute eine dieser Bands vorstellen und hoffen, ein paar neue Hörer für Blutvial in unserem brandneuen UdR-Artikel begeistern zu können.

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Das Setting: die 1890er. Verregnetes England. Black Metal würde man sicherlich nicht in diese Zeit verfrachten, wenn man an das ideale Setting der extremen Musiksparte denkt – anders bei A Forest Of Stars, diesem berüchtigten Konglomerat exzentrischer und ambitionierter Musiker, die sich als Vertreter einer prunkvollen, aber auch von Gegensätzen durchfressenen Epoche in der Vergangenheit Englands präsentieren. Ihre lyrischen Exzesse zelebrieren sie zwischen Opium- und Absinth-Konsum, satanischen Riten, Séancen und okkult-finsterer Stimmung. All das, wie bei einem Bastard der literarischen Werke Edgar Allan Poes und Oscar Wildes, nur eben mit erfrischenden Legierungen aus harten Instrumentenwänden, ungestümem Temporeichtum und traditionell gehaltvollem Folk-Glanz unterlegt. Dass die Dame und die Herren gerade weg gesprochen nicht mehr alle Tassen im Schrank haben, machen ja schon alleine die Beinamen der Einzelnen im Mitgliederindex „Katheryne, Queen of the Ghosts“ oder „The Resurrectionist deutlich. Die Avantgarde-Favoriten und verschrobenen Ladies & Gentlemen vom gediegenen und dekadenten Sternenwald-Club rafften sich dieser Tage ein weiteres Mal zusammen, ihre verschrobenen Köpfe ineinander zu stecken und ein neues Tonwerk zu schmieden, das ihren einzigartigen Sound auf ein neues Level treibt. Was soll man sagen zum Stil der merkwürdigen Briten-Bruderschaft aus dem viktorianischen Zeitalter? Werfen wir zunächst mal einen näheren Blick auf die neue Platte der kauzigen Wunderkinder, die mit ihrem so unvergleichlichen „puzzling“-Sound in der Szene ohnegleichen sind.

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