Montag, 11 März 2013 23:15

Agrypnie - Aetas Cineris

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Knapp dreieinhalb Jahre haben uns Agrypnie Warten lassen (die "Asche"-EP mal außenvor gelassen) seit ihrem letzten Longplayer "16[485]". Als ich die Band 2011 durch eben dieses Album entdeckte, war mein Glück kaum zu beschreiben, denn selten hatte ich in diesem Bereich etwas besseres gehört. Auch mit den vorherigen Alben, aber vor allem mit "16[485]", stiegen Agrypnie in rasendem Tempo zu meiner Lieblingsband auf, wo sie sich seitdem gehalten haben.

Im März 2013, sprich jetzt, ist es also so weit und endlich erfreuen uns Agrypnie mit ihrem neuen Longplayer "Aetas Cineris". Bei einem neuen Album seiner Lieblingsband erwartet man einen neuen Silberling immer mit 1 1/2 lachenden und 1/2 bangenden Auge. Die Wahrscheinlichkeit, erneut musikalische O(h)rgasmen zu erleben, ist hoch. Die Wahrscheinlichkeit enttäuscht zu werden, ist nichtsdestotrotz vorhanden. Dementsprechend gespannt war ich beim ersten Hören...


Mindestens zwei Songs von "Aetas Cineris" dürften dem aufmerksamen Agrypnie-Hörer schon von der "Asche"-EP bekannt sein: "Gnosis" und "Erwachen".  Gleich zu Beginn: Als ich das erste Mal erfuhr, dass mein absoluter Lieblingssong, "Augenblick", es nicht aufs Album schaffen würde, war ich dementsprechend verstimmt.  Im Nachhinein gesehen hat es mir jedoch den Vorteil gebracht, dass ich endlich erkannt habe, wie geil "Gnosis" und "Erwachen" eigentlich sind. Aber dazu später mehr.


Torsten scheint wohl in das Motiv der Asche äußerst vernarrt zu sein. Die vorherige EP, das jetzige Album, welches übersetzt "Das Zeitalter der Asche" heißt, und gleichzeitig noch einen Song mit dem Titel "Asche" beinhaltet. Auch in den Lyrics findet sich dieses Motiv häufig, was mir persönlich sehr gefällt. Es ist ein sehr schönes, aber auch tiefgehendes Motiv. Sowohl Zerstörung als auch (beim naheliegenden Gedankengang an den Phönix) die Wiedergeburt vereinen sich in ihm. Gut, nachdem ich euch nun lang genug auf die Folter gespannt und mit Interpretationsmöglichkeiten des Titels hingehalten habe, kommen wir zum eigentlichen Review. Das Cover gefällt mir unheimlich gut - Wie auch schon beim Vorgänger kommt ein beklemmendes Gefühl auf. Erhältlich ist das Album in zwei Versionen: Die normale CD-Version sowie die limitierte Version mit 32-Seiten Booklet und Live-DVD vom Summerbreeze-Auftritt anno 2012. Ich kann allein schon von der Aufmachung nur die zweite empfehlen, das Booklet ist wirklich super geworden, zumal der Preis (16,90€) bei diesem Inhalt immer noch ein echtes Schnäppchen ist. Außerdem ist die DVD in guter Qualität und lohnt sich definitiv.


Acht Songs beinhaltet das Album, zwei waren wie gesagt schon auf der EP zu hören. Dem ein oder anderen dürfte der Titel "Sinnflut" von den letztjährigen Liveauftritten der Band bekannt sein. Beginnend mit "Trümmer/ Aetas Cineris" schaffen es Agrypnie schon mit den ersten Klängen die beklemmende Wirkung des Covers musikalisch zu verpacken. Nach dem knapp 30-sekündigen Klavierintro stürmen Agrypnie auch schon los, wie man es beispielsweise von "Zorn" gewohnt ist.  Zwar scheinen Torstens Schreie zumindest teilweise in einer etwas höheren Lage als noch beim Vorgänger. Da Torsten aber wohl mit der beste und emotionalste Vocalist im Black Metal- Bereich ist, klingt das trotzdem einfach mitreißend.  Musikalisch wird gleich von Anfang an eine tolle Atmosphäre aufgebaut, die weit über Beklemmung hinaus geht und einen wirklich tief im Inneren packt und mit sich reißt.


Zudem erstaunt mich der Abwechslungsreichtum der Band immer wieder. Häufige Tempiwechsel, die jedoch nie erzwungen und immer passend wirken, hier und da ein tolles Gitarrenriff, fertig ist ein klasse Opener. "Dezember" und "Zurück" bewegen sich dann eher etwas gemählicher im Midtempo, sind zwei weitere phänomenale Songs, die bei mir einfach nur Gänsehaut hervorrufen. Ganz großes Kino so far! "Kosmos [Omega]", einer der Songs auf der "Asche"-EP, scheint wohl einen großen Bruder zu haben: "Kosmos [Alpha]", den vierten Song auf "Aetas Cineris".  Zwar beginnt der Song sehr schön, schafft es auch atmosphärisch an die anderen Songs anzuknüpfen. Jedoch empfinde ich sechs Minuten als ein wenig zu lange, bevor es die letzten zwei Minuten nochmals ein klein wenig schneller zur Sache geht. Nichtsdestotrotz ist das kein schwacher Song, kann aufgrund der Länge trotzdem nicht voll punkten.


Der fünfte Titel, "Gnosis", entwickelt sich immer mehr zu meinem Favoriten. Mit rasendem Start à la "Zorn" beginnt der Song schon stark und kehrt auch immer wieder dorthin zurück. Doch ist es vor allem der Refrain, der es mir angetan hat. Einfach Perfektion pur! Über "Erwachen" geht es dann zum zweitlängsten Song des Albums "Sinnflut". Abgesehen von der Tatsache, dass dieser Song einfach eine grandiose Zelebrierung aller Stärken Agrypnies ist, springen mir hier allein schon beim Songnamen die Assoziationen und Interpretationsmöglichkeiten durch den Kopf. Als ich den Song die ersten beiden Male live hörte, war ich der festen Überzeugung, der Song würde den Namen "Sintflut" tragen, wie es auch im Lügenbuch, umgangsprachlich Bibel genannt, steht. Als "Sinnflut" kann man jedoch eine Überflutung der Sinne, wie wir ihr tagtäglich dank Internet, Handy, Radio, TV und ähnlichen Dingen, ausgesetzt sind.



Sicherlich lassen sich hier - und nicht nur hier, auch bei allen anderen Songs des Albums - noch weitere, tiefgehendere Überlegungen anstellen. Das will ich im Moment aber überhaupt nicht. Ich will nur zeigen, wie inspirierend, wie tiefgehend sowohl Lyrics, Songnamen als auch die Musik im Zeitalter der Asche sein kann. Vielleicht sollten sich mehr Bands überlegen endlich auch in dieses Zeitalter einzutreten?  Genau das ist ein Faden, der sich bisher durch alle Agrypnie-Werke zieht und von dem ich unendlich froh bin, dass er nicht nur nicht durchtrennt wurde, sondern hier in meinen Augen stärker denn je zur Geltung kommt. Einfach unbeschreiblich großes Kino!


Der Abschluss dieser Reise bietet der Song "Asche". Auch wenn der Song an sich unheimlich schön ist, habe ich jedoch das Gleiche zu bemängeln wie schon bei "Kosmos [Alpha]". Für einen 11-Minuten- Song sind mir persönlich acht Minuten Gitarrenintro bis zum letzten Ausbruch ein wenig zu lang. Grade nach der unglaublichen "Sinnflut" zuvor, ist die Umstellung auf das ruhige Gitarrenspiel erstmal gar nicht so einfach und man kommt sich fast ein wenig verloren vor.  Trotz der Kritik ist Asche ein guter Song, der zwar bei so viel qualitativ hochklassiger Musik eher ein wenig das Nachsehen hat, trotzdem spielerisch einfach toll ist. So groß meine Erwartung an dieses neue Album war, so groß ist nun auch die Freude, die Erleichterung und die Verzauberung angesichts Agrypnie's neuem Meisterwerk.  Trotz ein, zwei kleiner Kritikpunkte komme ich nicht drum rum, dieser CD die volle Punktzahl zu geben, denn als Ganzes gesehen ist es einfach ein grandioses Stück Musik, dass einen für über eine Stunde aus der Welt reißt und auch wenn die Musik aus ist, nicht mehr so schnell loslässt.


Erhältlich war das Album schon die letzten beiden Wochen auf ihrer ersten Headlinertour mit "Der Weg einer Freiheit" und "Heretoir" - übrigens nichts, was man sich hätte entgehen lassen sollen - es war grandios. Am 15. März erscheint das Album offiziell im Handel und ich kann euch nur eins nahe legen: KAUFT DAS ALBUM!!!! Wenns sein muss, dann schlachtet euer Sparschwein, verkauft euer Auto oder euer Haus, aber besorgt euch dieses Album!

 

Bewertung:

10 von 10 Punkten

 

Tracklist:

01. Trümmer/ Aetas Cineris
02. Dezember
03. Zurück
04. Kosmos [Alpha]
05. Gnosis
06. Erwachen
07. Sinnflut
08. Asche

Weitere Informationen

  • Band: Agrypnie
  • Album Titel: Aetas Cineris
  • Erscheinungsdatum: 15.03.2013
  • Fazit: So groß meine Erwartung an dieses neue Album war, so groß ist nun auch die Freude, die Erleichterung und die Verzauberung angesichts Agrypnie's neuem Meisterwerk. Trotz ein, zwei kleiner Kritikpunkte komme ich nicht drum rum, dieser CD die volle Punktzahl zu geben, denn als ganzes gesehen ist es einfach ein grandioses Stück Musik, dass einen für über eine Stunde aus der Welt reißt und auch wenn die Musik aus ist, nicht mehr so schnell loslässt.
Gelesen 3336 mal Letzte Änderung am Montag, 11 März 2013 23:37