Sonntag, 21 Februar 2021 12:31

Unter dem Radar - Mare (Black Metal)

geschrieben von Kara Svart
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Seit knapp 20 Jahren sind die Mannen von Mare im Schatten der Fjorde rund um Trondheim aktiv – natürlich wie viele andere Künstler:innen auch in andere Projekte involviert, aber auf denen liegt heute nicht der Fokus. Auch wenn Mare, anders als so manch andere Band, nicht regelmäßig Musik produzieren, sondern nach eigenen Aussagen nur dann, wenn es vom Mindset und äußeren Begebenheiten her passt, kann das, was bisher veröffentlicht wurde, sich wirklich sehen oder viel mehr hören lassen.

Anfang der 2000er startete das Projekt mit einigen Demos. Die Songs auf diesen wurden später in einer EP aufgegriffen und auch in der 2013 erschienenen Compilation noch einmal neu veröffentlicht. Das erste und bisher einzige Album in voller Länge kam 2018, nach bereits 15 Jahren aktiv-Status, aber gut Ding will eben Weile haben… und manchmal darf sowas auch mehr als ein Jahrzehnt dauern. Zumal es sowieso nicht von Vornherein geplant war, ein Album zu veröffentlichen, wie Gründer Nosophoros in einem Interview mit Bardo Methodology anmerkt. Schon dieses eine forderte viele Opfer zwischenmenschlicher Natur und beinhaltet einen langen Leidensprozess. Deshalb bleibt auch unklar, wann der nächste Langspieler erscheinen wird.

Mare bezeichnen ihren Stil selbst als ,,nidrosian“ Black Metal… Moment. Reicht das Prädikat ,,norwegian“ da nicht eigentlich? Naja, fast. ,,Nidaros“ als der alte Name Trondheims grenzt die Region, aus der Nidrosian Black Metal stammt natürlich stark ein, was aber so gewollt ist. Dies hat zur Ursache, dass die Szene in Trondheim und Umgebung zu Zeiten der ersten und zweiten Black Metal-Welle verhältnismäßig klein war und durch begrenzten Kontakt zur Außenwelt nicht vom Black Metal-Mainstream mitgeschliffen wurde, sondern sich ein ganz eigener Umgangston etablieren konnte. Durch eben diesen unbeabsichtigten ,,Rückzug“ beschreiben Mare ihren Stil selbst als traditionell, und halten sich auch weiterhin an Inspiration die von innen, also vom Selbst kommt, und nicht von außen.

Der Name Mare stammt vom mythologischen Wesen mit selbiger Bezeichnung, welches oft in Frauengestalt erscheint und beim von ihr geplagten Menschen eine Art Schlafparalyse auslöst. Diese Bedeutung spiegelt sich auch in den Songtexten wider: die Lyrics sind von mystischer Natur, beschäftigen sich mit dem Universum, Hexerei und Okkultismus. Vorherrschend ist auf jeden Fall ein recht zwielichtiger Ton. Den Satanismus-Stempel bekommt man durch sowas natürlich schnell aufgedrückt, soweit bekannt wird sich von einschlägigen Labels aber distanziert, auch wenn es im Black Metal sicherlich nicht ungewöhnlich ist gerade diese Dunkelheit bereitwillig für sich anzunehmen und musikalisch auszuleben.

Zur geografischen Zurückgezogenheit passend haben Mare keine besonders aktive online-Präsenz, was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass sie sich gegen zu viel Aufmerksamkeit aussprechen mit der Begründung, dass nicht jede Musik jedem Menschen gefällt und auch nicht gefallen soll. Seit Dezember 2020 wird Merch der Band jedoch vermehrt vom Label Terratur Possessions vertrieben, über welches auch das Album ,,Ebony Tower“ released wurde.

Bevor ihr euch dieses jetzt aber anhört und nach zukünftigen Konzerten lechzt, müssen wir euch direkt enttäuschen: die Band lehnt Live-Auftritte grundsätzlich eher ab, da nach eigenen Aussagen die Atmosphäre von Studioalben live nicht so reproduziert werden kann, und der Musik dadurch ein Abstrich in Sachen Qualität gemacht werden müsste. Verstehen wir, schade ist es natürlich trotzdem. Was genau ,,Ebony Tower“ ausmacht, schauen wir uns weiter unten im Detail an, denn es gibt einiges zu kommentieren.

 

Aktuelle Besetzung:

Luctus  – Bass

ⷚ - Schlagzeug

HBM Azazil / Kvitrim– Gitarre, Gesang

Nosophoros - Gitarre

 

Diskografie:

2007 – Throne of the Thirteenth Witch (EP)

2010 – Spheres like Death (EP)

2013 – Spheres like Death/Throne of the Thirteenth Witch (Compilation)

2018 – Ebony Tower (Album)

Review zu "Ebony Tower"

 ,,Ebony Tower” spart von Beginn an nicht mit einzigartiger Atmosphäre. ,,Flaming Black Zenith“ leitet das Album mit klagendem Cleangesang ein, der schon bald von einem unheilvoll klingenden Riff begleitet wird. Alle Zeiger stehen auf Verderben - Fröhlichkeit sucht man auf diesem Album ohne Erfolg. Nachdem das eingängige Anfangsriff uns rund fünf Minuten in Trance versetzt, wird es noch eine Spur düsterer auf den letzten Metern vom gerade einmal ersten Song.

Wenig euphorisch geht es weiter mit ,,Blood Across The Firmament“ - die unterweltlichen Klänge von Gitarre und Gesang lassen Mare jedoch auch hier nicht hinter sich. Percussion-Elemente, die Kanonenschüssen gleichen, verdeutlichen dann abermals d. Zum Ende des Songs gibt es eine kurze Verschnaufpause in Form von akustischem Geklimper, welche man nach dem bedrückenden ersten Drittel der Platte auch dringend nötig hat.

,,These Fountains of Darkness” bricht diesen kurzen Moment der Ruhe plötzlich und forsch ab, hinterlässt durch das mittlerweile angezogene Tempo einen Flächenbrand… und das in gerade einmal zwei Minuten, denn danach lässt sich der Song wieder etwas mehr Zeit und findet zur anfänglichen Gefasstheit des Albums zurück. Oder zumindest denkt man das kurzzeitig, aber es wird einem das Gegenteil bewiesen, als das Schlagzeug erneut drauf losprügelt und das Tempo bis zum Ende des Songs hält.

Kommen wir nun zu den zwei längsten und gleichzeitig letzten beiden Songs auf der Scheibe. Mit ,,Nightbound“ wird ein Rückzug von der in ,,These Fountains of Darkness“ vorherrschenden Energie gewagt. Deutlich gezügelter verhalten sich hier Gitarre und Schlagzeug. Trotzdem geht ,,Nightbound“ glatt als der bedrohlichste Song auf ,,Ebony Tower“ durch. Zu diesem Status verhelfen ihm der erdrückende, beinahe röchelnde Gesang und die alles vernichtende Gitarrenwand, von der man geradezu überwältigt wird und die neben dem charakteristischen Riff obendrein auch noch zu fiesen Disharmonien greift.

,,Labyrinth of Dying Stars“ schmiegt sich nahtlos an das Schema der letzten 30 Minuten an. Keine Spur von Nachlass, auch hier wird geprügelt, was das Zeug hält, diesmal untermalt von okkultem Chorgesang. Auf halber Strecke merkt man allmählich, dass es zu Ende geht mit ,,Ebony Tower“. Die Musik beruhigt sich trotz anhaltender Beklemmung, und der Song verläuft sich quasi im Sand – oder besser gesagt in einem Ambient-Sample, in welchem Stimmen aus dem Jenseits einem noch Fauchen und Krächzen mit auf den Weg geben, bevor das Album endgültig vorbei ist. Der Ambient-Part ist aufgenommen und eingespielt von der russischen Künstlerin Lamia Vox.

 

Trackliste:

1. Flaming Black Zenith

2. Blood Across the Firmament

3. These Fountains of Darkness

4. Nightbound

5. Labyrinth of Dying Stars

Fazit:

Ein Album, welches in der Tat eigensinnig ist, aber durch und durch von hoher Qualität. Man hört heraus, dass in ,,Ebony Tower“ sehr viel Herzblut steckt und warum es so lange gedauert hat, bis eine solche Platte auf die Welt losgelassen werden konnte.

Weitere Informationen

Gelesen 267 mal Letzte Änderung am Sonntag, 21 Februar 2021 12:41

Medien

Mare - Blood Across the Firmament (official) Mare