Samstag, 06 Februar 2021 13:59

Unter dem Radar - Pharmakeia (Black Metal)

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Seit kurzem treibt eine Gruppe besonders finsterer Gesellen ihr Unwesen in den internationalen Black Metal-Gefilden. Über das, was nach außen hin lediglich als Prava Kollektiv bekannt ist, weiß man nicht viel. Die Mitglieder des Kollektivs und der einzelnen Bands halten sich im Dunkeln, aber angeblich kooperieren die Projekte untereinander. Bekannt ist, dass es sich um fünf Bands handelt und dass die Musik dieser Abgrundkapellen vom deutschen Label Amor Fati vertrieben wird. Allein das zeigt schon, dass man hinter dem Schleier des Unbekannten auf guten Black Metal stoßen wird. Von den fünf Gruppierungen greifen wir uns exemplarisch ein Projekt heraus, namentlich Pharmakeia, und beleuchten es etwas näher.

Die Wahl war im Vorfeld keine leichte, letztendlich war ausschlaggebend, dass Pharmakeia – im Gegensatz zu den anderen vier Unternehmungen – bislang am wenigsten veröffentlicht haben und damit vermutlich noch besonders weit unter dem Radar schweben. Allerdings ist Unbekanntheit in diesen Kreisen sehr relativ.

Bevor wir uns im Detail Pharmakeia widmen, ein paar Takte zu den anderen Bands, damit ihr eine Einordnung habt:

Arkhtinn – Mit einer auf 2012 datierten Gründung das vermutlich älteste Projekt des Kollektivs. Mit seiner Ambient-lastigen Black Metal-Auslegung und den teils stark elektronischen Klängen durchaus vergleichbar mit Vertretern wie Mesarthim oder Alrakis. Das Projekt fuhr bis 2020 im eigenen Fahrwasser, teilte sich die Fluten vergangenes Jahr aber mit Starless Domain für eine fulminante Split.

Voidsphere – …ist nicht nur namentlich analog zu Darkspace, sondern spricht auch im Konzept den Schweizern aus der Seele. Lange, monotone aber unheimlich drückende Songs. Auch hier tritt der Gesang in den Hintergrund und die Atmosphäre rückt in den Fokus. Und auch wenn die Alben jeweils aus nur zwei Songs bestehen, hat man hier genug Material für die eine oder andere space-ige Stunde.

Hwwauoch – Nur die geheimen Gestalten hinter diesem Projekt kennen die Bedeutung des Namens. Fest steht aber, dass hier nicht nur die Betitelung schräg ist – auch die drei Alben zeugen von wahrlich kaputten Gemütern. Aber: so verrückt die Musik auch ist, so vielschichtig und unterhaltsam ist sie über weite Strecken.

Mahr – Kraftvoll, abwechslungsreich und unheimlich erdrückend. So ließe sich das vierte Prügelprojekt des Kollektivs treffend bezeichnen. Wer den Versuch einer Hörprobe wagt, wird schnell von der hohen Qualität beeindruckt. Aber das gilt eigentlich für das gesamte Prava Kollektiv…

Kommen wir nun zu Pharmakeia und seiner Sonderstellung im Rahmen dieses Programms. Während die vorher genannten Mannschaften durch eine besonders dichte Atmosphäre und teils sehr lange Songs bestachen, ist dieses Projekt in seiner Machart deutlich kompakter. Die Alben sind im Schnitt kürzer, die Songs kantiger und brachialer. Der – nennen wir es mal – Gesang tritt an vielen Stellen in den Vordergrund, an anderen hämmert, röhrt, dröhnt und surrt es nur so durch die Boxen, dass einem teilweise schwindelig wird.

Die beiden Alben Pharmakeias werden von einer okkulteren Stimmung getragen als die der Schwesterprojekte. Der Weltraum oder die düstere Leere spielen hier keine Rolle, vielmehr scheint zwischen den ganzen Disharmonien der ein oder andere Höllenschlund hervor. Wie sich das genau äußert, erfahrt ihr in der Review zum ersten Album „Pharmakeia“ weiter unten.

Aktuelle Besetzung

Unbekannt

Diskographie

2019 – Pharmakeia (Album)
2020 –
Ternary Curse (Album)

Review zu "Pharmakeia"

Schon gleich zu Beginn der etwa halbstündigen Platte wird deutlich, dass wir es hier nicht mit leichter Kost zu tun haben werden. „Invoke“ beginnt mit einigen verzerrten Schreien, gefolgt von einem kurzen choralen Anklang und dann beginnt die wilde Achterbahnfahrt. Das unentwegte Geholze wird dabei von treibenden Gitarren kaschiert und bleibt dabei überwiegend flott. Wenn es dann doch mal etwas langsamer wird, setzen verschiedene Gesangsaspekte ein. Meist wird gegrowlt, teilweise gibt es cleane Wortfetzen und dann wird wieder ordentlich verzerrt. Das sorgt für Abwechslung und ist auf seine Art und Weise gruselig.

„Worship“ setzt an dieser Stelle weiter, galoppiert zwischendrin in atemberaubendem Tempo über den Plattenspieler und ist hinsichtlich melodischer Disharmonien ein absolutes Fest, aber das trifft eigentlich auf die ganze Scheibe zu. Aber wie schon sein Vorgänger besitzt auch dieser zweite Titel Nackenbrecherqualitäten. Der abrupte Rhythmuswechsel zum Ende des Titels bringt etwas Abwechslung und stellt gleichermaßen einen gelungenen Übergang zum dritten Song „Calling“ dar.

Auch hier leiern die Gitarren richtig fiese Akkorde aus ihren Saiten. Durch das teils erratische Trommelspiel wirkt dieser Song unheimlich gehetzt, ist durch seine Ecken und Kanten aber gleichermaßen eingängig und bleibt definitiv in Erinnerung. Wenn man sich an dieser Stelle einmal die drei bisherigen Titel zu Gemüte führt, fällt eine gewisse Klimax auf. Es beginnt mit dem „Erwachen“ und geht dann über das „Verehren“ bis hin zum „Anrufen“. Die musikalische Darbietung lässt darauf schließen, dass man sich hier in einer okkulten Umgebung befindet.

Mit den beiden Titeln „Request“ und „Offer“ wird die vertonte Teufelsanbetung dann etwas persönlicher und entwickelt sich von einer bloßen Anbetung zu einem Dialog zwischen Band und dem Lichtbringer selbst. Aber genug der Bildsprache, auch in Sachen Musik gibt es hier noch einmal richtig auf die Nuss. Durch das vielschichtige Instrumentalspiel, die unterschiedlichen Gesänge und das durchgehende Rauschen im Hintergrund entsteht dadurch ein mehrdimensionales Klangwerk, das auch heutzutage wirklich seinesgleichen sucht. Das Album endet allerdings genauso ruhig und choral, wie es beginnt und überrascht damit gegen Ende noch einmal.

Trackliste:

1. Invoke
2. Worship
3. Calling
4. Request
5. Offer

Fazit:

Manchmal beschwert man sich ja darüber, dass Alben bei ihrer großen Qualität viel zu kurz sind. Im Falle von Pharmakeia kommt uns die Kürze aber recht gelegen. Der Erstling ist genau wie das zweite Album „Ternary Curse“ von 2020 dermaßen vollgepackt, dass man sich nach den 30 Minuten wirklich nach etwas Erholung sehnt. Aber die Vielschichtigkeit der Alben spricht für sich; Pharmakeia geben unheimlich Gas und hauen uns dabei irrwitzige aber absolut fantastische Songs um die Ohren. Damit sind sie im Prava Kollektiv in den besten Händen. Wer hier noch nicht reingehört hat, sollte das dringend nachholen!

Weitere Informationen

Gelesen 402 mal Letzte Änderung am Samstag, 06 Februar 2021 14:25
Torn

Kommt Zeit, kommt Unrat.