Freitag, 29 Januar 2021 20:24

The Ruins of Beverast – The Thule Grimoires

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Das Jahr hat noch gar nicht richtig angefangen und schon dürfen wir uns wieder über ein Schwergewicht der dunkelsten Sorte freuen. The Ruins of Beverasts mittlerweile sechster Langspieler steht vor der Tür und besticht, neben den altbewährten Stilmitteln, auch durch einige neue Aspekte, die dem Ganzen einen neuen Tiefgang verleihen. Was „The Thule Grimoires“ wirklich können, schauen wir im Detail.

Nach der mystisch-okkulten Keule „Exuvia“ von 2017 sind die Erwartungen natürlich hoch. Dass es musikalisch aber in eine etwas andere Richtung gehen würde, ließen die beiden Splits aus dem Jahre 2020 schon vermuten. Die Beteiligung Meilenwalds und The Ruins of Beverasts an „Don’t Walk on the Mass Graves“ hatte einen deutlich doomigen Ansatz. Mit Almyrkvi zusammen wurde dann wieder ordentlich geknüppelt. Gehen wir also mal davon aus, dass die neue Platte viel Abwechslung mit sich bringt.

Und die schlägt sich gleich im ersten Song „Ropes into Eden“ wieder, der sowohl psychedelische Klänge, rasante Prügelpartien und ein vielschichtiges Gitarrenspiel mit sich bringt. Der Wechsel zwischen cleanem Gesang und Growls ist dabei ebenso typisch wie das virtuose Perkussionsspiel und verleiht dem Opener den typischen Beverast’schen Klang. Ebenso mehrdimensional macht dann auch „The Tundra Shines“ weiter, der sich allerdings vor allem in der Geschwindigkeit zunächst grundlegend von seinem Vorgänger unterscheidet. Die Gitarren wälzen sich mühsam über das Parkett, die repetitiven Rhythmen verleihen dem Song eine gewisse Monotonie, wenngleich die Melodik stark variiert. Die zweite Hälfte erhöht dann die Schlagzahl massiv und röhrt, wie wir es gewohnt sind.

Bis hierhin ein starker Auftritt, steht nun „Kromlec’h Knell“ vor der Tür. Bereits vor einigen Tagen als Musikvideo erschienen, erwartet uns hier der wohl ohrwurmträchtigste Song des Albums. Eine eingängige, fast schon fröhliche Melodie und ein cleaner Refrain, The Ruins of Beverast gehen an dieser Stelle ungewohnte Wege. Die Leichte des Tracks nimmt zugleich auch etwas Kohle aus dem Feuer, der Tiefgang bleibt aber weitestgehend erhalten. Noch eine Spur ruhiger wird es mit „Mammothpolis“, dessen erste Minuten einem atmosphärischen Zwischenspiel gleichen und gekonnt den Übergang zur zweiten Hälfte des Albums schaffen. Die letzten zwei Minuten dieses vierten Titels lassen aber auch da schon eine gewisse Intensität durchsickern.

Und die folgt auch auf Schritt und Tritt. „Anchoress in Furs“ diente ebenfalls im Vorfeld als Teaser und hätte, mit dem Frauengesang zu Beginn und vom gesamten Stimmungsbild her, auch gut auf „Exuvia“ gepasst. Aber auch hier passt der treibende Takt und die geladene Atmosphäre prima ins Bild. An dieser Stelle nehmen die „Thule Grimoires“ auch wieder etwas an Fahrt auf und hauen uns mit „Polar Hiss Hysteria“ den aggressivsten Song der Scheibe um die Ohren. Sowohl Gitarre, als auch Gesang fauchen sich durch die Ohrmuscheln, enden dann aber in einem überraschend ruhigen Outro.

Das Wechselspiel sitzt also wie Arsch auf Eimer. Und mit „Deserts To Bind And Defeat“ wartet zum Abschluss ja sogar noch ein knapper Viertelstünder auf uns. So abgedroschen, wie sich das jetzt auch liest, aber in diesem Titel vereint der gute Herr Meilenwald alles, was die Platte bisher schon hergegeben hat. Der gemächliche und die gesprochenen Verse zu Beginn, das pumpende Trommelspiel kurz darauf. Die ewig leiernden Gitarren und die kurze Brachialeinlage in der Mitte. Und natürlich ein episches Outro am Ende. Der Spannungsbogen auf „The Thule Grimoires“ ist unfassbar. Auch das Zusammenspiel bewährter Mittel und neuer Nuancen hinkt an keiner Ecke. Im Gegenteil: das Album bringt frischen Wind in die Szene und wirkt doch so vertraut. Hut ab vor dem nächsten Meisterstück aus dem Hause Meilenwald!

PS: Auch wenn hier schon viel geschrieben steht, kann man über The Ruins of Beverast und „The Thule Grimoires“ noch viel mehr sagen. Genau das machen wir auch in diesem Video.

Trackliste:

1. Ropes Into Eden
2. The Tundra Shines
3. Kromlec’h Knell
4. Mammothpolis
5. Anchoress in Furs
6. Polar Hiss Hysteria
7. Deserts to Bind and Defeat

Bewertung:

10 / 10

Weitere Informationen

  • Band: The Ruins of Beverast
  • Album Titel: The Thule Grimoires
  • Erscheinungsdatum: 05.02.2021
  • Fazit: „The Thule Grimoires“ hat alles, was wir von The Ruins of Beverast erwartet haben und legt noch eine Schippe drauf. Wie auch seine Vorgänger ist dieses ausschweifende Werk intensiv, abgründig und in seiner Komposition einzigartig. Aber auch wie seine Vorgänger sind die „Thule Grimoires“ kein Album für zwischen Tür und Angel. Wer sich die Zeit nimmt und das Album in voller Länge hört, findet sich abermals auf einer Irrfahrt durch menschliche Abgründe wieder – und will dann nicht mehr dort weg!
Gelesen 477 mal Letzte Änderung am Samstag, 30 Januar 2021 11:56

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The Ruins of Beverast - Kromlec'h Knell (official) The Ruins of Beverast