Freitag, 04 Dezember 2020 12:09

Saħħar - Tiġrif tal-Ġnus

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Auch in Malta brodelt die Szene, das kann man nicht nur an Events wie dem Malta Doom Metal Fest erkennen, sondern auch an der ausgeprägten und speziellen Bandvielfalt auf der kleinen Mittelmeerinsel. Heute wollen wir euch das Einmann-Projekt Saħħar vorstellen, das mit seinem nunmehr sechsten Langspieler in den Startlöchern steht. Der Namen des Albums lautet „Tiġrif tal-Ġnus“ was übersetzt soviel wie Absturz der Nationen bedeutet.

Begonnen wird mit einem traditionell eher Doom-lastigen Intro, mit klaren, weiblichen Choraleinlagen. Das Riffing spricht für sich und die treibenden Drums machen aus “Nilqgħu... “ eine echte Doom-Walze, die allerdings von einem wahren Gewittersturm, in Form des folgenden “Nirien ta' Smirna “, in Fetzen gerissen wird. Ein erstklassiger, schwarzmetallischer Hurricane, der mit sämtlichen Elementen tief ins Mark trifft. Sei es die Finesse bei den Riffs, die überragende Arbeit am Schlagzeug oder die beeindruckende Arbeit am Mikro. „Antikrist“, so das Pseudonym des Solokünstlers, der sich hinter Saħħar verbirgt, kann in jeder Hinsicht punkten.

“Elf Qurriegħa għal-Elf Mejjet f'Mitt Qamar“ und “It-Tweġiba“ arbeiten weiter an der Vielfalt des Werks, denn man entdeckt immer neue Elemente. So investiert Ersterer eher wieder in epische Doom Riffs, die gepaart mit den Growls eine schöne Mischung ergeben und das Tempo nach und nach steigert und die Stimmung aggressiver werden lässt, während Letzterer sich mehr in Richtung triefend, dunklen Death-Doom wendet und wiederum mit der weiblichen Klargesang-Stimme verfeinert, ein völlig neues Soundgewand abbekommt.

Es fehlt also zu keiner Zeit an Abwechslung oder Ideenlosigkeit, was die Strukturen frisch hält und Lust auf mehr macht. Und Antikrist hat noch Einiges in Petto, was er uns um die Ohren feuern kann. Auch “Għadam bla għadd fl-Ilvant tal-Adrijatiku“ hält weiterhin die Fahne für das Genre Doom weit in die Höhe und stampft dem Zuhörer förmlich die Riffs in den Schädel, während das nachfolgende “Belt Stuprata“ bereits den Schlussteil der Scheibe einläutet und mit lautem Getöse und Geknüppel dann doch wieder die schwarze Seele von Saħħar ausbrechen lässt. Knallharte Drums mit peitschenden Riffsalven und donnerndem Bassgewitter legt sich vernichtend über die Schlussakkorde des kompromisslosen Langspielers. Auf Bandcamp wird als kleiner Bonus noch ein Cover als Track 7 angekündigt, das uns in der digitalen Form leider nicht vorlag. Aber möglicherweise wird auf den physischen Tonträgern “Agent Orange“ von den legendären Pott-Thrashern Sodom enthalten sein. Für alle Oldschool Veteranen sicherlich ein zusätzliches Sahnehäubchen auf das bereits glänzende Werk aus Malta.

 

Saħħar zeigen ganz klar ihre Stärken und die liegen in einem Hybrid aus tief im Doom verwurzelter Klangkunst mit tief-düsteren Einschnitten aus dem Bereich des Black Metal. Gepaart mit der Ideenschmiede, die von Antikrist ausgeht, ergibt sich ein beachtliches Projekt, das sehr empfehlenswert für musikalische Grenzgänger, die gerne ihren Horizont erweitern, sein dürfte. Aber auch Doomheads und experimentierfreudige Jünger der Schwarzen Künste dürfen zugreifen und sich verwöhnen lassen.

Trackliste:

1. Nilqgħu...

2. Nirien ta' Smirna

3. Elf Qurriegħa għal-Elf Mejjet f'Mitt Qamar

4. It-Tweġiba

5. Għadam bla għadd fl-Ilvant tal-Adrijatiku

6. Belt Stuprata

7. Agent Orange (Sodom Cover)

 

Bewertung:

8,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Saħħar
  • Album Titel: Tiġrif tal-Ġnus
  • Erscheinungsdatum: 04.12.2020
  • Fazit: Saħħar zeigen ganz klar ihre Stärken und die liegen in einem Hybrid aus tief im Doom verwurzelter Klangkunst mit tief-düsteren Einschnitten aus dem Bereich des Black Metal. Gepaart mit der Ideenschmiede, die von Antikrist ausgeht, ergibt sich ein beachtliches Projekt, das sehr empfehlenswert für musikalische Grenzgänger, die gerne ihren Horizont erweitern, sein dürfte. Aber auch Doomheads und experimentierfreudige Jünger der Schwarzen Künste dürfen zugreifen und sich verwöhnen lassen.
Gelesen 610 mal Letzte Änderung am Freitag, 04 Dezember 2020 12:21

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