Samstag, 14 November 2020 10:50

Unter dem Radar - Valdrin (Melodic Black Metal)

geschrieben von
Artikel bewerten
(2 Stimmen)

Manchmal braucht es eine Weile, bis eine Band ihren Stil gefunden hat und diesen in vollem Umfang ausleben kann. Was 2006 als Viravoid begann und zunächst als Thrash Metal-Projekt startete, wurde noch im selben Jahr zu Dawn of Wolves umbenannt. Mit dem Namenswechsel kam auch ein neuer Einfluss in Sachen Genre und die Musik wurde zunehmend düsterer. Seit 2010 kennen wir das Projekt nun als Valdrin und die Thrash Metal-Vergangenheit ist in weite Ferne gerückt. Übernommen hat eine rotzige, aggressive, aber immer melodische Spielart des Black Metal - und diese möchten wir in diesem Artikel unserer Reihe UdR beleuchten.

Und Valdrin aus Cincinnati toben sich seit jeher durch den schwarzmetallischen Untergrund Amerikas. 2014 brachte das Quartett die erste Scheibe "Beyond the Forest" auf den Weg und lieferte neben einer grundbrutalen Basis auch abstruse Riffs direkt aus Satans Tiefgarage. Dabei bewegt man sich textlich gar nicht auf so satanischem Gebiet, wie man es im Melodic Black durch Bands wie Dissection vielleicht gewohnt ist. Valdrin beschäftigen sich vielmehr mit verschiedensten Aspekten der Spiritualität und beleuchten so ziemlich alles Abgründige zwischen Leben und Tod.

Da es dort relativ viel zu finden gibt, wundert es auch nicht, dass vier Jahre nach dem Erstling das zweite Album namens "Two Carrion Talismans" erschien. Nicht nur namentlich, sondern auch rein optisch gingen die Vier einen weitaus dunkleren Weg als auf ihrem Debüt und hielten die Platte mit etwa 40 Minuten Spielzeit deutlich kürzer als ihren einstündigen Vorgänger. Eine positive Entwicklung zeichnete sich aber auch im schon grundlegend soliden Songwriting ein, so wurde das zweite Album durch seine Kurzweile und seine hohe Abwechslung schnell zu einem Geheimtipp in der Szene.

Umso besser, dass Valdrin dieses Jahr ihre dritte Scheibe auf die Plattenspieler bringen. "Effigy of Nightmares" ist dabei, wie auch sein direkter Vorgänger, vom schwedischen Label Blood Harvest produziert, bei dem aktuell auch andere aufstrebende Bands wie Cryptic Shift oder Taphos gelistet sind. Das dritte Album ist abermals kürzer und hat lediglich eine halbe Stunde Spielzeit. Um die Entwicklung der Band und die Höhepunkte dieses Albums aber konkreter darzustellen, gehen wir weiter unten etwas ins Detail.

Aktuelle Besetzung

Carter Hicks – Gesang, Gitarre, Keayboard

James Lewis – Bass

Colton Deem – Gitarre

Ryan Maurmeier - Drums

Diskographie:

2014 – Beyond the Forest (Album)

2018 – Two Carrion Talismans (Album)

2020 – Effigy of Nightmares (Album)

Review zu "Effigy of Nightmares"

Eins vorneweg: "Effigy of Nightmares" ist noch kürzer als sein Vorgänger und bringt es gerade einmal auf 30 Minuten Spielzeit, womit die Platte auch insgesamt ein sehr kurzes Vergnügen ist. Aber nach dem, was uns Valdrin bislang präsentiert haben, darf man davon ausgehen, dass in der Kürze auch die Würze liegt und dass auch das dritte Album der Amerikaner seine besonderen Vorzüge hat.

"Effigy of Nightmares" beginnt mit dem akustischen Intro "Gates of Hospice" und lässt dabei durchdringen, dass es abermals atmosphärisch, symphonisch und auch einen Hauch gruselig wird. Der stimmige Einklang führt uns dann ans Eingemachte, sodass "Exsanguination Tunnels" munter losgaloppieren darf. Der anfänglich flotte Track besticht durch ein eingängiges Riff und eine generell hochgradig präsente und bohrende Melodik, wenngleich im Mittelteil die Geschwindigkeit etwas abnimmt. Valdrin schöpfen aus dem Vollen ihrer vergangenen Erfolge und zeigen schon früh, dass sie die kurze Spielzeit mit möglichst viel Inhalt füllen wollen. So macht auch "Red Burning Candles Of Hatred" alles richtig und scheppert uns neben den schreienden Gitarren auch ein äußerst innovatives Trommelwerk um die Ohren. Wir bekommen es also bereits im dritten Song mit einem echten Höhepunkt zu tun.

Darauf folgt abermals ein kurzes Interludium, wenn auch dieses Mal nicht gänzlich akustisch. "Basilisk Of Light" zieht dann aber wieder in gewohnter Manier das Tempo an und liefert uns staffettenartige Knüppelpassagen, allesamt begleitet vom aggressiven Gesang Carter Hicks‘. Dieser passt wie die Faust aufs Auge und ist – abgesehen von den kurzen Übergängen – nahezu allgegenwärtig. Durch die hohe musikalische Dichte fällt das aber gar nicht so wahnsinnig auf. Auffällig hingegen ist, dass wir uns mit dem sechsten Stück "Down The Oubliette Of Maelstrom" bereits in großen Schritten auf das Ende des Albums zubewegen. Aber dieser letzte Song bricht auf über acht Minuten noch einmal alles herunter, was Valdrin zuvor aufgebaut haben. Atmosphärische Klänge, wie im Intro, werden durch virtuoses Gitarrenspiel konterkariert und Carter erzählt die Geschichte das Albums in Dialogform zu Ende.

Fazit: Valdrin profitieren von der satten Produktion, die Blood Harvest bieten kann. Die Songs sind prägnant, schnell und facettenreich. Die hohe Melodik und die hohe Geschwindigkeit sorgen für enorme Kurzweile, wie auch schon auf den Alben zuvor. 30 Minuten sind dennoch ziemlich kurz und die geneigte Hörerschaft hätte sicherlich nichts gegen zwei oder drei Titel mehr gehabt. Qualitativ kann man aber keinesfalls meckern. Vielleicht bringt das nächste Album ja etwas mehr Laufzeit in die Waagschale, dem Trend nach gehen wir aber erstmal von etwa 20 Minuten aus.

Trackliste:

1 Gates of Hospice
2 Exsanguination Tunnels
3 Red Burning Candles of Hatred
4 Serpentine Bloodhalls
5 Basilisk Of Light
6 Down The Oubliette Of Maelstrom

Weitere Informationen

Gelesen 189 mal Letzte Änderung am Dienstag, 17 November 2020 11:09
Torn

Kommt Zeit, kommt Unrat.

Medien

Red Burning Candles Of Hatred Valdrin / Effigy for Nightmares / Blood Harvest