Freitag, 13 November 2020 08:55

Markgraf - Markgraf

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Eine bunte Mischung bieten uns Markgraf in ihrem gleichnamigen Debütalbum und warten mit kauzig-chaotischem Death/Black Metal mit einem sehr eigenwilligen Klangbild auf. Ob uns die Karlsruher mit dieser Kost überzeugen konnten, erfahrt ihr natürlich detailliert in unserem Review, bei dem wir das Werk auf unserem Seziertisch ausgiebig untersucht haben.

Die Songs von Markgraf handeln ausschließlich von Sagen aus dem badischen Raum und natürlich auch der umliegenden Region des Hochschwarzwalds. Sie sind in der Trinkhalle Baden-Baden als Fresken an der Wand festgehalten und so kam auch die Idee für dieses Werk zustande. “Burkart Keller von Yburg“ startet mit knallhartem Drumming und Riffing, das wie Sperrfeuer gleich in schieres Chaos mündet. Die Vocals von Ódio  sind dabei erst mal sehr gewöhnungsbedürftig. Man erkennt die Cirith Ungol-Vibes deutlich, trotzdem scheint der kreischende Gesang nicht so richtig ins Bild zu passen. Dies wird beim folgenden Song “Der Mummelsee“ etwas besser, da er insgesamt wesentlich schleppender gehalten ist und so das Feeling für diese Art von Vocals besser rüber kommt. Hier kommt das Konzept, das die Band mit ihrer Platte zeichnen will, am ehesten zur Geltung und somit liegt nicht nur thematisch für uns ganz klar der Höhepunkt der Platte genau an dieser Stelle.

Denn der sagenumwobene Mummelsee ist ebenfalls Teil der Heimatregion des Verfassers und somit kann man hiermit durchaus Persönliches verbinden. Mit “Die Nixe des Wildsees“ kommen anfangs deutlich Black Metal-bezogenere Riffs zum Einsatz. Doch sobald wir uns etwas abseits der tiefen Death Metal-Gitarren bewegen, wird auch leider eine Schwäche entlarvt: Oft wirken die Gitarrenparts zu chaotisch und disharmonisch, sobald es etwas ins Detail gehen soll. Die langsameren Parts scheinen auch hier deutlich besser in das Gesamtbild von Markgraf zu passen. Und bei “Engels- und Teufelskanzel“ kommt diese Schwäche noch deutlicher zu tragen. Sehr übersteuerte Gitarren und immer wieder diese kleinen Disharmonien, die es nicht leicht machen sich in die Musik einzufinden und ein wahres Hörvergnügen zu empfinden. Dennoch haben wir hier auch positive Momente, denn die Tempowechsel und die überzeugende Arbeit an den Drums kommen Markgraf deutlich zu Gute und können auch beim nächsten Song mit dem Titel “Die Felsen“ glänzen. Komplett instrumental gehalten bildet er eine spannungsgeladene Überleitung zum Endspurt mit den letzten beiden Tracks “Der Grafensprung“ und “Die Geisterhochzeit zu Lauf“, die dem sprichwörtlichen Chaos und somit auch den Stärken und Schwächen der Truppe aus Karlsruhe eine Bühne gewähren.   

Trotz der Vorwarnung, dass der Sound oftmals sehr schräg und ungewöhnlich sein soll, so ist man nach dem Hören doch überrascht, auch wenn der geneigte Hörer wohl einige Zeit brauchen wird, um sich in die Musik des mit 30 Minuten doch recht kurzen Werkes wirklich einzuarbeiten. Es ist definitiv nichts für jedes Gemüt und hat hier und da auf jeden Fall Schwächen, an denen Markgraf noch arbeiten sollten. Aber trotz allem finden sich auch Momente in den Stücken, mit denen Fans von Cirith Ungol, die es schon immer nach einer etwas härteren Gangart gedürstet hat, ihre Freude haben werden. Und seien wir ehrlich, Luft nach Oben hat einem Debütalbum noch nie geschadet.

 

Trackliste:

  1. Burkart Keller von Yburg
  2. Der Mummelsee
  3. Die Nixe des Wildsees
  4. Engels- und Teufelskanzel
  5. Die Felsen
  6. Der Grafensprung
  7. Die Geisterhochzeit zu Lauf

 

Bewertung:

5 von 10 Punkten

 

Weitere Informationen

  • Band: Markgraf
  • Album Titel: Markgraf
  • Erscheinungsdatum: 21.12.2020
  • Fazit: Trotz der Vorwarnung, dass der Sound oftmals sehr schräg und ungewöhnlich sein soll, so ist man nach dem Hören doch überrascht, auch wenn der geneigte Hörer wohl einige Zeit brauchen wird, um sich in die Musik des mit 30 Minuten doch recht kurzen Werkes wirklich einzuarbeiten. Es ist definitiv nichts für jedes Gemüt und hat hier und da auf jeden Fall Schwächen, an denen Markgraf noch arbeiten sollten. Aber trotz allem finden sich auch Momente in den Stücken, mit denen Fans von Cirith Ungol, die es schon immer nach einer etwas härteren Gangart gedürstet hat, ihre Freude haben werden. Und seien wir ehrlich, Luft nach Oben hat einem Debütalbum noch nie geschadet.
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