Freitag, 23 Oktober 2020 16:37

Beltez - A Grey Chill And A Whisper

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Beltez Beltez A Grey Chill And A Whisper

Auch in den heimischen Gefilden finden sich genügend Bands, die mit ihren Outputs die Messlatte stetig höher hängen.  Beltez melden sich Ende 2020 mit einem Langspieler in Überlänge zurück und einem Hörbuch obendrein. In „A Grey Chill And A Whisper“ verpacken die Kölner einen düster musikalischen Mahlstrom, der nicht nur auf dem Papier von sich überzeugen kann sowie eine genaue Sezierung notwendig macht.

Ein Output in Überlänge mag nicht immer ein Garant für ein durchdachtes Album sein jedoch ist hier, beginnend beim Artwork bis hin zum Lesen der Randinformationen, ein hohes Maß an kreativer Gedankenarbeit erkennbar. Lyrisch basiert es auf der Kurzgeschichte "Black Banners" von Ulrike Serowy, welche es zudem als Audiobook, gelesen von u.a.  Dan Capp (Winterfylleth), dazu gibt und  eine klare Empfehlung für ruhigere Stunden bekommt. Viel mehr soll es aber nun um das Album dazu gehen, welche die Stimmung der Geschichte wohl stimmiger kaum auffassen könnte.

Genau wie die Geschichte ist auch das Album keinesfalls leichte Kost. Nach einem kurzen klavierlastigen Intro mit gesprochener Einleitung geht es mit „The City Lies In Utter Silence“ hinab mit einem packenden und eingängigem Drumgewitter. Ein wohlgefälliges Riffing, geradlinige Vocals und anhaltende, fast schon groovige Aggression begleiten den Hörer die ersten Minuten bis zu den atmosphärischen Atempausen, welche die düstere Stimmung perfekt untermalen. Doch auch danach verliert man keine Sekunde die Kraft des Anfangs - mit stetigem Midtempo und abwechslungsreichen Vocals steigert sich bereits der erste Song zu einem Highlight das vor Allem im Schlusspart nochmal alles gibt. Als Stärke von Beltez sind seit jeher die Death-Metal Ausflüge anzuführen, die hier Bekanntschaft mit mehr und mehr Experimentierfreude und dem ein oder anderen „Post“-Anstrich daher kommen und schon auf dem Vorgänger für einige Überraschungsmomente sorgten. Mit „Black Banners“ zeigen sie zudem auch ihre starke Seite in der langsameren Gangart, die gerade durch die Boshaftigkeit und Wut der Lyrics ihre Kraft bezieht. Fast verzweifelnd saugt der Song die Atmosphäre auf ohne dabei musikalisch weniger abzuliefern oder in stumpfen, repetitiven Melodien auszuarten.

Melodiöser und deutlich eingängiger, anfangs fast schon „groovend“ (sofern dies im schwarzmetallischen Bereich zutreffen kann), versucht sich „A Taste Of Utter Extinction“ klassischer zu geben. Mit gekonntem Doublebassgewitter, Gekeife, angezogenem Tempo auf aggressiven Lyrics gebettet und zornig verspielt, wird  die Geschichte deutlich fortgeführt sowie eine Stimmung ausgebaut, deren Harmonie genau dann stets unterbrochen wird, wenn man denkt, alles gehört zu haben. Ein perfekt platziertes, ruhiges Gitarrensolo oder gekonnte Tempiwechsel lassen keine Sekunde zum Atmen übrig oder zum Verarbeiten des Gehörten. Lediglich am Anfang des fünften Tracks und nicht ganz der Hälfte der Spielzeit wird dem Hörer etwas Ruhe gegönnt um mit dem ungern als „Zwischensequenz“ zu bezeichnenden „The Unwedded Widow“ einen lyrisch mantraartigen Part einzufügen. Untermalt von Synths ergibt der knapp siebenminütige Track den wohl verträumtesten Teil des Albums preis, den man wohl im Gesamten nur als genialen Albummittelpunkt betiteln kann.

Wenngleich auch mit „From Sorrow into Darkness“ ein echtes, rein instrumentales Zwischenstück eingefügt wurde, fungiert es wie ein Schalter, der Beltez wieder in den Urzustand zurückversetzt von dem man so sehr im ersten Part gezehrt hat. Der darauf folgende Titeltrack ist ebenso Zeugnis der grandiosen Qualität an atmosphärischen Black-Metal die seit über dreißig Minuten aus den Boxen stampft. Buchstäblich stampfend prägnant ist der Mittelteil, gefolgt von überragenden Uptempo, fantastischem Riffing und den stetig perfekt platzierten Breaks zur Untermalung der Atmosphäre. Letzteres ist zweifellos das Hauptmerkmal dieses Albums, dass zu keiner Sekunde spurlos am Hörer vorbeigeht. Marcs unermüdliche Vocalrange begeistert von Album zu Album mehr und die perfekt arrangierten Instrumente wie beispielsweise kleine melodische Bassparts tauchen mit jedem Hörgang auf und geben dem Album mehr Raum sich zu Entfalten. Mit „I May Be Damned But At Least I’ve Found You“ verwandeln die Kölner ganze vierzehn Minuten in einen Track, der nochmals alles zu bieten hat, was man zuvor schon gehört hat. Ein Schauer überzieht die ersten rein instrumentalen Minuten bis zum ersten aggressiven Change, welcher unerwartet wie auch wegweisend tiefer in die Geschichte hinab zieht sowie nach und nach weitere Details des Albums preisgibt. Dieser Track ist so komplex, dass ein Hördurchgang kaum ausreicht, um jedes Detail und verstecke Gimmick für sich sprechen zu lassen. Nach melodiösen sowie unfassbar catchigen Gitarren am Ende verbleibt so oder so kaum noch Energie, um die schiere Macht dieses Tracks zu erfassen. Dennoch packt es “We Remember to Remember“ als Endingtrack einen Schlussstrich unter die Geschichte zu setzen und ruhig und atmosphärisch, flüsternd bis schreiend gegen Ende den Titel mantraartig zu wiederholen. Dieses Outro hätte es fast nicht mehr gebraucht, dennoch ist es nach etlichen Durchläufen als unentbehrlich für das Gesamtwerk zu betrachten und lässt nun die schwierige Frage offen was  nach über einer Stunde hängen bleibt. Wer den Songtext zudem beim Hören live verfolgt und sich wirklich auf die Musik eingelassen hat, wird verstehen, wieso dieses Konzeptalbum nicht nur durch durch hohen Wiedererkennungswert, Innovation und mitreissende Produkion sowie Arrangement als herausragendes, stark durchdachtes Werk bezeichnet werden kann, von dem sich so manche Band eine Scheibe abschneiden kann.

Tracklist:

1. In Apathy and in Slumber

2. The City Lies in Utter Silence

3. Black Banners

4. A Taste of Utter Extinction

5. The Unwedded Widow

6. From Sorrow into Darkness

7. A Grey Chill and a Whisper

8. I May Be Damned but at Least I've Found You

9. We Remember to Remember

Bewertung:

10/10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Beltez
  • Album Titel: A Grey Chill And A Whisper
  • Erscheinungsdatum: 30.10.2020
  • Fazit: Beltez haben ein Album geschaffen, dass als Paradebeispiel des atmosphärischen Black-Metal anno 2020 aufwartet und auch beim X-ten Mal Hören seine Wirkung nicht verliert. Mal eben Reinhören ist nicht möglich - diese Scheibe ist ein Gesamtkunstwerk das verstanden werden will. Dieses Album kann den Hörer ergreifen, begeistern, erstaunen und fernab jeder Klischees mit frischen Wind die Szene auflockern.
Gelesen 563 mal Letzte Änderung am Freitag, 23 Oktober 2020 17:13

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