Samstag, 03 Oktober 2020 15:25

Unter dem Radar - Sarkh (Post Rock/Post Metal)

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Mit dem Westerwald verbindet man wunderschöne Natur, herrlich ruhige Wälder und möglicherweise noch das gute Bier – mit Sarkh kommt nun noch Post Rock dazu, welcher die Eindrücke dieser Natur einfängt und träumerisch musikalisch verarbeitet. Aus der Asche von Hesaja auferstanden dürsten die drei Hachenburger nach instrumentaler Musik, die trotz der nicht enden wollenden Flut an Post Rock/Metal-Bands klar heraussticht und ihresgleichen sucht.

Wie ein Phönix erhoben sich 2017 Sarkh aus den Resten der Band Hesaja, welche sich im selbigen Jahr auflösten, um fortan rein instrumentale Musik zu produzieren. Mit dem harschen, überwiegend Doom Metal-lastigen Stil schloss man ab und konzentrierte sich auf Post Rock/Post Metal. Bereits ein Jahr später erschien die erste selbstbetitelte EP, welche bereits ein klares Zielbild der Band aufzeigte und in Richtung des diesjährig erschienenen Konzeptalbums tendierte.

Bei den Aufnahmen zum Debütalbum "Kaskade" ersetzte Falko, Studioleiter im "Studio Für Angewandten Krach", Frank am Bass, spielte dessen Bassparts neu mit seinem Stil ein und gab somit den vier Songs der EP, welche fürs Album neu eingespielt wurden, sowie dem neuen Material seinen eigenen Touch für das Erstlingsrelease. Größere Auftritte blieben für die Band bisher aus, nicht zuletzt wegen der uns allen im Jahr 2020 quälenden Problematik. Zu sehen sind Sarkh hoffentlich unter anderem auf dem Mahlstrom Open Air 2021, wenn sich nicht eine weitere Pandemie bzw. ein Neuentflammen des Lockdowns anbahnen…

Aktuelle Besetzung

Falko Schneider - Bass

Johannes Schaffer - Gitarre

Johannes Dose - Schlagzeug

Diskographie:

2018 - S/T (EP)

2020 - Kaskade (Album)


Review zu "Kaskade"

Mit "Kaskade" landet ein Album auf dem Plattenteller, das sich wie schon auf dem Cover angedeutet der Natur widmet und sich trotz oder eher gerade wegen rein instrumentaler Vertonung besonders gut zum verträumten Zuhören eignet. Beginnt das Album mit "Ackerland" noch recht gemächlich und mit etwas Kokomo-Charme, so sind mit wilden Songs wie "Wildnis" jegliche Vorurteile verflogen und der eigene Mix aus Struktur, Groove und härteren Gitarrenklängen ist schnell gefunden. Eingängige Passagen wechseln sich mit rasanten Gitarren-Schreddern ab und verbinden viele kleine Elemente zu einem großen Ganzen. Heftige Dampfwalzen-Stücke vermisst man in Gänze auf dem Album, was aber keinesfalls notwendig wird, vor allem, wenn man sich diese Fülle an Abwechslung und oft dahintänzelnde Melodien anschaut. Jedes Instrument hat seine klare Rolle und passt sich perfekt den Situationen des jeweiligen Titels an, wodurch eine authentische Atmosphäre beim Hören erzeugt wird, von der man sich gern über die Länge tragen lässt.

Da die Musik gänzlich instrumental daherkommt, muss umso mehr jeder einzelne Song für sich sprechen und das Bild der Band vervollständigen können. Sarkh schaffen es sogar mit jedem Track ein gewisses Bild im Kopf des Hörers entstehen zu lassen – sei es das Erblühen von Samen bei "Saat" oder die kaskadische Entstehung von Wasserfällen beim Titelstück, jeder Song für sich ist stimmig mit seinen gelungen Breaks, einem perfekten Timing bei den Geschwindigkeiten und und dem Verschmelzen von Melodien. Das rohe Naturell und die Unerbittlichkeit der Umwelt verewigen sich ebenso in der Musik, wie die Verletzbarkeit, die ebenso dazu gehört. Während eines Albumdurchlaufs durchläuft man so mehrere Gefühlsebenen, bis der Hörer nach dem grandiosen Track "Kaskade", welcher das Album kaum besser in einem Song beschreiben könnte und klar das Glanzstück abbildet, mit "Irrlicht" aus der Trance geschmissen wird und langsam wieder in der Realität landet. Nicht auch zuletzt dank der wirklich grandiosen Produktion dieses Langspielers ist dieses Album auch mehrere Hördurchläufe wert.

Das Fazit lautet ganz klar: Post Rock muss auch im Jahr 2020 nicht immer gleich klingen. Bands wie Sarkh geben Hoffnung, dass wahre Innovation auch in diesem Genre nicht ausstirbt und sich ein offenes Ohr für Neues immer wieder lohnt. Zudem wurde das Album im September ebenfalls auf Vinyl gepresst und ist noch erhältlich über Worst Bassist Records.

Tracklist:

1.Ackerland
2.Wildnis
3.Muttererde
4.Saat
5.Derbholz
6.Morast
7.Kaskade
8.Irrlicht

Weitere Informationen

Gelesen 444 mal Letzte Änderung am Sonntag, 04 Oktober 2020 17:06
Crimson

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Kaskade Sarkh / Worst Bassist Records