Mittwoch, 08 Juli 2020 09:43

Evilcult - At The Darkest Night

geschrieben von
Artikel bewerten
(5 Stimmen)

Manchmal stirbt man schon vor Cringe, wenn man nur das Coverartwork eines Albums betrachtet. Wenn man nun noch den Bandnamen, den Klappentext und die Trackliste dazunimmt ist der stereotypisch-vermeintliche 0815-Albtraum perfekt: Evilcult spielen also einen Mix aus Speed, Black und Thrash und präsentieren auf Ihrem Debüt "At The Darkest Night" Titel wie „Drunk By Goat's Blood“, „Unholy Knights““ und „Necro Magic“.

Das Artwork sieht (mit Verlaub) so aus, als hätte es ein kleines (aber schon jetzt recht talentiertes) Mädchen nach nur einem Durchlauf „Constantine“ und einem Blick auf das Ashbury-Debüt Cover mundgeblasen und handgeklöppelt. Aber Boi, kann man sich irren und wenn man den Gedanken praktikabel zu Ende denkt, war derlei Artwork in den 80ern usus. Also rein in das das Werk und auf den Zahn gefühlt. So viel sei schon jetzt gesagt: Die beiden Brasilianer „Blasphemer“ und „Lucas „From Hell““ machen auf dem Debüt „At The Darkest Night“ so ziemlich alles richtig und präsentieren 8 Tracks wirklich feines Material, das bereits jetzt nach einer EP (und zwei Singleauskopplungen vom Album) eine unerwartete Reife an den Tag legt.

Wir bekommen ein volles Album lang eine überzeugende Melange aus Bathory, Stallion und Attic präsentiert, die fein räudig in den oben bereits erwähnten Mix überführt und verquickt wurden. Überzeugendes Riffing, mal aus schlichten Akkorden, dann wieder in kleinen aber feinen Solis verpackt, dazu treibend-monotones Drumming, das nach Bedarf das Tempo auch mal hart anzieht - um mit wütenden Growls oder „stallionesken“ Screams harmonisch einherzugehen. Hier werden alle Register gezogen um ein abwechslungsreiches Hörvergnügen abzuliefern. Grandioser Anspieltipp ist „Army Of The Dead“. Dieser ordnet zuerst ein schuhe-ausziehendes stumpfes Riffgewitter (und passenden Drumsalven) an - um dann mit einem artilleristischen Growlüberfall die Flimmerhärchen mit Stumpf und Stiel auszuradieren. Nach ein paar Minuten Vollgas wird das Trommelfell-Requiem mit einem monoton-treibenden Gitarren/Drum und Tempowechsel zelebriert, bevor der Song nochmals zurück zum Thema und einem brachial fulminanten Ende findet.

Das Album taugt mir persönlich extrem, da selbst manchmal hart dissonante Screams nicht deplatziert wirken wollen, wie es bei anderen Kombos leider oft der Fall ist und „too much“ einen gesamten Song ruinieren kann. Der extreme Hall der Produktion ist als Stilmittel wunderbar eingesetzt und gibt dem Werk die notwendige Räudigkeit mit ins Marschgepäck und an keinem einzigen eingesetzten Instrument mag man gröbere Schnitzer erkennen. Wenn die zwei Südamerikaner es schaffen, die Spielfreude auf die Bühne zu packen bzw. ein Live-Line-Up zu stellen das Ihnen gerecht wird, muss man sich Evilcult definitiv auch mal live antun!

Trackliste:

1. Drunk by Goat's Blood

2. Sons of Hellfire

3. Nocturnal Attack

4. Eternal Cult of Darkness

5. Burning Leather

6. Army of the Dead

7. Unholy Knights

8. Necro Magic

Bewertung:

9 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Evilcult
  • Album Titel: At The Darkest Night
  • Erscheinungsdatum: 06.06.2020
Gelesen 1546 mal

Medien