Samstag, 02 Mai 2020 17:56

Unter dem Radar - Skum (Death Metal)

geschrieben von
Artikel bewerten
(5 Stimmen)

Skum ist ein Name, der schon seit über 20 Jahren durch die deutsche Landschaft geistert. Wie so viele Underground-Bands ist auch dieses ein Herzensprojekt der Protagonisten, welche die Musik aus Leidenschaft und Überzeugung schaffen - prädestiniert also für einen Eintrag in unserer Kategorie "Unter dem Radar"! Gegründet haben sich Skum im Jahr 1999 (je nach Quelle 1997) und damit praktisch genau in der aufkommenden „Alternative-" und "Nu"-Ära, die den Metal endgültig im belanglosen Mainstreamtopf weichkochen würde. Glücklicherweise entschied man sich zu einem funktionierenden Mittelweg, der sich weitaus mehr am Oldschool orientieren sollte - Death Metal, der sich brutal, aber immer mit Groove und Melodie in den Songstrukturen abwechselte.

Man ließ sich mit den Releases immer genug Zeit, so erschien mit "Skumworks Vol. 1" im Juli 2004 die erste Scheibe, die einen Eindruck des Sounds der Kölner liefern sollte, der sich rund um Nikola Grgic und Christoph Buchheim stetig weiter entwickelte. War SW1 noch rein in englischer Sprache gehalten und mit Keyboards und Samples sehr abwechslungsreich und experimentierfreudig, wurde mit "Skumworks II" auch mit deutschen Texten gearbeitet und beispielsweise mit "Panzer fahr'n" auch eine eher komödiantische Seite entdeckt. Wie einem Jugendlichen beim Erwachsenwerden zuzuschauen kam 2013 mit dem nächsten Longplayer "Prašina" ein gereiftes und viel differenzierteres Werk ans Tageslicht. Die Gitarrenarbeit zeigte hier deutlich thrashigere und detailverliebtere Passagen und auch die Vocals hatten sich deutlich weiterentwickelt. Zurück waren auch die Keyboardsprenkler, die sich aber noch viel besser in das Gesamtkonstrukt der Songs einbetteten. Wohl der Herkunft von Nikola geschuldet gab es auch hier das erste Mal Songs in der kroatischen Landessprache. Nun, sieben Jahre nach dem Erscheinen des letzten Langspielers will man es nochmal wissen und krönt sich mit dem vierten Album namens "Molitva", dem man auch wieder eine Vinyl-Version spendiert hat.

Aktuelle Besetzung

Nikola Grgic - Gesang

Christoph Buchheim - Schlagzeug

Flagg - Bass

Roberto Parada – Gitarre

Diskographie

2004 – Skumworks Vol. 1 (Album)

2008 – Skumworks II (Album)

2010 – Promo 2010 (Demo)

2013 – Prašina (Album)

2020 – Mother Lord (Single)

2020 – Molitva (Single)

2020 – Molitva (Album)

 

Review zu "Molitva"

Wie es sich für ein ordentliches Release gehört, werden -gerade in Zeiten von Corona- viele Interviews gegeben und so bekommt man schon einen guten Eindruck in die Produktionsumstände eines Langspielers. Zuerst sei gesagt: Skum wirken auf "Molitva" nicht zuletzt technisch so versiert und punktgenau, dass unserem Team kein einziger Patzer auffallen will. Man erkennt schnell die Erfahrung der Musiker, die trotz einer "Pause" durch verschiedene Lebensumstände wohl allesamt niemals die Instrumente länger weggelegt haben. Ein weiterer Beweis, dass es manchmal doch ganz gut ist sich mit Veröffentlichungen Zeit zu lassen und dass auch Metal manchmal wie ein guter Roter reift! Es sind die großartigen Momente von "Molitva", die einem alten „Deather“ das Herz umtoben und ihn wohlig in die dunklen, aber kühlen Wässer der Nostalgie an einem brütenden Tag eintauchen lassen. "Cowards" zum Beispiel knüppelt sich mit unerbittlichen Blastbeats und den Growls von Nikola durch den Gehörgang und kommt zu einem abruptem Ende, das sich gewaschen hat. Der Hörer bekommt ein nicht komplex gehaltenes, aber dennoch ausladendes Gitarrensolo präsentiert, dem sich alles andere unterordnet und zu dem sich schnell eine zweite Gitarrenebene gesellt. Gänsehautfaktor! Gefolgt von einer Pause, die zum Durchatmen nach dem Propellern einlädt. Dies sind allerdings immer nur kurze Gnadenbrote, springen Skum doch virtuos zwischen hartem Geballer und groovigen Passagen bis hin zu eben besagten melodischeren Parts hin und her, wie es ihnen gerade in den Kram passt. Trotzdem wirken diese teilweise doch sehr harten Cuts in den Songstrukturen niemals deplatziert und es kommt einem schnell 'Gurgdolf der Grause' aus dem filmischen Epos "Herr der Metalheads" in den Sinn: „Ein guter Death-Metal-Musiker spielt niemals konfus, er spielt immer exakt das, was er gerade zu Spielen beabsichtigt!"

Ein weiteres grandioses Stück ist "Bloodline", in dem der Refrain so sehr an ein Pyogenesis-Stück erinnern will, dass der Versuch aus dem vorher bestiegenen Nostalgiesee herauszusteigen direkt misslingt und man mit einem gezielten Bitchslap gegen die Stirn wieder zurückgestoßen wird. Auch hier gibt es -vielleicht nicht gerade überaus innovativ, aber technisch hochkarätig- den Kiefer massiert und es kommt sogar eine gewisse Mitschunkel-Atmosphäre auf, bevor wiederum der Gitarre der Vortritt mittels eines kurzen Solos gegeben wird. Man kann sich praktisch selbst dabei erleben in der ersten Reihe mit einem Bier in der Hand und weiteren Mithörern 10cm vom Riffbrett entfernt die Finger in einem irren Veitstanz per Luftgitarre mitzuspielen und seinen Respekt zu zollen! Das Ding muss live abgehen wie eine Bombe und Covid-19 sei es gedankt, dass wir hier wohl leider noch eine Weile drauf warten müssen...

Das einzige Manko -was aber eher dem persönlichen Geschmack des Rezensenten geschuldet ist- ist, dass es für den Oldschool-Geschmack manchmal etwas zu groovig wird. Das ist es wohl, das bei der „anderen“ Strömung des seichten Deathcore-Gewerbes immer schon als lazy-playing bzw. zu uninspiriert negativ hängen bleibt. Zum Glück halten sich diese Parts wirklich im Promillebereich und so bleibt man auch nicht mit dem einzigen negativen Punkt im Fazit, sondern muss nochmal betonen, was für eine Nostalgiegranate das ist, die Skum sich hier selbst unterm Arsch zünden. Hörpflicht! Obey!

 

Trackliste:

01 Molitva
02 Cowards
03 Zalost
04 Bloodline
05 Need
06 Mother Lord
07 Seed of Hate
08 Bloodrush
09 Ruin
10 Happy Ending

Weitere Informationen

Gelesen 1494 mal Letzte Änderung am Sonntag, 17 Mai 2020 18:28
Grave

Stolz kann sich nur erlauben wer bereit ist alles zu verlieren.

www.undergrounded.de

Medien

Molitva Skum / Molitva / Independent