Samstag, 21 März 2020 17:47

Unter dem Radar - Maïeutiste (Avantgarde Black Metal)

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Black Metal erfreut sich in seinen modernen Formen enormer Durchschlagskraft, ganz gleich ob man ihm ein „Post“ oder ein „Avantgarde“ davorsetzt. Die ursprünglich düstere Spielart hat sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt und verfügt heute über ein breiteres Spektrum als noch in den frühen Neunzigern. Natürlich gibt es noch die rohe Fraktion des Black Metal und auch diese wurde mit Vertretern wie Kapala oder Revenge ausgeweitet. Besonders hervorstechend ist in den letzten Jahren aber wohl besonders die progressive Seite des Black Metal, unter anderem mit Maïeutiste.

Die Franzosen haben sich 2006 zusammengefunden und 2007 ihre erste Demo "Socratic Black Metal" auf den Markt geworfen. Schon der Name lässt vermuten, dass es sich nicht um das traditionelle Geballer handelt, was wir aus dem Black Metal gewohnt sind. Maïeutiste haben ihren eigenen Stil, schon damals hatten sie ihn. Im November 2009 folgte dann eine Bethlehem-Tribute-Split mit fünf anderen Bands, darunter die mehr oder weniger namhaften Ataraxie und Mourning Dawn. Es fehlte dem Quartett noch an Eigenständigkeit, aber das Potenzial war schon da.

Erst sechs Jahre später, 2015, fanden Maïeutiste den Weg zum bekannten und auf Avantgarde spezialisierten Label Les Acteurs de l’Ombre Productions. Mit LADLO an der Seite hatte man den richtigen Partner für außergewöhnliche Tonkunst gefunden und im Septebmer 2015 war es soweit und der erste, selbstbetitelte Langspieler erreichte die CD- und Platten-Regale unserer Lieblingsläden. "Maïeutiste" war zu dem Zeitpunkt harter Tobak. Nicht nur, weil das Werk mit 75 Minuten Überlänge hatte, sondern auch, weil es inhaltlich durch drückende Gitarrenwände und die nötige Prise an Atmosphäre überzeugen kann. Die Franzosen haben also den Startschuss für eine abenteuerliche Reise gegeben.

Aktuelle Besetzung

JF - Drums

Keithan - Guitars, Vocals

Temüdjin - Bass

Grey - Guitars

Diskographie

2007 - Socratic Black Metal (Demo)

2009 - Schatten aus der… Betlehem / A Tribute to Dictius Te Necare (Split /w Ataraxie, Imindain, Mourning Dawn, Magnum Occultum Innominandum, Voodoo Planet)

2015 - Maïeutiste (Album)

2019 - Veritas (Album)

Review zu "Veritas"

Zugegeben, das Debütalbum von Maïeutiste war noch nicht das Gelbe vom Ei. Zwar insgesamt eine solide Vorstellung verschwand es aber zu sehr im Strom des einfach Black Metal und konnte nicht so recht herausstechen. Die Band hatte zu dieser Zeit einfach noch kein Alleinstellungsmerkmal. Aber 2019 lieferten sie nach und gaben uns mit "Veritas" eine richtig starke Platte zum Hören. Der große Knackpunkt dabei ist das deutlich progressivere Gitarrenspiel der Franzosen. Es dröhnt und scheppert an allen Enden etwas weniger, dafür scheint die spielerische Raffinesse des Quartetts hervor.

"Veritas" beginnt mit dem ersten Teil des gleichnamigen Doppelsongs und macht musikalisch sehr viel richtig. Die komplexen Songstrukturen setzen sich im zweiten Titel "Infinitus" fort und werden durch vermehrten Klargesang unterstützt. Geschrien wird zwar noch, aber die Growls verlieren hohe Anteile an chorale Gesänge und cleanes Gebrüll. Von den Riffs ganz zu schweigen. Es klingt alles viel deutlicher und schneidiger als beim Vorgänger, der alles in allem recht matschig klang. Mit "Suspiramus" geben uns die Franzosen ein eher klassisch anmutendes Stück zur Hand, welches den Schwall an Progressivität aber nur kurz unterbricht. "Universum" stellt den eigentlichen Übergang zur zweiten Hälfte des Albums dar, welche mit "Vocat" einen weiteren Höhepunkt der Platte darstellt. Das fünfzehnminütige Monumentalwerk beginnt dabei sehr langsam, steigert sich aber an Tempo und Komplexität und wird zu einem wahren Ohrenschmaus. Zu guter Letzt folgt der zweite Teil von "Veritas", welcher wiederum an den Opener anknüpft und diesen sowie das Album insgesamt vollendet. Ganz eigentümlich geschieht diese Vollendung in Form eines, ehrlicherweise überflüssigen, Hidden Tracks in den letzten Sekunden. Aber dies soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Veritas" eine absolut großartige Scheibe ist.

Wir halten fest: Maïeutiste haben eine stattliche Reise hinter sich. Die Anfänge verschwimmen zwar etwas, dafür lohnt sich das letzte Album umso mehr. Die Steigerung von der ersten Demo bis zu "Veritas" ist hervorragend und könnte kaum besser als durch LADLO getragen werden. Maïeutiste sind eine noch junge und nicht allzu breit aufgestellte Kombo am Avantgarde-Himmel, die in Zukunft sicher noch von sich hören lassen wird. Hoffentlich auf einem ähnlichen Niveau.


Tracklist:

1 Veritas I
2 Infinitus
3 Spiramus
4 Universum
5 Vocat
6 Veritas II

 

Weitere Informationen

Gelesen 1497 mal Letzte Änderung am Sonntag, 26 April 2020 11:23
Torn

Kommt Zeit, kommt Unrat.

Medien

Infinitus Maïeutiste / Veritas / Les Acteurs de L'Ombre