Mittwoch, 04 März 2020 08:22

Lebenssucht - -273,15 ° C

geschrieben von Wolle Kroni
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(5 Stimmen)

Nach der 2016, erschienenen EP „Fucking My Knife“, welche bereits große Lust auf das kommende Album machte, war es lange still um die belgisch/österreichische DSBM Formation Lebenssucht. Doch das Warten hat sich mehr als gelohnt. Am 07.April 2020 erscheint über das Label Thanatoskult das Debütalbum “-273,15 ° C“ und die Anhänger depressiver Klangkunst dürfen sich auf einen wahren Leckerbissen freuen. Bereits vor der offiziellen Veröffentlichung, durfte Undergrounded in den Genuss dieser Underground Perle kommen . Und eins sei vorweg gesagt: Es wird kalt!

 

Ohne Intro startet das neue Album mit dem Track "Trauerweide" und zieht den Hörer sofort in einen Sog. Eisige Kälte breitet sich im Raum aus und erst gegen Ende des Albums lässt einen diese wieder los. Es wird geknüppelt und geschrien auf Teufel komm raus. Fronterin S Caedes hysterisches Kreischen kommt dermaßen druckvoll aus den Boxen, dass eine unglaubliche Beklemmung den Raum erfüllt. Die Lyrics setzen der ohnehin schon kalten Atmosphäre nochmals die Krone auf. Musikalisch halten sich Blastbeat Gewitter und schleppende, doomige Passagen die Waage. Ein starker Auftakt. Keine Zeit zum verschnaufen. Bei “Hole in my Heart“ fügen sich zu S Caedes  kreischen noch tiefe Background Vocals hinzu, die dem ganzen Song nochmal ein Stück mehr Atmosphäre und Verzweiflung verleihen. Nach  emotionalem Gerotze und Gekeife, gönnen Lebenssucht dem Hörer während des Songs eine kurze Verschnaufpause in Form einer instrumentalen Einlage, die ruhig und depressiv durch die Boxen kommt. Kurz darauf wird diese Stimmung jedoch wieder durch Gekreische unterbrochen. Schleppende Gitarrenwände und stimmiges Schlagzeugspiel kreieren eine wunderbare, traurige und verzweifelte Klanglandschaft, die einmalig ist. Sehr atmosphärisch und eine klare Anspiel-Empfehlung.

 

"Moment of Violence ist ein Song", der bereits live schon einige Male gezündet wurde, gibt sich sehr aggressiv. Die Backing Vocals und der fast schon hysterische Beitrag von S Caedes geben sich hier abwechselnd die Klinke in die Hand und ergänzen sich perfekt. Ansonsten kann dieser Song nicht die Atmosphäre aufbauen, wie die beiden Songs zuvor. Eine schnelle Nummer, stets zwischen schierer Raserei und Midtempo. Verzerrte und düstere Piano Klänge eröffnen "Mirrors" und bevor man sich auf diese Töne einschwingen kann, wird diese angenehme Stille wieder durch S Caedes Stimme zerfetzt und zerlegt den kompletten Raum. Was hier geliefert wird, ist schlicht unglaublich, aber auch die Backing Vocals sind on spot. Das Schlagzeug besticht hier durch eine wunderbare und druckvolle Produktion. Insbesondere die Snare kommt richtig fett rüber, was bei manch anderer Produktion unter den Tisch gekehrt wird. Die Gitarren sägen sich wie feine Rasierklingen in die Gehörgänge. Während des Songs kommt keine Langeweile auf, da Lebenssucht auch hier eine ausgewogene Mischung aus Schnelligkeit und Midtempo darbieten. Gegen Ende des Songs wird nochmals richtig Fahrt aufgenommen und man imaginiert vor dem inneren Auge schon wie dieser Titel live zünden wird. Auch nach mehrmaligem Durchlauf verliert dieser Song nichts von seiner Anziehungskraft. Bei Nullpunkt ist der Name Programm und das nicht im negativen Sinne. Der absolute Nullpunkt (-273,15 Grad) wird hier definitiv erreicht. Ein Song voller Wut und Verzweiflung. Beinahe sehnt man sich das Ende des Songs herbei und zurück bleibt eine emotionale Ödnis. Wahnsinn welche Atmosphäre Lebenssucht hier kreieren. Der Song ist von Anfang bis zum Ende perfekt aufgebaut und hat keine Schwächen. Hier stimmt einfach Alles. Der letzte Track des Albums ist mit -273,15 ° C ein verstörendes Outro, welches die Stimmung des Albums in knappen 5 Minuten noch eimal zusammenfasst.

Tracklist:

01 – Trauerweide

02 – A Hole In My Heart

03 – Moment Of Violence

04 – Mirrors

05 – Nullpunkt

06 – [-273,15°C]

 

Bewertung:

9,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Lebenssucht
  • Album Titel: -273,15 ° C
  • Erscheinungsdatum: 07.04.2020
  • Fazit: Das Warten hat sich definitiv gelohnt. Auf -273,15 ° C gelingt es Lebenssucht eine Atmosphäre zu schaffen, die wahrlich Ihresgleichen sucht. Ein Album das verstörend und wunderschön zugleich ist. In diesem musikalisch, depressiven Brachland keimt ein Funken Hoffnung, der sich dem geneigten Hörer nicht gleich erschließt. Definitiv keine leichte Kost für nebenbei, doch für Anhänger depressiver Klangkunst mit Tiefgang eine absolute Kaufempfehlung.
Gelesen 2377 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 05 März 2020 21:56