Mittwoch, 22 Januar 2020 05:01

Froststarr - Gottgesicht

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Froststarr liefern mal wieder. Zwar ein bisschen zu spät, aber sie liefern! Warum man uns erst 2020 die EP "Gottgesicht" ins Postfach nagelt, werden wir wohl nie erfahren. Aber wir sind uns auch hierfür nicht zu erhaben und machen uns alsbald ans Hören des Vergnügens mit insgesamt drei Tracks. Wer sich noch an 2016 erinnert, findet im UG-Archiv das Review zu "Essenz", dem ersten Album des sachsen-anhaltinischen Duos, dem wir schon damals „Potenzial“ fürs „Potenzial“ attestierten.

Zudem umgab die beiden auch schon damals ein Hauch von Mysterium, oder sagen wir besser ein gepflegtes „Hä?“ (mehr dazu HIER). Dies führt sich teilweise fort, darf man sich doch z.B. fragen, warum man sich 2018 für gleich zwei EPs entschied, anstatt ein Album zu präsentieren. Addiert man die EP "Gottgesicht" zur EP "Gott Endet Hier", kommt man zumindest auf respektable acht Songs und damit auf Albumlänge. Sei's drum, es soll hier um erstere EP gehen und so sieht die Platte aus:

Man wendet sich in den drei Tracks jeweils einer „lovecraftschen“ Gottheit zu, nämlich: Ngranek, Nodens und Yuggoth. Alle drei Songs fahren sowohl lyrisch als auch musikalisch einiges auf. "Ngranek" beginnt mit einem langsamen und verträumten Gitarren-Riffing, bevor Drums und Bass gleichzeitig hinzustoßen um das Thema, immer noch zwischen adagio und moderato, auszubauen. Während des Aufbaus bekommt man schon „genredemütig“ die erste Idee, was knapp eine Minute später passieren wird. Kurzer Break, dann alles von vorn aber mit harter Gitarrenwand und etwas mehr Dampf unter der Haube, während die Lyrics irre Träume im Zwiegespräch mit den „großen Alten“ besingen. Für das Outro des 8+ Minuten-Songs nimmt man sich sehr zurück und malt sphärische Lautwelten ins Ohr.

Track 2 "Nodens" ist der kürzeste des Trios, beginnt schneller und mit einem sehr eingängigen Riffing. Sänger Yuggoth keift mit seiner kräftigen Stimme alsbald die Lyrics zu den einsetzenden Drums dazu. Zur Mitte des Tracks läuft es eiskalt den Rücken herunter, wenn Yuggoth wie vom Irrsinn befangen anfängt ekstatisch zu schreien, was sehr gut funktioniert. Der Bass wirkt in den vier Minuten nicht so omnipräsent wie im vorherigen Track, was weitaus besser zu gefallen weiß.

Der letzte Part "Yuggoth" ist mit über 14 Minuten ein halber Bombast und startet brachial mit hypnotischen und gescreamten Chants, bevor man das erste mal auf der Scheibe die Clean Vocals von Yuggoth vernehmen kann und der Hörer erneut eine langsame, sphärisch-doomige Einlage bekommt. An dieser Stelle kann man schonmal ins Grübeln darüber geraten, ob der Klargesang so funktioniert. Er passt irgendwie, aber es ist auch beim vierten Durchhören schwer zu greifen, ob der sehr glatte Wechsel zwischen Hart und Doomig bestechen kann. Zur Mitte des Songs möchte man auf die andere Hälfte des Bombast zu sprechen kommen: Bevor der Song mit einem sehr rockigen Gitarrenpart und damit für den Rest der Scheibe eher ungewöhnlich endet, beginnt das Outro. Hier darf man einer dämonischen Lesung, inklusiver verzweifelter, irrer Schreie als Ambient-Soundscape beiwohnen und man schließt „dronig“ ab.

Trackliste:

01. Ngranek

02. Nodens

03. Yuggoth

Bewertung:

8 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Froststarr
  • Album Titel: Gottgesicht
  • Erscheinungsdatum: 14.08.2018
  • Fazit: Insgesamt weiß "Gottgesicht“ ganz gut zu gefallen und Froststarr heben sich mit ihrer Experimentierfreude, die mal gut, mal weniger gut funktioniert, durchaus von der Konkurrenz ab. Wir sind jedenfalls gespannt auf das nächste Album und neues Material im Jahr 2020!
Gelesen 1347 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 12 Februar 2020 02:03

Medien

Gottgesicht EP Froststarr / Gottgesicht EP / Independent