Dienstag, 14 Januar 2020 15:38

Mizmor - Cairn

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Mizmor (hebräisch: מזמור, "Psalm") zählte in den letzten Jahren zu einem der interessantesten Projekte, wenn man die Schnittstelle zwischen Black, Drone und Sludge Metal zu füllen ersuchte. 2016 schlug das Album "Yodh" brachial in die Szene ein und schürte schon damals die Hoffnung auf einen neuen Stern am Himmel der Drone-Musik. Der Live-Auftritt auf dem Roadburn 2018 verstärkte diese Hoffnung noch mehr, weil dort offensichtlich war, mit welcher Qualität Mizmor zu überzeugen weiß. Im September 2019 legte der alleinige Erschaffer A.L.N. mit "Cairn" bei Gilead Midea (u.a. Falls of Rauros, Mutilation Rites) nun nach.

Die neue Scheibe besteht aus lediglich vier Titeln, die allesamt aber Überlänge besitzen, sodass trotzdem fast eine Stunde geknüppelt wird. Halt, wird überhaupt geknüppelt? Ja und nein. Mizmor groovt sich von der ersten Sekunde an irgendwo zwischen langsamen, dröhnenden Passagen und typischen schwarzmetallischen Stampeden ein. "Desert of Absurdity" gehört eher zu der zweiteren Sorte, versinkt nach seinem Ohrwurmriff und seinem Galopp aber gegen Ende in einem sehr düsteren Outro. Zehn Minuten, die den Ton von "Cairn" zugleich definieren. Der Titelsong besteht sogar aus zwei Tracks und deckt damit eine gute halbe Stunde ab.

"Cairn to God" reiht sich dabei in die eher dröhnenden Sequenzen des neuen, mittlerweile schon dritten Albums von Mizmor ein. Das langsame, rauschende Gitarrenspiel wird von typischen Growls begleitet, teilweise sogar von ziemlich hohen Schreien. Und so langsam die Instrumente auch spielen, abrupte Pausen gibt es trotzdem: Der Song schleppt sich mühsam übers Parkett und wirkt dabei geradezu bedrohlich. Gegen Ende dreht die Gitarre kurz auf, am Tempo ändert sich aber nichts. Vergleichbar zum flotten Vorgänger ist das ebenso melancholische Outro, in dem das Riff adaptiert wird, das Schlagzeug aber gänzlich versiegt. Ein Muster, dass sich durch das ganze Album zieht? Wir werden sehen.

Teil Zwei des "Cairn"-Duetts klingt anschließend wieder mehr nach Black Metal und hält das hohe Tempo bis auf ein dreiminütiges Interludium durchgehend. Und tatsächlich, die letzten Minuten sind im Vergleich zum Anfang sehr leise und leiten den Song ganz gemächlich aus. Dafür wird der letzte Song "The Narrowing Way" auf gleiche Weise eingeleitet. Erwartungsgemäß zeigt sich dieser Titel wieder deutlich schwergängiger als sein direkter Vorgänger. Es dröhnt und rauscht von allen Seiten, richtig Fahrt kommt nicht auf. Aber das muss auch gar nicht sein. Auch die Drone-Passagen überzeugen und die Atmosphäre ist durchgehend düster und drückend, wie man es von Mizmor kennt.

"Cairn" wechselt stets zwischen langsam und schnell, zwischen trabend und schleppend. Der Genre-Mix, wie wir ihn bei Mizmor erwarten, kommt gut zur Geltung und jeder Song hat seine Relevanz. Die beiden langsameren Titel "Cairn to God" und "The Narrowing Way" verlieren aufgrund ihrer Länge teilweise aber an Glanz und werden zeitweise etwas anstrengend. Dass jeder Titel ein eigenes mehrminütiges Outro erhält ist eigentümlich, stört aber gar nicht. Eher im Gegenteil. Alles in allem zeigt sich "Cairn" in seinen einzelnen Titeln sehr monoton, unterhält aber trotzdem sehr gut.

Trackliste:

01. Desert of Absurdity

02. Cairn to God

03. Cairn to Suicide

04. The Narrowing Way

Bewertung

8,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Mizmor
  • Album Titel: Cairn
  • Erscheinungsdatum: 06.09.2019
  • Fazit: Mizmors dritte Scheibe überrascht und verwundert über weite Strecken nicht. Die Riffs ziehen, die Growls sitzen und das durchgehende Ohrensausen macht Spaß. „Cairn“ ist ein starkes Album, kommt aber nicht ganz an den fulminanten Vorgänger heran.
Gelesen 890 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 12 Februar 2020 02:05

Medien

Cairn (Trailer) Mizmor / Cairn / Gilead Media