Freitag, 22 November 2019 13:42

Äera - Schein

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Äera - Schein Äera - Schein Äera

Wer einen Blick auf das Lineup der diesjährigen „Wintermelodei“ wirft, dürfte über die unlängst bestätigten Äera stolpern und sich fragen: „Wer sind die denn?“. Richtig, von Äera hörte man bisher nichts. Aber die vier Jungs aus Nordrhein-Westfalen rühren gerade kräftig die Werbetrommel für ihr Debütalbum „Schein“, welches am 06.12.2019 über das Label „The Crawling Chaos“ veröffentlicht wird.

Demnach wird es zur „Wintermelodei“ am darauffolgenden Tag eine Album-Release-Show als Opener geben. Wir dürfen exklusiv vorab einen Blick auf die fünf Titel von „Schein“ werfen und stoßen dabei auf moderne, atmosphärische Klagelieder, die den Konsum und die gesellschaftlichen Konsequenzen davon anprangern. Das Ganze wird in ausufernde Instrumentalpassagen verpackt, die sich am traditionellen Black-Metal-Repertoire bedienen, aber auch keine Scheu vor neumodischeren Klängen haben. Eingängige, teils leicht verspielte Melodien tragen dabei die langen instrumentalen Abschnitte und sorgen für ein immens dichtes Klangbild ab der ersten Sekunde an. „Feuers Gabe“ entfaltet in seinen knapp elf Minuten die geballte Kraft Äeras und ist zu keiner Zeit langweilig.

Noch wuchtiger wird es mit dem zweiten Titel „Auf kargem Grunde“, der nicht nur das Tempo erhöht, sondern auch mehr Varianz im Gitarrenspiel zulässt und dadurch zu einem sehr runden Hörvergnügen wird. Die klagenden Gesangsmomente wechseln sich mit stampfenden Rhythmen und einschneidenden Saitenklängen ab und passen absolut ins Gesamtbild der Band. Äera selbst beschreiben sich unter anderem als „treibend“, „wuchtig“ und „erdig“. Diese drei Prädikate finden zu diesem frühen Zeitpunkt der Scheibe ihre volle Verwendung. Wenngleich der eigentliche Höhepunkt erst mit „Silhouette“ folgt. Direkt das erste Riff geht einem durch Mark und Bein, das Quartett knüppelt munter drauf los und präsentiert uns den kurzweiligsten Song von „Schein“. Die Gitarre erinnert in den späten Minuten sehr an Hallig und befindet sich damit in guter Gesellschaft, bevor sie sich in einem akustischen Outro verliert.

Dieses Outro markiert aber gleichzeitig den Übergang zum Doppelsong „Heimkehr“, welcher mit seinem ersten Teil „Ruin“ vermeintlich träge beginnt, aber die harte und wuchtige Linie Äeras konsequent fortsetzt. Oder wie sie es sagen: „…das Mosaik zerfällt aufs Neue“. Was zuvor so stringent und erhaben aufgebaut wurde, findet in „Ruin“ sein abruptes Ende und wird binnen Sekunden niedergewalzt. Aber Äera präsentieren sich auch von einer anderen Seite, ihrer melancholischen. Die Melodik des Albums war durchweg bislang nicht sonderlich fröhlich, aber der erste Teil des „Heimkehr“-Duetts klingt zwischendurch geradezu wehleidig. Aber auch ein wehleidiger Song kann schön sein, wenn die Stimmung adäquat von Sänger und Orchester getragen wird. Sie wird es in diesem Fall. Das Wechselspiel zwischen unbändigem, schnellem Black Metal und den eher schleichenden, teils akustischen Momenten funktioniert und sorgt vor allem gegen Ende des Songs für eine tiefe Atmosphäre.

Der zweite Teil „Im Nebel“ bringt die härtere Seite der „Heimkehr“ aufs Parkett und gesellt sich in die Reihe treibender Songs der Scheibe. Äera entfalten ihre volle Stärke und runden „Schein“ mit den beiden „Heimkehr“-Stücken ab. Die Entwicklung innerhalb der Scheibe, vom kernigen Black Metal hin zum ruhigeren Post Black in der Schlussviertelstunde stellt zugleich die Bandbreite dar, welche die vier Westfalen auf die Platte und ab Dezember auch auf die Bühne bringen können. Und die kann sich sehen lassen.

 

 Trackliste:

  1. Feuers Gabe
  2. Auf kargem Grunde
  3. Silhouette
  4. Heimkehr I – Ruin
  5. Heimkehr II – Im Nebel

Bewertung:

9 / 10

Weitere Informationen

  • Band: Äera
  • Album Titel: Schein
  • Erscheinungsdatum: 06.12.2019
  • Fazit: „Schein“ ist ein absolut gelungenes Debüt und punktet vor allem durch die langen, abwechslungsreichen Instrumentalpassagen. Das Album verfügt über eine einzigartige und zugleich doch vertraute Dynamik, die eingefleischten Black Metallern sicher zu gleichen Teilen gefällt wie den Freunden der moderneren Spielart des Post Black Metal. Dass die Scheibe auf der „Wintermelodei“ als Opener für Bands wie Winterfylleth oder Horn präsentiert wird, dürfte sich nicht nur auf dem Papier gut machen. Das richtige Publikum für ein solches Album-Release wird gegeben sein und Äera müssten schon wirklich Mist bauen, damit dieses Debüt in die Hose geht. Wir stehen jedenfalls so weit vorne, wie möglich.
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Äera - Feuers Gabe (official)