Samstag, 16 November 2019 15:00

UNTER DEM RADAR - BLUTVIAL (BLACK METAL)

geschrieben von Phil Keller
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Aus Großbritannien kommt in letzter Zeit ein ordentlicher Schwung an Bands, die erhebliches Potential an den Tag legen. Einige wie Fen, Saor oder Winterfylleth fanden schnell eine nicht unbeträchtliche Anzahl an neuen Fans, andere haben dieses Glück leider nicht, obwohl sie musikalisch die höchsten Ansprüche bedienen. So wollen wir euch heute eine dieser Bands vorstellen und hoffen, ein paar neue Hörer für Blutvial in unserem brandneuen UdR-Artikel begeistern zu können.

Nachdem 2007 mit "Full Moon Possession" das erste Lebenszeichen in Form einer EP der Truppe aus Hampshire kam, konnte die Band in den Folgejahren bis 2013 konstant alle 2 Jahre einen neuen Tonträger herausbringen. Dabei handelte es sich zunächst um die Debüt-Full Length "I Speak of the Devil" und ihren Nachfolger "Curses Thorns Blood", sowie 2013 eine weitere EP namens "Brythonic". Das Quartett um Sänger und Gitarrist Ewchymlaen, Gitarrist Aort, Basser Andras und Schlagzeuger Tiuvál blickt dabei auf reichhaltige Expertise aus ihren Arbeiten in diversen anderen Bands: So sind beispielsweise neben mehreren anderen Projekten Andras und Aort auch beim Agonia-Records-Exportschlager <code> zu hören. Nach 2013 wurde es still um Blutvial, bis 2018 quasi aus dem Nichts das Album "Mysteries of Earth" das Licht der Welt erblickte. Und was uns die Briten da um die Löffel prügelten, war mehr als beeindruckend, denn sie schafften es nach einem 5-jährigen Hiatus auf Anhieb nicht nur wieder Fuß zu fassen, sondern übertrafen sämtliche Erwartungen mit diesem neuen Werk. 

Aktuelle Besetzung

Ewchymlaen - Guitars, Vocals

Aort - Guitars

Andras - Bass

Tiúval – Drums

 

Diskographie

2007 – Full Moon Possession (EP)

2009 – I Speak of the Devil (Album)     

2011 – Curses Thorns Blood (Album)      

2010 - Brythonic (EP)

2018 – Mysteries of Earth (Album)

 

 Review zu "Mysteries of Earth"

Traditionellen Black Metal der alten Schule hört man wirklich selten aus England, sind doch die britischen Inseln eher für die atmosphärischeren Klänge dieser Sparte bekannt. Aber weit gefehlt - bei Blutvials drittem Langspieler "Mysteries of Earth" aus dem Jahr 2018 gibt's voll auf die Zwölf.... Und das mit Anlauf.

Mit ordentlich Tempo im Handgepäck und treibenden Riffsalven brettern die Jungs aus Hampshire los und begeistern schon in den ersten Minuten des Songs “"Beneath the Moon". Dabei kommen aber ganz althergebrachte Stilmittel wie das kurze Orgel-Intro nicht zu kurz und geben dem ganzen noch einen ausschmückenden Anstrich. "Black Silence" und "Existential Rite" können ebenso mit Dauerfeuer aus den Riffbatterien, keifenden Vocals und hoher Geschwindigkeit glänzen. Man verliebt sich schnell in die Verspieltheit und die fast schon melodiösen Gitarrenpassagen, die Blutvial für den geneigten Hörer eigentlich in die Top-Highlights an gehörten Alben des Jahres katapultieren. "Vaults of Unrest"und "Carving Nihil" legen noch eine kleine Schippe Kohlen nach, haben aber auch Tempowechsel mit an Bord, die für kurze Verschnaufpausen sorgen. Dabei achten Blutvial stehts auf Details, die der alten Tradition legendärer Bands der frühen 90er Jahre aus dem skandinavischen Bereich sehr nahe kommen. 

"Midwinters Halls" entpuppt sich derweil als echter Midtempo-Stampfer und es darf ordentlich mitgebangt werden. Geradezu gespenstisch startet das einzige in deutscher Sprache betitelte "Urnacht" mit bedrohlich ruhigen Gitarren, bevor der Todeszug den Ofen wieder auf Hochleistung bringt. Auch "Doomed to Eternal Night" und "In Praise of Noctula" sind eine Ode an den Black Metal der zweiten Welle in reinster Form. Jedoch immer auch frisch und interessant gehalten. Man hat nie das Gefühl, etwas schon mal gehört zu haben oder das etwas abgedroschen klingt. Im Gegenteil, mit schönen Einleitungen werden wir hier sanft in die Stücke geleitet und mit viel Liebe zum Detail dann durch den Fleischwolf gedreht. Dann sind wir mit "Where Graves Spring Open" schon am Ende angelangt... Aber was heißt hier "schon"? Immerhin knapp über eine Stunde Spielzeit ist wohl eine echte Ansage! Das letzte Stück rückt mit knapp 10 Minuten nochmals alle Stärken von Blutvial in den Vordergrund und das Gesamtwerk lässt wirklich keine Wünsche offen.

Dabei findet man auf "Mysteries of Earth" sicherlich keine Neuerung oder gar Revolution im Black Metal, sondern die reinste Form der Kunst, die wir im Laufe der Geschichte schätzen gelernt haben. Und das schafft die Band mit einer Eigenproduktion quasi im Handumdrehen nach einer 5-jährigen Schaffenspause. Wer immer noch von den frühen Werken und vor allem dem Sound der einschlägigen Bands der 2. Welle des Black Metal verzaubert ist, wird hier ein Juwel finden, an dem er lange Freude haben wird.

 

Tracklist:

01. Beneath the Moon

02. Black Silence

03. Existential Rite

04. Vaults of Unrest

05. Carving Nihil

06. Midwinters Halls

07. Urnacht

08. Doomed to Eternal Night

09. In Praise of Noctula

10. Where Graves Spring Open

 

Weitere Informationen

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Medien

Existential Rite Blutvial / Mysteries of Earth / Heidens Hart