Donnerstag, 31 Oktober 2019 16:12

SCHWARZES GOLD - VINYL-RARITÄTEN IM FOKUS

geschrieben von Alex M.

Von den einen vergöttert und akribisch gesammelt, von den anderen als dummes Egogewichse abgetan: Kalt lassen seltene und teilweise sündhaft teure Vinyl-Platten so gut wie niemanden. Die Gründe, sich im Nachhinein mit diversen teuren Klassikern auszustatten sind vor allem im Bereich von „greifbarer Geschichte“ zu finden, speziell bei den großen Klassikern des norwegischen Black Metal. Hier wird quasi die Historie lebendig. In unserer neuen Kategorie "Schwarzes Gold" wollen wir euch in Zukunft einige dieser besonderen Stücke vorstellen!

Das eingangs Erwähnte gilt natürlich besonders für originale Demos, die von der Band selbst hergestellt wurden und sich von (semi-)offiziellen Re-Releases unterscheiden, wie zum Beispiel das Tape der Norweger Strid und die ersten, zumeist mehr oder weniger selbst veröffentlichten 7“s. Hier sticht Morbid Angels „Thy Kingdom Come“ heraus, welches in unzähligen Bootleg-Varianten existiert und teilweise absurde Preise erzielt.

Morbid Angel - Thy Kingdom Come

Label: Splattermaniac, 1988, 7''

(Erstpressung auf Vinyl, bereits 1987 als Tape erschienen)

=> Discogs

Doch was macht eine echte Rarität aus? Gibt es nachvollziehbare Gründe dem Sammlerwahn kritisch gegenüber zu stehen oder spielt Neid hier eine Rolle? Hierzu muss man zwischen „echten“ Raritäten, also alten und seltenen Platten, die zum Erscheinungszeitpunkt kaum Beachtung fanden und erst über die Jahre zum Kult und zur Rarität wurden, und Pressungen, die bewusst verknappt wurden, unterscheiden.

Besonders hervor tun sich hier zum Beispiel Labels wie das finnische Livor Mortis. Hier presst man Kleinstauflagen von vermeintlichen Kultbands wie Lampir im Bereich von ca. 100 – 200 Stk., welche innerhalb kürzester Zeit ausverkauft sind. Haken: Durch den Pre-Order-Prozess der Platten wird die Pressung überhaupt erst finanziert und führt zu entsprechenden Wartezeiten.

Noch weiter treibt das mit einer bewegten Vergangenheit ausgestattete Label Goatowarex aus China diese Praxis. Hier wird zwar nicht die Pressung vorfinanziert, dafür wird eine Uhrzeit bekannt gegeben, zu welcher der Shop wieder online ist. Selbst beim punktgenauen Öffnen, Kaufen und Auschecken aus dem Shop kann es passieren, dass bestimmte Platten innerhalb von Sekunden wieder aus dem Warenkorb draußen sind, siehe Sanguine Relic mit ihrem erst diesen Sommer erschienen Werk "The Essence of Eternity's Despair". Dieser künstlich erzeugte Hype hat selten was mit Musik zu tun und zielt voll auf den teilweise sehr ausgeprägten Sammlertrieb des potentiellen Käufers ab.

Sanguine Relic - The Essence of Eternity's Despair

Label: Goatowarex, 2019, LP

(Erstpressung auf Vinyl, bereits 2018 als Tape erschienen)

=> Discogs

Dem gegenüber stehen liebevolle Editionen wie zum Beispiel die Lavish-Versionen eines Labels wie Ván Records, welche in jeder Hinsicht einen ordentlichen Mehrwert bieten, jedoch auch immer die gleiche Musik wie die Standard-Editionen beinhalten.

Die wohl gängigste Praxis etwas Besonderes für die Sammler anzubieten, ohne es gleich zu übertreiben, ist eine Auflage von 500 Exemplaren anzubieten, von denen 100 eine andere Farbe haben. Hier ist es in den meisten Fällen möglich das ein oder andere Exemplar zu ergattern, je nachdem, wie neurotisch der Sammler geartet ist.

Bei echten Raritäten handelt es sich um damals eher obskure Veröffentlichungen, die teilweise jahrelang offen gehandelt wurden, weil sich kaum jemand für die entsprechende Band interessierte. Ein Trick war damals aber auch schon, dass mit einer realistischen Auflage von 500 Stk. kalkuliert wurde, aber als Anreiz ein nettes „Limited to 500 copies, your copy is ___/500“ aufs Cover gepappt wurde.

Ein eher neueres Beispiel dürfte die originale Prophecy-Pressung des einzigen Albums von Silencer, „Death, Pierce Me“, sein, welche auf 200 Stk. limitiert ist und auch über einen sehr langen Zeitraum in diversen Mailordern zu finden war. Mittlerweile wird diese Platte zwischen €250 und €300 gehandelt. Andere Beispiele sind die Vinyl-Versionen diverser Judas Iscariot-Alben. Diese waren viele Jahre selbst auf diversen Börsen und Plattormen für relativ kleines Geld zu haben, abgesehen von der „Heaven In Flames“, welche immer an der €500-Marke kratzte. Mittlerweile liegen auch die Preise der anderen Alben um die €150 - €350, je nach Album und auch je nach Version.

Gesuchte Raritäten sind auch die Platten des inaktiven Labels Sombre Records, damals ein waschechtes „Kult“-Label aus Annaberg-Buchholz. Bestellungen dort waren wie ein Glücksspiel, denn teilweise wurde vom Label-Chef Marcel Spaller, welcher vor einigen Jahren an einem Gehirntumor verstarb, einfach irgendwas verschickt. Manchmal durchaus zum späteren Vorteil des Kunden.

Beispiele aus seinem Katalog sind:

Katharsis – 666, ca. €500

Moonblood – Taste Our German Steel, ca. €1000 - €1500

Moonblood – Blut & Krieg, ca. €250 - €350

Auch Northern Heritage und das legendäre End All Life, welches heute unter Norma Evangelium Diaboli, kurz NOEVDIA, agiert, haben das eine oder andere Schätzchen im Katalog.

Moonblood - Taste Our German Steel!

Label: End All Life, 2000, LP

(Erstpressung auf Vinyl)

=> Discogs

Natürlich gibt es nicht nur im Vinyl-Sektor einige rare und teure Schätze zu entdecken. Beispielsweise sind sowohl das Album „Spectrum Of Death“ der US-amerikanischen Band Morbid Saint, für das man für die CD-Version zwischen €400 und €500 auf den Tisch legt, als auch sämtliche CD-Versionen der Werke der tschechischen Proto-Black Metal-Veteranen Törr, die auch alle um €200 - €400 Euro liegen. Natürlich bilden auch hier die frühen Werke der norwegischen zweiten Black Metal-Welle keine Ausnahme, Burzums legendäres „Aske“ bringt es auch ohne Feuerzeug, das die Plattenfirma erst für einen Scherz hielt, auf €350 - €450.

Wir werden im Laufe der Zeit diverse persönliche Schätze vorstellen und auf die Geschichte und den Status als Rarität eingehen. Der Fokus soll hierbei auf Vinyl-Raritäten liegen – denn wenn wir uns die teils absurd hohen Preise anschauen, die gerade im Metal-Genre im Vergleich zu ihren Herstellungspreisen zu explodieren scheinen, kann man zweifelsohne sagen, dass hier wahrlich „schwarzes Gold“ im heimischen Plattenschrank schlummern mag.

Stay tuned!

Gelesen 317 mal Letzte Änderung am Sonntag, 03 November 2019 22:27