Samstag, 03 August 2019 12:31

Totengott - The Abyss

geschrieben von Yog Sotos
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(2 Stimmen)
The Abyss The Abyss Totengott

Die spanische Band Totengott liefert mit "The Abyss" ein Album, das uns wünschen lässt, man wäre früher auf die Gruppe aufmerksam geworden. Das mit nur 4 Tracks ordentliche 47 Minuten füllende Monstrum mischt frühe Celtic Frost-Sounds mit einem "angesludgeten" Dampfwalzen-Doom der absoluten Höchstklasse. Wenn man normalerweise kein großer Fan von Doom Metal ist, dürfte einen die Platte trotzdem ziemlich erdrücken. Die Celtic Frost-Assoziation liegt schon alleine deshalb nahe, weil die Band ursprünglich als Coverband der Schweizer Kultgruppe gegründet wurde.

Der erste der vier Songs hört auf den Titel "Ceremony I: Sic Transit Gloria Mundi" und beginnt mit einer wunderschönen Lofi-Gitarre und ominösen Windgeräuschen, bevor ein schwebender Choral das einleitet, was man nur als apokalyptischen Ritual-Doom bezeichnen kann. Das erste richtige Riff des Albums dreht einem fast die Sub-Speaker und den Frontallappen auf links. Wer auf komplexe Aufbaustrukturen steht, kommt hier ganz auf seine Kosten und wird auch das ganze restliche Album nicht enttäuscht. Der zweite Song erinnert extrem an bereits erwähnte alte Celtic Frost-Stücke und beweist: Die Jungs können auch schnell, wenn sie wollen. Die Riffs bleiben dabei unnachgiebig und dreschen auf den Hörer ein. Erst plattwalzen und danach draufhämmern, bis es liegen bleibt - das scheint hier der Gedankengang gewesen zu sein und dieses Ziel wird mit Bravour erreicht. Auch dieser Song wirkt trotz der Rohheit nicht weniger durchdacht als der Rest des Albums. "The Spell" ertönt an dritter Stelle und schleppt sich mit seinen knapp 13 Minuten Laufzeit als erster Song-Behemoth auf dem Album nach einem düsteren Ambient-Intro mit der Gewalt eines Panzers vor sich hin, bevor ein Midtempo-Stampfriff beginnt und den Hörer zu feinem Mus zerreibt. Wer bis hier hin aufmerksam mitgelesen hat, der weiß, dass uns die Struktur der Songs der spanischen Band über alle Maße gefällt. Um die 7 Minuten-Marke findet die Band zurück in einen verhallten Dark-Ambient-Part, der einem kurze Zeit zum Aufatmen gibt, bevor mit einem noisy Gitarrensolo über das für sich allein schon starke Riff jedes letzte bisschen Hoffnung des Hörers herausgequetscht

"Doppelganger II: The Abyss", der letzte und mit guten 22 Minuten auch längste Song des Albums, vereint alles, was an den Vorangegangenen Liedern schon stark war und wird trotz der massiven Länge einfach nicht langweilig. Die Leute hinter Totengott entpuppen sich als Songwriter der Extraklasse. Davor kann man nur den Hut ziehen, selbst wenn eigentlich eher andere Genres im Metal-Bereich bevorzugt und eine Abneigung gegenüber dem Schneckentempo zünftiger Doom-Kolosse haben sollte - einfach durch die erzeugte Atmosphäre und die Abwechslung, mit denen Totengott 47 ganze Minuten bei der Stange halten können, ohne dass man nur einmal das Gefühl bekäme gelangweilt zu werden oder man sich denkt: "Der Part hätte kürzer sein können". Hier wurde ein klares Soundbild angestrebt und konsequent erreicht. Die Riffs und das Drumming sind präzise und treffen den Nerv genau da, wo sie sollen. Der Bass-Sound bricht einem sämtliche Knochen. Generell sollte man das Album mit einem relativ Bass-lastigen EQ hören und einer Anlage, die das auch aushält. Denn, in Ermangelung einer geistreicheren Formulierung: „Der Bass fickt. Hart.“

Die Songs drücken eine geradezu apokalyptische Hoffnungslosigkeit aus, was sowohl die Texte, als auch die Instrumentierung konsequent rüberbringen. Einziger Kritikpunkt sind meiner Meinung nach die Vocals. Wer wie ich auf alte Celtic Frost-Sachen steht, wird Totengott lieben, wer es nicht tut, wird sich dran gewöhnen müssen. Aber wer beim ersten Hören nicht mit der Scheibe warm wird, sollte sie zwei-, dreimal am Stück durchhören, denn sie ist viel zu gut, um sie wegen Kleinigkeiten zu ignorieren.

Tracklist:

01. Ceremony I: Sic Transit Gloria Mundi 

02. Ceremony II: The Way of Sin 

03. The Spell 

04. Doppelgänger II: The Abyss 

Bewertung: 9,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Totengott
  • Album Titel: The Abyss
  • Erscheinungsdatum: 16.04.2019
  • Fazit: Die Songs drücken eine geradezu apokalyptische Hoffnungslosigkeit aus, was sowohl die Texte, als auch die Instrumentierung konsequent rüberbringen. Einziger Kritikpunkt sind meiner Meinung nach die Vocals. Wer wie ich auf alte Celtic Frost-Sachen steht, wird Totengott lieben, wer es nicht tut, wird sich dran gewöhnen müssen. Aber wer beim ersten Hören nicht mit der Scheibe warm wird, sollte sie zwei-, dreimal am Stück durchhören, denn sie ist viel zu gut, um sie wegen Kleinigkeiten zu ignorieren.
Gelesen 688 mal Letzte Änderung am Sonntag, 18 August 2019 19:56

Medien

Ceremony II: The Way Of Sin Totengott / The Abyss / Xtreem Music