Dienstag, 23 Juli 2019 10:20

Elvenpath – The Path of the Dark King

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Mit „The Path of the Dark King” präsentiert die Frankfurter Power Metal-Kombo Elvenpath ihr mittlerweile fünftes Album. Dabei liefern sie rundum kreative, abwechslungsreiche Musik – mit einer Ausnahme. Schnelle Gitarren geben das Tempo vor, eine lange hohe Note des Sängers versprechen einen ordentlichen Einstieg. Nach den ersten Sekunden des explosiven Starts von „Combat Zone Europe“ war ich vorfreudig, nur um kurz darauf zusammenzuzucken. Das hohe Tempo in Kombination mit dem hohen, nahezu schrillen Power Metal-klischeeartigen Gesang ist eine einzige, unharmonische Katastrophe. Die Vocals sind erzwungen, dabei meist außer Atem, quietschend und kraftlos. Ich will ganz ehrlich sein: nach den ersten viereinhalb Minuten war ich alles andere als begeistert, mental begannen bereits die Vorbereitungen auf einen Verriss.

Doch dann kam „One Strong Voice“. Der zweite von neun Songs auf Elvenpaths fünftem Album ist alles, was man in einem Power Metal-Langspieler hören möchte: treibende Drums (Manuel Appel), Midtempo-Gitarren (Oliver Rossow und Till Oberboßel), über die eine kraftvolle Stimme (Dragutin Kremenović) gekonnt durch den Song führt. Die Vocals kratzen dabei nicht mehr an der Spitze der Notenleiter, sondern pendeln sich in einem kräftigen Bariton ein, der sowohl mit dem Sound der Band viel besser harmoniert als auch den Ohren besser gefällt. „One Strong Voice“ zeigt die Spielfreudigkeit und Kreativität der Band, zeigt Manowar-esque Einflüsse und hat absoluten Wiedererkennungswert. Der Refrain ist kraftvoll, einprägsam und einfach genug, dass ich mich bereits beim ersten Hören beim Mitgröhlen ertappe. Kurz gesagt: „One Strong Voice“ zeigt, dass das Frankfurter Quintett Musik versteht und läuft bei mir seitdem auf Dauerschleife.

Was folgt ist mehr als genug Gutmachung für das kalte und unangenehme Wasser des ersten Songs. Denn glücklicherweise bestätigen die folgenden sechs Songs, dass es sich bei „Combat Zone Europe“ maximal um einen Ausrutscher handeln kann. Denn wenn man den ersten Song übersteht, bietet sich einem ein wirklich starkes Album. Kremenovićs Stimme ist vielseitig und auch wenn die Qualität schwankt, versteht er es, einen Song zu tragen. Meistens sind es jedoch die Gitarren, die ohnehin die Show stehlen. Die wundervolle Arbeit an den Saiten (insbesondere in „The Sword of Gideon“ und „Black Wings“, aber auch im Solo in „One Strong Voice“) ist Beleg der Spielfreudigkeit Elvenpaths. Die über 70 Minuten, die dem Hörer geboten werden, sind dabei zu keinem Zeitpunkt langweilig. Die Songs selbst variieren in Länge zwischen radiotauglichen viereinhalb und überschweren 15 Minuten. Das wiederum ist stellvertretend für die Abwechslung und den Reichtum, den „The Path of the Dark King“ bietet. Jeder Song hat etwas Neues zu bieten und auch wenn nicht jeder an die Qualität von „One Strong Voice“ herankommt, gibt es keine (echten) Aussetzer.

Wo „One Strong Voice“ qualitativ herausragt, verkörpert kein Song die Kreativität, Spielfreudigkeit und Variabilität der gebotenen Musik wie das 15-minütige Epos „The Mountain Curse“, das den Langspieler wundervoll abrundet. Erst wird der Hörer mit einem tollen Chorensemble überrascht, ehe der Song nach rund zwei Minuten in eine stark an Blind Guardians „Bard’s Song“ erinnerndes, ruhiges Gitarrenstück übergeht, bei dem Kremenović seine Klasse beweist. Von dort entwickelt es sich in ein grandiose Gitarrenriff, ehe es nach viereinhalb Minuten in den „richtigen“ Song übergeht, der vollständig zu überzeugen weiß und das Album in einem tollen dramaturgischen Bogen abschließt.
Abschließend sei gesagt, dass Elvenpaths fünftes Album wirklich jedem empfohlen werden kann, der eine Affinität zu Power Metal oder einfach gutem 90er-Metal hat. Ignoriert man „Combat Zone Europe“ gibt es kaum Kritikpunkte, auch wenn ich behaupten würde, dass ein zukünftiger Verzicht auf den hohen Power Metal-Gesang kein Verlust wäre. Wenn ihr auf der Suche nach einem Ohrwurm seid, dann hört euch auf jeden Fall „One Strong Voice“ an. Ebenfalls empfehlenswert: „The Sword of Gideon“, „Black Wings“, „The Mountain Curse“.


Trackliste

01 Combat Zone Europe
02 One Strong Voice
03 Targaryan Fire
04 The Sword of Gideon
05 On The Verge of Insanity
06 Devil’s Game and God’s Masquerade
07 Black Wings

08 About Nightmares and Kings
09 The Mountain Curse

Bewertung:

8 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Elvenpath
  • Album Titel: The Path of the Dark King
  • Erscheinungsdatum: 09.03.2019
  • Fazit: Mit „The Path of the Dark King” präsentiert die Frankfurter Power Metal-Kombo Elvenpath ihr mittlerweile fünftes Album. Dabei liefern sie rundum kreative, abwechslungsreiche Musik – mit einer Ausnahme.
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