Samstag, 22 Juni 2019 11:30

Misþyrming - Algleymi

geschrieben von Torn
Artikel bewerten
(2 Stimmen)

Nachdem die Isländer Misþyrming 2015 mit ihrem Debüt „Söngvar elds og óreiðu“ durch die Decke gegangen sind, dauerte es nun vier Jahre, bis sie mit „Algleymi“ den Nachfolger vorstellen. Dieses Album erscheint unter dem Label „Norma Evangelium Diaboli“, welches sich auf modernen, avant-gardistischen Black Metal spezialisiert hat und beispielsweise Deathspell Omega im Roster trägt. Die Voraussetzungen für „Algleymi“ sind also bestens.

2015 war die Euphorie aufgrund des ersten Albums von Misþyrming riesig, denn es entfesselte eine unheimliche Energie und sicherte sich schnell einen Platz unter den Top-Alben der letzten Jahre. Als dann 2017 die Split mit Sinmara kam, war die Euphorie wieder etwas gebändigt. Allerdings ließ der eine Song Misþyrmings namens „Hof“ wenig Aussagen über kommende Werke der Band zu. Aber aus der damaligen Zukunftsmusik wurde nun Gegenwartsmusik in Form des zweiten Langspielers, der mit seinem ersten Titel „Orgia“ auch nach wenigen Sekunden die Marschroute der Isländer festlegt. Wie schon auf ihrem Debüt knüppeln die Vier munter los und liefern mit dem einschneidenden Riff auch direkt den ersten Ohrwurm des Albums. Der erste Eindruck lässt aber auch darauf schließen, dass Misþyrming auf dieser zweiten Scheibe melodischer agieren und das harte Geholze des Debüts durch harmonische Passagen ergänzen.

Der zweite Song „Með Svipur á Lofti“ widerlegt diese These sogleich und tritt in gewohnter Härte aufs Gaspedal. Nach wenigen Minuten wird dann etwas Druck herausgenommen und wieder harmonischer gespielt. Die Wechsel erwirken eine ganz eigene Dynamik und sorgen schon jetzt für ein gelungenes Hörvergnügen. „Ísland, Steingelde Krummaskuð“ siedelt sich dann vorn Vornherein im langsameren Segment von „Algleymi“ an und überzeugt abermals durch markante Riffs und Kopfnick-Rhythmen. Auch der bellende Gesang ändert an der neugewonnenen Melodik nichts, passt aber gut zur allgemeinen Stimmung der Platte. In den letzten zwei Minuten des Tracks wird dann auch wieder ordentlich gedonnert.

„Hælið“ hingegen donnert überhaupt nicht, sondern fungiert als langsames, kurzes und instrumentales Zwischenspiel im Mittelfeld der Platte, allerdings mit erheblichem Ohrwurmcharakter. Die erste Hälfte dieses zweiten Albums von Misþyrming zeigt also schon eine deutliche Entwicklung der Band, die bislang durchweg positiv hervorzuheben ist. Mit „Og Er Haustið Líður Undir Lok“ beginnt dann der zweite Part - und der erinnert anfangs sehr an die schwedischen Shining und liefert damit weiter neue Impulse. Nach diesem kurzen musikalischen (nicht qualitativen) Ausreißer finden Misþyrming mit „Allt Sem Eitt Sinn Blómstraði“ aber wieder zurück in ihre gewohnte Spur und kehren hier auch noch stärker zu ihren Wurzeln zurück als bislang. Das siebenminütige Donnerwetter zählt sicherlich zu den brutalsten Stücken der Platte. Auffällig ist hier die englischsprachige Passage auf dem sonst ausschließlich auf Isländisch gesungenen Album.

Bevor wir zum Titelstück „Algleymi“ kommen, wird uns mit „Alsæla“ ein weiterer Höhepunkt des Albums beschert. Wobei „Höhepunkt“ in Anbetracht der Fülle an guten Songs eigentlich eine schwierige Aussage ist. Dennoch überzeugt dieser Sechsminüter abermals durch konsequenten, auf den Punkt gebrachten Black Metal. Titelsong „Algleymi“ rundet das Album final ab und ist insgesamt einer der abwechslungsreichsten Tracks der Scheibe.

 

Trackliste:

1. Orgia
2. Með Svipur á Lofti
3. Ísland, Steingelda Krummaskuð
4. Hælið
5. Og Er Haustið Líður Undir Lok
6. Allt Sem Eit Sinn Blómstraði
7. Alsæla
8. Algleymi

Bewertung:

10 / 10

Weitere Informationen

  • Band: Misþyrming
  • Album Titel: Algleymi
  • Erscheinungsdatum: 24.05.2019
  • Fazit: Misþyrming haben sich weiterentwickelt und ihre äußerst vielversprechende Basis weiter ausgebaut. „Algleymi“ ist über die gesamten 45 Minuten kraftvoll, abwechslungsreich und dabei noch melodischer und treffsicherer als sein Vorgänger „Söngvar elds og óreiðu“. Jeder einzelne Song hat seine Daseinsberechtigung, alles wirkt gut konzipiert und ist ebenso stark produziert worden. Somit liefern Misþyrming einen heißen Kandidaten auf das (Black Metal) Album des Jahres.
Gelesen 403 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 26 Juni 2019 21:44

Medien