Freitag, 07 Juni 2019 12:31

30.05.-02.06.2019 - Dark Troll Festival 2019 (10. Jubiläum) - Schweinsburg, Bornstedt - Tag 1

geschrieben von Crimson & Haimaxia
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Dark Troll Festival 2019 Dark Troll Festival 2019

Anno 2019 darf das schönste Festival der Welt sein 10-jähriges Jubiläum feiern – zweifelsohne ist das Dark Troll Festival eine der Pflichtveranstaltungen auf unserem Kalender und Grund genug erneut den langen Weg in den Südharz zu wagen und die Schweinsburg Bornstedt zu stürmen. Ausverkauft war das Festivals bereits Monate vorher, nicht zuletzt aufgrund des abermals fantastischen Line-Ups und der treuen Dauergäste auf diesem Festival.

Durch die verschärften Auflagen, unter anderem wegen der wenig entspannten Parksituation im letzten Jahr, hatte sich im Gegensatz zur 2018er Ausgabe einiges geändert: Da beispielsweise die Anreise am Donnerstag auf dem beliebten Platz A oben auf dem Sportplatz nur noch bis 12 Uhr möglich war, reisten viele schon mittwochs an, was die Einfahrt ins Dorf, vor allem am Feiertag und Festivalbeginn, sehr entschlackte. Auf dem extra für das Dark Troll angelegten Parkplatz gestaltete sich die Anreise angenehmer, zudem gab es ja bereits seit den letztmaligen Ausgaben mit zwei weiteren Campinggründen im Ort am Fuße der Burg weitere Zeltmöglichkeiten und sogar einen Shuttleservice für die Fußmüden. [Im Ernst: Die offensichtlich vor einigen Jahrhunderten angelegte Treppe rauf zur Burg konnte Schnappatmung verursachen.]

Gegen 14 Uhr brachen wir auf zur ersten Band des Festivals. Barbarossa Pipes & Drums lösten dieses Jahr die altbekannten Opener Waldträne ab. Mit einer ganzen Horde an Dudelsackspielern durfte das aus dem nicht weit entfernten Sangerhausen stammende Ensemble, welches sich mit ihren vielen Mitgliedern dicht an dicht auf der nicht allzu riesigen Burgbühne aneinanderreihte, des Dezennium eröffnen. In komplettem Aufgebot bringt es die 2013 gegründete Band auf stolze 30 Mitglieder!

Danach präsentierten sich in hartem, stilistischem Cut Ad Cinerem als erste Metal-Band des Dark Troll Festivals 2019. Die Dresdner Black/Doom Metal-Truppe wurde von uns bereits ausführlich in unserer Kategorie Unter dem Radar besprochen, wodurch entsprechende Erwartungen an den Auftritt erfüllt werden wollten. Musik, die mit solcher Leidenschaft und Erfahrung geschmiedet wird, mag nicht für jeden direkt zugänglich sein. Live ist die Kombo an diesem Tag jedoch eine Bastion des Black Metal, die mit brachialen Vocals von Hejkal und den wirklich immer wieder beeindrucken Drums von Val zu begeistern weiß. “Shadows of Doubt” sowie “Pulse of an End” sind wirklich eindrucksvoll, doch zugegebenermaßen für die frühe Stunde noch etwas schwer zu verdauen.

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Auch die im Anschluss auftretenden Griechen von Lucifer’s Child lieferten ein echtes Brett ab. Die bei Agonia Records (u.a. Demonical, Forgotten Tomb, Varathron) unter Vertrag stehenden Herrschaften präsentierten ihr 2018 erschienenes “The Order” und begeisterten mit ihrer okkulten Show, welche jedoch mit Sicherheit nach Sonnenuntergang noch eindrucksvoller gewesen wäre.

Zwischendurch wurde es Zeit, das kulinarische Angebot der Burg zu erkunden. Leider fehlte der im Vorfeld angekündigte Kitchen Riot-Wagen, wodurch das Angebot -vor allem für diejenigen, die dem Fleisch entsagt haben- eher begrenzt war. Der Knobibrotstand hat sich jedoch einen fest einkalkulierten Besuch bei nahezu jedem Festivalbesucher erarbeitet. Wahlweise gab es natürlich auch eine echte Thüringer Roster, damit man gestärkt für die australischen Piraten war, die als nächstes folgten. Schon vor zwei Jahren enterten die damals noch weniger bekannten Seeräuber von Lagerstein bereits einmal die Burg und beschenkten die feiernde Crew mit allerhand Alkoholika. So etwas bleibt natürlich im Gedächtnis und so ist es wenig verwunderlich, dass die Burg zum Auftritt der aus Brisbane stammenden Combo randvoll war. Kaum war der erste Ton erklungen, verwandelte sich der Platz vor der Bühne in ein wildes Getümmel und die Stimmung konnte nicht besser sein. Mit Songs wie “Raise Your Steins”  oder “Drink the Rum”, zu dem auch ein klassischer „Shoey“ der Gitarristen gehörte, fiel es den Australiern spielend leicht die Meute bei Laune zu halten. Stellen Bands wie Alestorm heutzutage das lustige, angeschwipste Engelchen, das sein Tanzbein auf der einen Schulter schwingt, so behaupten böse Zungen, dass Lagerstein den besoffenen Teufel auf der anderen mimen, der einem unvermittelt ins Zelt reihert.

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Sear Bliss dürfte wohl eine der am meisten unterschätzten Bands sein, die unserem Team je untergekommen ist. Über sechsundzwanzig Jahre Bandgeschichte, acht Alben und immer noch ist diese wirklich herausragende Black Metal Band aus Ungarn weitestgehend unbekannt. Herausstechendes Merkmal dieser Band ist live vor allem Zoltán an der Posaune, die man so nicht bei einer Band erwartet. Posaune? Richtig gehört - ihr 2018 erschienenes, aktuelles Album “Letters from the Edge” sei wärmstens empfohlen, auch wenn der Einsatz dieses ungewöhnlichen Instruments zunächst schräg klingen mag. Live konnten Sear Bliss definitiv überzeugen.

Sun of the Sleepless gehören zu den Bands, deren Live-Auftritte immer ein Highlight darstellen. Das nach langen Jahren in tiefen Kohleflözen versackte Projekt von Markus Stock (u.a. Empyrium, Ewigheim, The Vision Bleak) wurde pünktlich zur 2017er Ausgabe des Prophecy Fests exhumiert und schlug mit dem ersten Full-Length-Album “To The Elements” ein wie eine Bombe. Nach einem kleinen Intro mit wirklich genialer Lichtshow und ebenso atmosphärischem Nebelspiel begann “Motions”, der sofort auch Headbanger weit über den direkten Burgplatz hinaus begeisterte. Die Setlist wurde aber auch mit frühen Klassikern der ersten EPs Ende der 90er und Anfang der 2000er wie “Thou Whose Face Hath Felt The Winter’s Wind” gewürzt und passte perfekt zur langsam sinkenden Sonne, welche die Bühne in einen dämmernden Schein hüllte.

Bands wie Odroerir und Finsterforst, welche man mit Fug und Recht Dauergäste auf dem DT und als “Sureshots” in Sachen Publikumsmagneten bezeichnen kann, lieferten ebenfalls starke Shows. Nach dem eher mit einem Augenzwinkern veröffentlichten “#YØLØ” von 2016 hatten die Freiburger ein wenig für schräge Vibes gesorgt und ihre Fanschaft ziemlich gespalten - in diejenigen mit Humor und diejenigen, denen das Ganze zu schräg war. Mit ihrem neuen Album “Zerfall” schlagen die Schwarzwälder aber wieder ernstere und anspruchsvollere Töne mit ihrem epischen Song-Molochen an.

Die Ukrainer 1914 schlossen mit ihrer Show den ersten Festivaltag ab. Welche Stimmung die Gruppe aus Lviv mit ihrem kompromisslosen Black Metal-Sturm hervorruft und welche Themen sie anschlagen, sollte bereits mit dem Bandnamen klar sein: Die Mitglieder, welche ihre Pseudonyme an deutsche Namen und ihre Ränge angelehnt haben (Frontmann Dmytro Kumar beispielsweise nennt sich “2.Division, Infanterie-Regiment Nr.147, Oberleutnant – Dietmar Kumar”), treten dabei mitunter auch in alten Uniformen auf, ließen ihren Auftritt mit zeitgenössischer Marschmusik beginnen (für die Eingeweihten: “It’s a Long Way to Tipperary”) und stellten ihre schwermütigen, brutalen Songs vor. 2018 erschien ihr zweites Album “The Blind Leading The Blind” und Stücke wie “C’est mon dernier pigeon” oder “Hundred Days Offensive” hinterlassen mit Textzeilen wie “Gassed last night, and gassed the night before” einen Kloß im Hals zurück. Ungeschminkte Darstellung der Horrorjahre des ersten Weltkriegs waren vorprogrammiert - aber wer Gute-Nacht-Geschichten-Musik hören wollte, der hat sich im Camp lieber in voller Lautstärke Heavysaurus gegönnt.

Der Bericht von Tag 2 findet ihr hier.

Photos by Huldu Art/Sebastian Rump

Weitere Informationen

  • Band(s): Barbarossa Pipes & Drums, Ad Cinerem, Lucifer's Child, Lagerstein, Sear Bliss, Odroerir, Sun of the Sleepless, Finsterforst, 1914
  • Wann: 30.05.2019
  • Wo: Burg Bornstedt
Gelesen 810 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 13 Juni 2019 18:24