Dienstag, 14 Mai 2019 22:11

Schattenvald - ... und ewig dauert der Berg

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Wer ein Auge auf Black Metal mit Sagen und Mythen geworfen hat, dürfte in den letzten Jahren kaum an Schattenvald vorbeigekommen sein. Der jüngstes Release „… und ewig dauert der Berg“, welcher zudem das erste Release des Labels Schattenpfade ist, entführt abermals in die fränkischen Erzählungen auf eine Art, wie nur Schattenvald sie bisher meistern konnten. Wir haben uns mit Freude dem neusten Werk des Duo’s aus Oberfranken gewidmet.

Schon ganze fünf Alben, etliche Demos und kleinere Releases und dennoch gibt es Herzklopfen, wenn man den neuesten Output mit seinem abermals perfekt gelungen Artwork in den Händen hält- Schattenvald wissen nach wie vor zu überzeugen, bevor die Vinyl überhaupt aufliegt. Angespielt wird die Seite A mit dem Titeltrack, der ganze fünfzehn Minuten in Anspruch nimmt. Ohne Intro stürzt der Song direkt in die fränkische Sagenwelt mit Blastbeats und einer perfekten stimmlichen Untermalung.  Dezent hinter die Instrumente gepackt fügen sich die Vocals, mitsamt stimmigen Riffs und perfekt passenden elektronischen Einspielern, so gut wie noch nie auf einem Schattenvald Release, ins Gesamtkonstrukt. Roh und weit entfernt von „überproduziert“ aber dennoch mit einem Auge auf einen zur Thematik passenden sauberen Mix. Mal träumerisch mit akustischen Gitarren, mal wieder harsch und teils melodisch – dieser Song bietet alles was man an Schattenvald lieben kann und sollte. Kurze Momente erinnern an Dornenreich mit einem Hauch Andras, schnell überraschen die Franken dann wieder mit ihrem ganz eigenen Charakter in den Lyrics sowie in der gesamten Umsetzung. Jeder erzählerische Höhepunkt wird perfekt inszeniert und selten fiel es so leicht, in eine Geschichte einzutauchen. Aus dieser muss man auch nicht wieder heraus, da direkt im Anschluss bei „Der Unhold schmaust ganz ungestört“ in ungewohnt ruhiger Manier, aber umso  atmosphärischer, ein kleiner Akustikhappen wartet.

Seite B präsentiert dafür Ideen aus den früheren Bandtagen, die nun ihren Weg in ein Werk gefunden haben. Deutlich roher und unfertig hallend, was wohl auch der Aufnahme über einen 4-Spur-Rekorder geschuldet ist, hat diese Seite einen ganz eigenen Charme. Songs wie „1837“ oder „Die drei Brüder vom Rudolphstein“ sind nicht weniger melodisch und beinhalten ebenso Synthesizer Elemente, jedoch rückt der keifende Gesang mehr in den Vordergrund und die raue Komposition erinnert an die Anfangswerke der Band. Schema F ist jedoch keineswegs auffindbar – jeder Song ist durchdacht und abwechslungsreich. Man fühlt sich musikalisch in die 80er Jahre versetzt, textlich in einen dunklen Wald in Oberfranken, beides wird durch diese Stücke perfekt verbunden. Nachdem die Sage der „Räubersleut' von Laubersreuth“ sein Ende gefunden hat, gibt der kleine „Ausklang“ ein gutes Outro für eine Platte, wie man sie nur selten heutzutage noch findet.

Schattenvald vereinen die fränkische Sagenwelt mit perfekt ausgereiften, rohen Black Metal und entführen damit immer wieder Zuhörer in ihre ländliche Welt. Instrumental gibt es, auch nach vielen Hörgängen immer wieder Neues zu entdecken. Wer also kurz aus der modernen Welt entfliehen und sich in eine Welt voller dunkler Sagen begeben möchte, ist bei Schattenvald gut aufgehoben.

Tracklist:

  1. Und ewig dauert der Berg
  2. Der Unhold schmaust ganz ungestört
  3. 1837
  4. Die drei Brüder vom Rudolphstein
  5. Die Räubersleut' von Laubersreuth
  6. Ausklang

Bewertung: 9/10

Weitere Informationen

  • Band: Schattenvald
  • Album Titel: ... und ewig dauert der Berg
  • Erscheinungsdatum: 20.03.2019
  • Fazit: Beide Seiten, der nur auf Vinyl erhältlichen Compilation, haben  nicht nur durch ihre unterschiedliche Produktions-Styles etwas zu bieten. Schattenvald sind über die Jahre über einen Geheimtipp hinausgewachsen und liefern durchweg anspruchsvollen Black Metal. Das lyrische Konzept passt sich zwanglos ins Gesamtkonstrukt und verleiht der Band ein rar gewordenes Alleinstellungsmerkmal.
Gelesen 194 mal Letzte Änderung am Dienstag, 14 Mai 2019 22:18

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