Samstag, 20 April 2019 20:00

UNTER DEM RADAR - FRIISK (ATMOSPHERIC BLACK METAL)

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Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Bands in der Wahl ihrer Texte an den lokalen Gegebenheiten orientieren.  So verwundert es auch nicht, dass dabei teilweise auf Dialekte zurückgegriffen wird, die vielen mitunter unbekannt erscheinen. Friisk aus dem schönen Ostfriesland fallen in diese Kategorie - und sind aus ihrem Umkreis vermutlich die ersten damit...

Während bekanntere Vertreter wie Heimdalls Wacht verhältnismäßig viele ihrer Texte im lokalen (hier westfälischen) Idiom halten, findet man den friesischen Dialekt bei Friisk dann aber doch nur sehr vereinzelt. Dennoch debütierten die fünf Mitglieder im November 2018 mit ihrer EP "De Doden van't Waterkant" und offenbaren zumindest Plattschnackern, dass es sich dabei um eine atmosphärisch düstere Black Metal-Scheibe handeln könnte. Soweit richtig, aber schauen wir erst einmal zurück: Denn bevor Friisk unter diesem Namen aktiv waren, gab es schon ein Projekt mit einer sehr norddeutschen Prägung und dem Namen Friesenblut. Allerdings verriet man uns, dass die musikalische Ausrichtung von Friisk  eine ganz andere sei und in diesem Fall nicht nur eine Namensänderung vorliegt.

Fakt ist, dass man sich einer atmosphärischen Form des Schwarzmetalls verschrieben hat, die trotz der jungen Bandgeschichte in die Fußstapfen größerer Bands treten kann. Das gesamte Gitarrenspiel ist hervorragend und ohrwurmträchtig, von Langeweile ist keine Spur. Wenn sich dieses Konzept nach der EP vielleicht auf einem baldigen Langspieler fortsetzt, haben wir einen neuen Höhepunkt in der deutschen Szene.

Aktuelle Besetzung

HK - Bass

JL - Drums

TS - Gitarre

J - Gitarre

T. - Vocals

Diskographie

 2018 De Doden Van't Waterkant (EP)

Review zu "De Doden Van't Waterkant"

Aber welche Grundlage bietet eigentlich der Nordwesten der Republik für eine Behandlung im Black Metal? Nun, das raue Wetter und die stürmische See sind in der Spielart des Black Metal ein willkommenes Motiv. Und wenn man dazu noch eine spannende Geschichte aus der Heimat erzählen kann,  steht das Gerüst und kann munter mit Klängen gefüllt werden. Und das machen die Friesen von Beginn an sehr manierlich. Mit einem kurzen Intro wird man als Hörer in seichte Gewässer gelassen, bevor die "Flut" einen dann mitreißt und auf das offene Meer hinaus spült. Das Meer wird bei Friisk durch "Ægir" symbolisiert und weist auf einen Bezug zur nordischen Mythologie hin. Musikalisch bewegen wir uns irgendwo zwischen dem Fahrwasser von Eïs' "Galeere" und Nagelfars  "Meuterei". Aber dieser Vergleich trifft nicht nur hinsichtlich der Atmosphäre zu, Friisk liefern auch eine ähnliche Qualität. Die Riffs sitzen und die Rhythmen wechseln sich sehr passend ab, sodass sich die raue See als wahres Abenteuer erweist.

Dass die Growls hier und da durch cleane Schreie unterbrochen werden, verstärkt den Eindruck noch, dass sich Band und Hörer bald in Seenot befinden könnten. Passend, dass im namensgebenden "De Doden van't Waterkant" auch das Wort „Tod“ steckt.  Mit dem Titeltrack entert aber zugleich der erste Höhepunkt das Deck. Die vermittelte Atmosphäre ist mindestens genauso dicht wie die Gitarrenwände, die mit dem flotten Takt einhergehen. Gegen Ende des Songs wird es etwas langsamer und wir sind abermals von einzelnen Schreien umgeben. Starkes Stück, sozusagen. Mit "Dämmerung" folgt dann der längste Titel der EP. Die guten acht Minuten werden zielsicher genutzt und bauen ein wuchtiges Stück auf, das sich nahtlos in die bisherige Struktur einfügt. Friisk fahren hier wirklich alle musikalischen Geschütze auf. "Kein Heiland" liefert dann einen ebenfalls gelungenen Abschluss des Debüts und gibt sich kraftvoll und geradlinig. Die gesamte Konstellation der Songs hätte kaum besser sein können. Man wird langsam in die Wellen getragen, bevor die stürmische See sich vor einem auftut und für ordentlichen Seegang sorgt.

Friisk treffen mit ihrer ersten EP den Nagel auf den Kopf und damit auch den Nerv der geneigten Hörer. Die anfänglichen Vergleiche zu Eïs und Nagelfar erwiesen sich als goldrichtig, auch in der musikalischen Qualität. Wer auf stimmungsvollen, maritimen Black Metal steht, sollte die Friesen dringend im Auge behalten.

Tracklist: 

1. Flut

2. Ægir

3. De Doden Van't Waterkant

4. Dämmerung

5. Kein Heiland

Weitere Informationen

Gelesen 1327 mal Letzte Änderung am Sonntag, 09 Juni 2019 12:52
torn

Kommt Zeit, kommt Unrat.

Medien

Dämmerung Friisk / De Doden Van't Waterkant EP / Independent