Samstag, 26 Januar 2019 18:30

UNTER DEM RADAR - CORPORATE PAIN (DEATH/THRASH METAL)

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Wenn sich Bands auflösen, hat dies oft ganz profane Gründe: Der Sänger schläft mit der Freundin vom Drummer, den Bassisten trifft der Blitz beim Onanieren im Stadtpark oder der Gitarrist hört nach einem Schlaganfall plötzlich nur noch Hip-Hop. Wenn die Band berühmt war, gibt es nach der Auflösung noch ein paar Monate Paparazzi-Bilder und danach im 5-Jahres-Turnus Berichte mit „Schockbeichten“ oder „Was ist eigentlich aus XY“ geworden in der Metal-Bild. Ist die Band unbekannt, bleiben ein paar Alben in staubigen Schränken liegen, die nur noch selten mal auf dem Plattenteller von engen Freunden oder Fans rotieren und die ansonsten dem allgemeinen Vergessen anheim fallen. Ganz anders ist es der Death/Thrash Metal-Band Corporate Pain ergangen.

Hier gab es keine Skandale, wenig Intrigen, und sogar der Bassist konnte tatsächlich etwas. 2005, nach der Gründung und nach dem Release des Demo-Debüts „Death in Mind“, wurden eine Menge Gigs gespielt und des Öfteren die schwäbische, fränkische und badische Pampa unsicher gemacht. 5 Jahre später, etwa zwischen 2012 und 2015 (genauere Zahlen haben wir nicht), wurde dann der Nachfolger „Fields of Death“ aufgenommen, gepresst und dann...

Dann geschah wohl das, was man Leben nennt. Neue Jobs, Lebenskrise, Trennungen, allgemeine Unlust und ein anderer Musikgeschmack und fertig war der Split-Up. Für jemanden, der mit Corporate Pain gefeiert, randaliert und gekotzt hatte, definitiv ein trauriger Umstand, der die Frage nach dem „Was hätte sein können“ wie eine schlecht heilende Wunde offen ließ. Auch auf viele Nachfragen wollte mir keiner der Jungs eine der eingelagerten CDs zukommen lassen und so geriet Corporate Pain auch bei mir langsam in Vergessenheit. Nun, zumindest bis zum 19.01.2019, als nach sieben geschlagenen Jahren wieder ein Post auf der verwaisten FB-Seite erschien:

Man hat sich nun wohl doch (richtig) entschieden, das fertige Album aus der Versenkung zu heben und ich habe mich direkt dran gemacht, das lange verschollene und nie zu hören gewähnte Werk zu reviewen. Was nun mit Corporate Pain passiert kann keiner sagen. Eine Reunion? Neue Gigs und Parties? Man mag spekulieren!

 

 Letzte Besetzung

Danny Auer - Vocals, Gitarre

Axel Kamrad - Gitarre

Moritz Patzelt - Bass

Marco Koch - Schlagzeug

Diskographie

2007 Death in Mind (Demo)

2019 Fields of Death (Album)

Review zu "Fields of Death" 

Indeed - Corporate Pains "Fields of Death" hat seine großen, aber auch seine müden Momente und man mag hier in Retrospektive vielleicht auch das Omen der Auflösung heraushören. Das lange "verschollene" Album der Schorndorfer Band wirkt auf jeden Fall nicht wie komplett aus der Zeit gefallen und fügt sich gut in die Death/Thrash-Releases der Untergrund-Konkurrenz der letzten Jahre ein.

Nach kurzem Re-hören der Erstlings-Demo "Death in Mind" wirkt "Fields of Death" einerseits reifer, viel ausgefeilter, aber damit einhergehend auch irgendwie weniger "wütend" und weniger roh bzw. weniger kantig. Auch nach dem vierten oder fünften Hören will mir keine echte Hymne wie z.B. "Revenge" oder das grandiose "Failed" vom 2007er Scheibchen mehr auffallen und irgendwie wirken auch einige Passagen recycelt. Gefühlt sind alle Lieder der Platte, die der/den Gitarre/n mehr Raum lassen, grundsätzlich peppiger und man hätte gut daran getan noch mehr aussagekräftige Soli zuzulassen oder auch Sänger Danny etwas mehr Raum zu geben. Man mag mir auch mein Alter verzeihen, wenn ich dem Album an der Stelle Unrecht tue, aber irgendwie fehlt mir der Akzent des Basses völlig bzw. er geht so im Hintergrund unter, dass man ihn nicht konkret ausmachen kann.

"Scorched Earth" beginnt zum Beispiel etwas uninspiriert, langsam und fast lustlos und will nicht so recht aus seinem Trott heraus, die Drums klingen sehr blechern, wenig kraftvoll und das Riffing eintönig, während ein Break ungenutzt verpufft, ohne dass sich der Song wandelt. Glücklicherweise ist der Track eine Ausnahme und "Fields of Death" wartet mit einigen grandiosen Songs auf. Hierzu zählt z.B. "Last Command", welches durch das Wechseln von Midtempo auf Überlicht und retour, Double Bass-Einsatz, fette Growls und "On Point"-Riffing mit einem starken Gitarrensolo zum Ende des Tracks gefällt. Besonders hervorzuheben wäre dann, dass CP es wieder geschafft haben, ruhige und sehr melodische Passagen einzubauen, die dem Hörer nach dichten Fressbrettern Zeit zum Atmen lassen.

Intro und Outro geben sich hier auch direkt die Klinke in die Hand und Rahmen das gesamte Album mit einer melancholisch-düsteren Klammer ein, welche durch den Einsatz von Samples und Piano-Spiel gestaltet wird. "Washed Away" ist als kürzestes Stück und zudem reines Gitarren-Instrumental wunderschön anzuhören und steht wie eine Drohgebärde vor „Haemorrhage“, das so dermaßen vertraut beginnt, dass ich mich frage, wo zum Teufel ich das schon mal gehört habe. Ohne den Daumen drauf legen zu können vergeht dieser Eindruck und zurück bleibt reine Melancholie.

Tracklist:

1. Dawn of War

2. Last Command

3. Sanity

4. Scorched Earth

5. Rising Sun

6. Mortal Pleasure

7. Fields of Death

8. Damned to Bleed

9. Washed Away

10. Brainless Force

11. Haemorrhage

12. Crawler

13. The Citadel

14. Mourn of Loss

Schlussendlich wäre es interessant gewesen das Album zumindest auch mal live zu sehen, lebten Corporate Pain doch auch von kraftvollen und spielfreudigen Auftritten. So werden die Gigs in der Rockfabrik und auf den kleinen Festivals von Robby Beyer unvergessen bleiben, die nicht zuletzt auch mit der Gründung von UG einhergegangen sind. Hiermit möchte ich diesen Nachruf schließen und spiele ein letztes Mal „Washed Away“ – macht's gut, Jungs, und danke für die Songs! 

Weitere Informationen

Gelesen 1086 mal Letzte Änderung am Dienstag, 12 März 2019 14:21
Grave

Stolz kann sich nur erlauben wer bereit ist alles zu verlieren.

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Medien

Brainless Force Corporate Pain - Fields of Death / Independent