Montag, 03 Dezember 2018 13:15

09.-10.11.2018 - STEELCHAOS FESTIVAL, HELSINKI NOSTURI (Finnland) +++ IMPALED NAZARENE + ROOT + BÖLZER + PRIMORDIAL + MARDUK +++

geschrieben von Nina Ratavaara
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Steelchaos Festival Steelchaos Festival

Dieser November war selbst für finnische Verhältnisse grau und trostlos. Aber während dem Wochenende vom 9.-10. November wurde die Atmosphäre noch dunkler, ja sogar schwarz. Dennoch sollte das nicht heißen, dass es trist war. Im Gegenteil, das Steelchaos Festival brachte für zwei Tage die strahlende Düsternis, die nur Extreme Metal zu erwecken vermag, in ein ausverkauftes Nosturi in Helsinki.

FREITAG

Die Ehre, das Festival zu eröffnen fiel dieses Jahr den finnischen Black Metallern von Cavus zu. Das Publikum begab sich noch etwas zögerlich und in geringer Zahl in das Festival-Wochenende. Die Band ließ sich die Laune dadurch aber nicht verderben und legte ordentlich los, so dass die Stimmung wenigstens auf der Bühne blended war. Ein guter, wenn auch zurückhaltender Start ins Steelchaos-Wochenende. Als nächstes legten Galvanizer los, und deren aggressiver Sound traf einen mit voller Wucht, sowohl während der langsamen als auch schnellen Parts. Das Nosturi wurde nur langsam voller und die scheinbar endlose Energie der Band zog die Festivalbesucher immer mehr in ihren Bann, so dass auch im Publikum vermehrt headbangende Köpfe zu sehen waren.

Für Evil Angel erschien das Publikum zum ersten Mal in angemessener Stärke und die Band spielte ein energiegeladenes sowie unterhaltsames Set. Das Outfit von Sänger Orgasmatron – ein selbstgebastelter String aus Nietengurten, der ab und an einen Blick auf das männliche Gegenstück zum sogenannten Sideboob, den „Sideball“ freigab – tat sein Übriges für das Gesamterscheinungsbild und sorgte für lachende Gesichter. Es war fast unmöglich, sich von der enthusiastischen Stimmung nicht anstecken zu lassen. 

Das Konzert von True Black Dawn war mit viel Spannung erwartet worden denn es sollte eine spezielle Show abgeliefert werden. Wie es so kommen muss, war dies das einzige Konzert, für welches ich knapp zu spät dran war, da ich bei kühlen Getränken und Reden mit Freunden an der Elmu-Bar im Untergeschoss hängengeblieben war. Als ich in der Konzerthalle im Obergeschoss ankam, hatten True Black Dawn bereits das volle Nosturi verzaubert. Eine Figur mit bedecktem Kopf und Lendenschurz hing an „Fleischerhacken“ mittig auf der Bühne, noch mit den Füssen knapp am Boden. Frontmann und Zeremonienmeister Wrath bemalte den Hängenden mit Blut, während die Band um das Duo herum einen wahren Sturm zusammenspielte. Der Hängende wurde daraufhin in die Luft gezogen, wo er für das allzu kurze Set verweilte. Dies war das zweite Mal, dass ich True Black Dawn live sah und es war wahrlich eines der Highlights des Festivals – guter, knackiger Sound, atemberaubende Visuals, und eine Stimmung, die mich mit purer Bewunderung für diese Szene erfüllte. Alles kam zusammen – Musik, Ästhetik, Atmosphäre, Intensität, Dunkelheit, Magie.

Es ging sogleich mit einem weiteren Höhepunkt weiter: Bölzer spielten, nach zwei Absagen in den Vorjahren, endlich auf dem Steelchaos. Bölzer sind eine dieser Bands, von der Mann/Frau nie genug kriegen kann, selbst wenn man sie oft live gesehen hat und man sich die Musik dauernd anhört. Es war also nicht überraschend, dass es vor der Bühne für dieses Konzert noch voller wurde. Ich bin immer wieder erstaunt, wie es zwei Leute schaffen eine solch fesselnde, allumfassende Intensität zu erzeugen. Die eindringliche Musik warf sich hin und her wie ein wildes Biest, entfesselt, losgelöst aber dennoch anmutig und von erstaunlicher Schönheit. Die Melodien glänzten auf diesem wogenden, schwitzenden Körper während sich KzR’s Stimme einen Weg durch die Dimensionen bahnte. KzR – eine einzelne Silhouette mit wildem Haar, umgeben von einer blauen Aura des Lichtes, im Auge des Sturmes.

Nach dieser Vorlage war es für Marduk nicht einfach das Publikum und mich zu gewinnen (da Marduk wohl die Band ist, die ich in meinem Leben am häufigsten gesehen habe). Dennoch war es eine ihrer guten Shows und es war toll, sie nach einer Weile wieder zu sehen, diesmal mit dem neuen Album „Viktoria“ im Gepäck. Das Publikum ließ sich nicht zweimal bitten und der Blick vom Balkon herunter zeigte ein Meer aus verzückten Gesichtern und fliegendem Haupthaar vor der Bühne. Genau so soll es sein.

Der erste Festivalabend endete mit der mit Spannung erwarteten Old-School Show von Arcturus. Die Band wurde mit lautem Applaus begrüßt und eine geballte Ladung symphonischen Black Metals entlud sich mit Gewalt in das Nosturi. Die Band war voll mit dabei und wirbelte um einen, unter einer großen Kapuze verborgenen, ICS Vortex herum. Dieser führte das verzauberte Publikum auf eine Reise durch sternenbedeckte Himmel, über verborgene Pfade in seinen ganz eigenen Kosmos. Eine Performance, die bestimmt über lange Zeit noch in den Träumen der Festivalbesucher wiederhallen wird.

SAMSTAG

Nach einem langsamen Start in den Tag schafften wir es endlich zu Azaghal ins Nosturi. Vor der Bühne hatte sich schon ordentlich Publikum eingefunden, und der dreckige Black Metal, der dargeboten wurde, mundete offensichtlich. Die Leute waren endlich in Festivalstimmung.

Die nächste Band war Thy Darkened Shade, welche nach der Absage von Blaze of Perdition eingesprungen waren. Die Band klang ordentlich und entwickelte einen guten Groove mit den abwechselnd schnelleren und langsameren Parts und die Festivalbesucher ließen sich willig darauf ein. Einige Leute warteten gefühlt aber bestimmt auch auf die nächste Band, welche die mächtigen Root waren, so dass sich nicht jeder voll auf die Band auf der Bühne konzentrierte und in Gespräche oder das Barangebot vertieft schien.

Root wurden dann auch von einem riesigen Applaus begrüßte, der noch mehr aufbrandete, als Sänger Big Boss auf die Bühne trat. Die ganze Band schien ausgezeichnete Laune zu haben, die alle Gäste einfach mitriss. Der Sound, der Rhythmus, die Musik verlangten nach wütend nach Aufmerksamkeit und man konnte sich dem nicht entziehen. Big Boss scherzte mit dem Publikum, gab Gesangsunterricht und sah aus, als ob er jede Sekunde genießen würde. Für den Mittelteil des Sets nahm er auf einem Stuhl hinter dem Notenständer Platz, was der Stimmung und seiner Bühnenpräsenz jedoch keinen Abbruch tat –und mit einem Alter von 66 sicherlich erlaubt ist. Der Rest der Band wirbelte dafür umso energischer über die Bühne. Es war einfach großartig, Root wieder zu sehen und damit eines der viel zu raren Konzerte, welches einen von Anfang bis Ende fesseln.

Mit der nächsten Band, einem weiteren persönlichen Favoriten, änderte sich die Stimmung. The Ruins of Beverast waren nur als schwarze Silhouetten in einem blauen und roten Nebel erkennbar. Der hypnotische, fesselnde Sound fand seinen Weg aus dieser Wolke heraus, zeitweise emotionsgelader Gesang, dann wieder verzaubernder Singsang. Die Musik nahm das Publikum gefangen, erweckte den Wunsch vollständig in diesen Nebel einzutauchen und in das auf der Bühne erschaffene Universum zu verschwinden. Der doomige Rhythmus pulsierte von der Bühne herunter, sickerte aus den Schwaden heraus während die Band sich in eine Trance spielte, die auf das Publikum überging, welches sich willig hinforttragen ließ.

Mit Impaled Nazarene schlug der Abend noch einmal eine ganz andere Richtung ein. Die begeisterte Menge vor der Bühne schrie glücklich mit Frontmann Slutti666s Gesang mit, und das Schlagzeug konnte man nicht nur hören, sondern auch fühlen. Wenig überraschend räumten Impaled Nazarene ordentlich ab.

Als letzte Band des Festivals traten dieses Jahr Primordial auf die Bühne und wurden bereits vor dem ersten Song mit frenetischem Applaus gefeiert. Primordial waren dann auch die perfekte Wahl, das Festival zu beenden, da man die Band wahrlich als Performer bezeichnen kann. Die ganze Band lieferte eine 1A Show ab. Alan bespielte die ganze Bühne und schien darüber hinaus zu wachsen. Er ließ sich nicht lumpen und kletterte zum Publikum herunter, gab sich den ersten Reihen hin. Die Musik lieferte volles Brett Power und Energie, erschuf aber auch atmosphärische Momente und entließ die Festivalbesucher somit freudestrahlend, beschwingt und glücklich in die Nacht –genau wie ein Festival enden sollte.


Text: Nina Ratavaara

Fotos: Marco Manzi


Weitere Informationen

  • Band(s): Primordial + Arcturus + Marduk + Bölzer + Impaled Nazarene + Root + The Ruins of Beverast + Thy Darkened Shade + Armour + Azaghal + True Black Dawn + Morgal + Galvanizer + Evil Angel + Cavus + Devouring Star
  • Wann: 09.11.2018-10.11.2018
  • Wo: Helsinki Nosturi Club, Finnland
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