Freitag, 23 November 2018 04:00

07.11.2018 - Helvete Metal Club Oberhausen + Horna + Blaze Of Perdition + Iskald + Altarage

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An einem Mittwochabend geschätzte 150 Gäste zu einem Konzertbesuch im ohnehin überlaufenen Ruhrgebiet zu motivieren – da muss man schon einiges richtig machen. Die Werbung im Vorfeld muss stimmen, ein breites Netzwerk hilft sicherlich ebenfalls. Vor allem aber muss man ein stimmiges Konzept mitbringen, eine feine Auswahl exzellenter Bands und am besten noch einen guten Ruf. Offenbar sind alle Punkte erfüllt worden, selten war ein Konzert im Oberhausener Helvete zur Wochenmitte derart gut besucht.


So wurde bereits der Eingang dazu genutzt, den Besucher aus dem Alltag heraus zu geleiten, und auf das nun Kommende einzustimmen: Ein sehr stimmig dekorierter Merchandise-Bereich, untermalt mit sphärischen Klängen aus der Konserve empfingen den Besucher, man gab sich reichlich Mühe die Rahmenbedingungen passend zu gestalten. Definitiv ein angenehmer Kontrast zu den sonst lieblos aufgestellten Tapeziertischen der übrigen Allerwelts-Konzerte.Doch so viel Respekt man diesen Bemühungen zollen muss, das Kernelement eines jeden Konzertes bleibt die Musik.

Eröffnet wurde das Konzert von der baskischen Band Altarage. Offenbar auf die komplette Deindividualisierung des Musikers im Kontext seiner Musik ausgelegt, tritt die Band wie mittlerweile ja schon fast als Mode zu bezeichnen, geschlossen in schwarzer Verhüllung auf. Passend schien auf das Publikum für die Band eher geduldeter Beobachter zu sein, standen sie teils minutenlang mit dem Rücken zum Publikum und kochten untereinander ihr eigenes Süppchen. Kann man mögen, muss man aber nicht.


Musikalisch gaben sie groovigen mid- bis uptempo Death Metal alter Schule zum Besten, grundlegend solide, aber auch nichts was man noch nicht gehört hätte. Der Funke mochte jedoch noch nicht so recht überspringen, geschuldet sicherlich auch dem leider sehr undifferenzierten und rumpeligen Sound. Er forderte vom Zuschauer ein nicht unerhebliches Maß an Konzentration, um die Musik wirklich gänzlich Erfassen zu können. Hier wäre klar noch Luft nach oben gewesen. So waren die vierzig Minuten Spielzeit doch sehr angemessen gewählt.

Zeit für die erste Pause des Tages. Diese waren mit 20-25 Minuten zwischen den Bands allgemein recht üppig, zumindest in meinen Augen begrüßenswert. Immer öfter fällt mir auf, dass bei zu hoher Taktung es einfach nicht möglich ist, sich so intensiv auf die folgende Band einzustellen und von der vorherigen Band zu lösen, wie es nötig wäre. Klarer Daumen nach oben dafür.


Gänzlich andere Töne schlugen anschließend die aus dem äußersten Norden Norwegens angereisten Iskald an. Melodisch-verspielter Black Metal, weit weg von klassischen Mustern lies den Besuchern einen eiskalten Wind um die Nase wehen, ganz ihrem Namen treu. Komplexe Songstrukturen, ausgefeilte Riffs und instrumentale Exzellenz in jedem Bereich fordern dem Besucher zwar einiges ab, zeigen aber auch, dass Iskald weit mehr als nur Standard und allemal jede Konzertminute wert sind.

Zeit für den dritten Akt: Blaze of Perdition. Ein atmosphärisch dicht gewebter Black Metal-Teppich breitet sich aus und wickelt die mittlerweile mehr als nur zahlreich erschienenen Besucher ein. Eingängige Riffs begleiten ein mehr als nur komplexes Schlagzeugspiel, umspielt mit charmanten Melodien. Nicht zu verleugnen ist hier die polnische Herkunft, klarer kann man die nationale Spielart des Black Metal nicht präsentieren. Lediglich die Leadgitarre hätte mehr Raum im Sound verdient, um diese wirklich überragende Band optimal in Szene zu setzen.


So progressiv Blaze of Perdition waren, so klassisch gingen es an- und abschließend Horna an. Black Metal der alten Schule, ein perfekter Mix aus Hochgeschwindigkeitsgebolze und melodischen Elementen, mit jeder Menge klassischem Punk Rock- und Thrash Metal-Einschlag, rotzig, frech und direkt. Von Minute eins an zeigen Horna, warum sie nicht erst seit gestern zu den Namen gehören, an denen man nicht vorbeikommt, wenn man sich mit hochqualitativem Black Metal befasst. Nahezu perfekt arrangierte Songs werden mit unglaublicher Leidenschaft und Bühnenpräsenz inszeniert, die einfach jeden Zuschauer in ihren Bann zieht. Definitiv ein Anwärter auf das Konzert des Jahres 2018. Über eine Stunde Spielzeit vergehen wie im Flug, ihre Show hätte gut und gerne die doppelte Länge haben dürfen. Doch leider muss auch ein perfektes Konzert enden.

Die Fotogalerie zur Show findet Ihr hier.

Weitere Informationen

  • Band(s): Horna, Blaze Of Perdition, Iskald, Altarage
  • Wann: 07.11.2018
  • Wo: Helvete Metal Club, Oberhausen
Gelesen 288 mal Letzte Änderung am Freitag, 23 November 2018 08:48