Samstag, 14 Juli 2018 11:10

Unter dem Radar: Vyre (Sci Fi Black Metal)

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Obacht, ihr Fans von Asimov-Lektüre und Anhängerschaft von Stephen Hawking, ob als Laien oder als Damen und Herren vom Fach: Heute sprechen wir über VYRE aus dem Großraum des ostwestfälischen Bielefeld. Die mittlerweile neunköpfige Band rund um Frontmann und kreativen Antreiber KG Cypher ging aus dem frühen Bandgefüge von Eïs, damals noch unter dem Namen Geïst agierend, hervor.

Schon mit ihrem Debüt-Doppelalbum „The Initial Frontier“, welches in den Jahren 2013 und 2014 in zwei Parts erschien, stellte die Combo vor, wohin es mit dem eigenwilligen Sci-Fi-Black Metal-Projekt gehen sollte: Symphonisch und klassisch beeinflusster, dennoch im Gesamtbild futuristischer, dichter Sound, garniert mit Themen aus der Astronomie und dem eigenen Science Fiction-Universum, welches der Sänger kreierte.

Insgesamt neun Musiker in einer Band – das funktioniert hier sehr gut, weil diverse Zahnräder ineinandergreifen: Neben den üblichen Instrumentalämtern sind nämlich noch der unermüdliche Nostarion am Cello (bekannt von u.a. Dystertid und Dämmerfarben) und seit kurzem auch Akku Volta an der Violine in der Band. So schaffen VYRE den Spagat zwischen Folk-beeinflusster Stilistik und einer durch Keyboards und synthetische Elemente (beigesteuert von Faruk) geschaffenen Zukunfts- und Space-Kulisse. Immer wieder werden dabei Themen aus der Physik und der wissenschaftlichen Suche nach außerirdischem Leben eingebracht, Zitate von Albert Einstein oder Carl Sagan eingeflochten oder komplexe naturwissenschaftliche Phänomene im Weltall aufgegriffen. Gekonnt wechselt Frontmann KG Cypher, alias Cypher D. Rex, dabei zwischen Deutsch und Englisch, nicht ohne mitunter schlagkräftige, dann wieder anspruchsvolle, metaphorische Texte zu benutzen.

Mit dem jüngsten Folgewerk „Weltformel“ stellen die seit einiger Zeit stets in Raumfluguniformen im NASA-Stil auftretenden Herren erneut unter Beweis, welch anspruchsvoller, visionärer Sound hier kreiert wird – und als Gegenentwurf zu teils archaischen Black Metal-Sounds, die sich in Mittelalter und heidnischer Religion suhlen, genießt die Band, nebst anderen vom Weltraum und Science Fiction-Literatur inspirierten Bands, schon jetzt einen Geheimtipp-Status.


Aktuelle Besetzung

KG Cypher - Vocals, Lyrics

Hedrykk F. Gausenatt - Guitars

Zyan - Guitars

Priebot - Guitars

R2B2 - Bass

Android - Drums

Faruk - Keyboard, Synthesizer

Nostarion - Cello

Akku Volta - Violin


Diskographie

2013 The Initial Frontier Pt. I (LP)

2014 The Initial Frontier Pt. II (LP)

2018 Weltformel (LP)

Review zu "Weltformel"



Nach dem Album-Doppel ´13/´14 „The Initial Frontier“ war es einige Jahre relativ still um VYRE – vereinzelte Gigs, ein paar News, aber erst 2018 gab es wirkliche Neuigkeiten zu vernehmen und zwar in Form des dritten Albums „Weltformel“. Es wird beim Hören dann auch schnell deutlich, warum sich die Band damit so viel Zeit gelassen hat, denn das Album ist wahnsinnig detailreich und vielschichtig geworden. Dabei sind VYRE trotzdem ihrem einzigartigen Stil grundsätzlich treu geblieben, der bereits mit den Debüt-Alben gefunden wurde.

Ein paar Unterschiede zwischen „Weltformel“ und den ersten beiden Alben gibt es aber schon: Während beim Doppel-Debüt-Album gleich zu Anfang Albert Einstein seine berühmte Massen-Energie-Äquivalenz-Formel „E = mc²“ zum atmosphärischen Intro rezitierte, stimmt der Opener „Alles auf Ende“ des neuen Albums rein instrumental auf die Platte ein. Danach geht es dann bei „Shadow Biosphere“ mit bekannten, aber auch unbekannten Klängen los.

Insgesamt scheint es auf „Weltformel“ ruhiger und experimenteller von statten zu gehen: großartige Streicher-Parts schmiegen sich an zähen, gemachen, epochalen Black Metal-Soundwall. Währenddessen geht es um verborgene biochemische Prozesse, die den Augen der Wissenschaftler bislang verborgen blieben, zum Teil auch auf anderen Gestirnen. Das macht den großen Charme für Wissenschafts-Nerds und -Begeisterten aus: Hier wird aktuelle Forschung aufgegriffen und weitergesponnen, wie es in Sci-Fi-Literatur stets gemacht wird.

Freigeistig und avantgardistisch geben sich VYRE ja schon seit Gründungstagen. Dabei behält jeder Song seinen ganz eigenen Stil bei. Vor allem Tracks wie „We Are The Endless Black“ und „Tardigrade Empire“ atmen dabei ganz und gar futuristische Luft und lassen offen, ob wir es hier mit einer Utopie oder Dystopie zu tun haben. Vyres Weltformel-Postulat ist ein schwieriges, aber hörenswertes Manifest geworden!

Tracklist

1. Alles auf Ende

2. Shadow Biosphere

3. Life Decoded

4. Tardigrade Empire

5. The Hitch (We Are Not Small)

6. We Are The Endless Black

7. Away Team Alpha

Weitere Informationen

Gelesen 398 mal Letzte Änderung am Samstag, 14 Juli 2018 11:45

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Shadow Biosphere - Vyre Vyre