Donnerstag, 21 Juni 2018 22:47

Unter dem Radar: Dumal (Black Metal)

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Zugegeben, Amerika ist nicht gerade dafür bekannt über eine besonders große bzw. hierzulande vielbeachtete Black Metal Szene zu verfügen. In Deutschland dominieren ganz klar die skandinavischen Länder, Projekte aus Frankreich und Griechenland, aber natürlich auch die eigene Szene, die wiederum international Beachtung findet.

Was mir hier eher durch Zufall über den Plattenteller gerutscht ist, lässt mich diesbezüglich aber aufhorchen und nach einigen Spins bin ich davon überzeugt, auf UdR-würdiges Material gestoßen zu sein. DUMAL heißt die Band aus dem Osten der USA, die Anfang 2017 - nach einigen EPs und Splits - ihr erstes Album „The Lesser God“ veröffentlichten. Dies geschah unter dem eher unbekannten Label Draigfflam Productions, das sonst relativ wenige Projekte listet und eng mit den Mitgliedern der Band verwoben zu sein scheint. Ein Blick auf die Members der Kombo zeigt zudem, dass DUMAL definitiv kein Newcomer Projekt ist, sondern eher als weiteres Projekt seiner Mitglieder gefahren wird. So spielen sowohl Drummer Evan Williams, Bassist und Sänger Adam Siatkowski und Andrew Dorflinger in der Band Höllenlärm. Erstere teilen sich außerdem noch die Bühne bei Plague Lust und Andrew spendiert noch Mode Of Egress die Gitarren. Die musikalische Perfektion von DUMAL wird spätesten beim Hören von „The Lesser God“ bewusst und wir empfehlen dringend, sich dieses zu Gemüte zu führen!


Aktuelle Besetzung
Adam Siatkowski - Bass, Vocals
Evan Williams - Drums
Andrew Dorflinger - Guitars

Diskographie
2013  Amblerian Rehearsal (EP)

2014  Piety & Iron (EP)

2015  Raise The Hammer (Split)

2016  Coniuratio Nigrum Atlantika (Split)

2017  The Lesser God (Full-length)

Review zu "The Lesser God”


Die kumulierte Erfahrung der drei Bandmitglieder von DUMAL, die sie teilweise schon seit den 90er Jahren in diversen Projekten sammeln konnten, spiegelt sich in „The Lesser God“ ab der ersten Minute wider. Nach mehrmaligem Hören kommen mir Vergleiche zu Gorgoroth, den alten Dimmu Borgir und den aktuellen Mgla in den Sinn, wobei man hier gefühlt noch mehr Wert auf Lyrics gelegt hat. Jeder kennt wohl diesen Moment, wenn man die ersten Takte und Riffs eines Albums hört und sofort in dessen Bann gezogen wird. Genau dies trifft auf „Fane of the Clandestine“ zu. Der Song baut innerhalb von Sekunden eine Atmosphäre auf, die mir in den letzten Jahren kaum eine andere Band liefern konnte. Bis Minute 1:40 entfaltet sich der Track mit machtvollem Doublebass und Riffing. Darauf folgt ein kurzer Break, in dem nur die Gitarre spricht, bevor das nächste Drum-Gewitter nur noch wütender einsetzt, um zum ersten Höhepunkt zu gelangen. Sänger Adam gibt mit seinem düster-sonoren Singsang erneut das vokale Blut zur Komposition und geleitet bis zum Refrain, der aus einer leicht adaptierten Version des Anfangs besteht und eine ungeahnte Perfektion an den Tag legt. Wer nach diesen ersten ca. 4-einhalb Minuten dachte, es gäbe keine Steigerung mehr, wird nach dem dann folgenden Riff-Break eines Besseren belehrt werden. Erneut spricht im Vordergrund die Gitarre, im Hintergrund nur von Drums und einem dichten Soundteppich unterstützt, und sorgt für orgasmische Akzente, bei denen ein Stillsitzen kaum möglich erscheint, ohne zumindest die Faust wütend im Takt zu recken. Der Ausklang des Stücks erfolgt mittels Soundsample und mündet direkt in „Lost Caverns“, das nicht minder perfekt beginnt und den Hörer weiter gebannt an das Album fesselt.

Jeden einzelnen Song dergestalt zu besprechen, ist leider Aufgrund der schieren Länge von über 50 Minuten kaum möglich und ich möchte daher noch auf den einzigen Wermutstropfen zurückkommen, der den Genuss des gesamten Albums etwas trübt. Dieser trieft in Form von „The Wind Demon“ in den Gehörgang. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man sich fragen, ob sich hier nicht ein Song einer anderen Band aufs Album geschlichen hat. Das Instrumental ist ein absolut generischer „Jammertrack“ und entbehrt nicht einer gewissen „Fahrstuhlästhetik“. Hier wird der Synthie mit langgezogenen Tönen angestrengt, verträumte Klänge winden sich rund um massive Tom-Schläge und wirken an dieser Stelle, vor allem zwischen den anderen Brecher-Songs wie „Serpents in the Bramble“ und „Ukrainia“, wie ein schlimmer Bruch im Flow des Albums. Dass Dumal auch melodisch sein können, beweisen sie zudem auf deutlich besserem Niveau im Verlauf des letztgenannten Songs.

Insgesamt kann ich großzügig über den einen Ausreiser hinwegsehen, da sich das Album ansonsten in keiner Weise irgendwelche Patzer erlaubt und schlicht old-schooligen und stellenweise melodischen Black Metal liefert, wie er mich aufgrund der Masse der Releases (und einer gewissen Überfütterung) nur noch selten fesselt.

An dieser Stelle bleibt nur noch zu sagen, dass man sich mehr vom Kaliber DUMAL wünscht und das Album hoffentlich kein einzigartiges Werk bleiben möge. Die Auflistung der bisherigen bzw. anstehenden Gigs mit Bands wie Batushka und Bölzer in 2018 lassen mich auf weitere Auftritte in Deutschland hoffen. Während das Album bei mir auf dem Teller weiter rotieren wird, werde ich meine Augen nach „Dumal“ offenhalten!

Tracklist

1. Fane of the Clandestine

2. Lost Caverns

3. Abrahamic Contagion

4. The Path to the Fortress is Lined with Statues

5. Serpents in the Bramble

6. The Wind Demon

7. Ukrainia

8. Spring Will Never Come

Weitere Informationen

  • Band: Dumal
  • Erscheinungsdatum: 23.06.2018
  • Fazit: Eine kleine schwarzmetallische Überraschung aus Amerika, die den skandinavischen Spirit erst im- und jetzt exportiert!
Gelesen 371 mal Letzte Änderung am Samstag, 23 Juni 2018 12:55

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The Path to the Fortress is Lined With Statues - Dumal Dumal