Freitag, 30 März 2018 19:25

Unter dem Radar: Godwatt (Doom/Stoner)

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Der Frühling tritt hart zu und so tun es auch Godwatt, die sich in der italienischen Szene einen Namen gemacht haben - hierzulande aber erst noch ein „Nämchen“ machen müssen. Die zahlreichen Releases der Band, die früher unter der Flagge „Godwatt Redemption“ unterwegs waren, sowie die Exzellenz der Kombo reicht für uns aus, sie euch in "Unter dem Radar" vorzustellen!

Godwatt gibt es schon seit über 10 Jahren und erschien nach der Gründung 2006 erstmals mit der Demo „Godwatt Redemption“ im Jahre des Cäsars 2008 auf der Bildfläche. Bereits im selben Jahr wurde dann “The Hard Ride of Mr. Slumber” als erste Full Length präsentiert und das zu einer Zeit, als Doom seine erste große Welle lange hinter sich hatte und das Revival der späten 2010er Jahre noch hinter der Ecke lauerte. Nach vier Jahren kreativer Pause und einiger Bewegung in der Szene kam es dann zur kreativen Explosion und dem Output von insgesamt 5 Full Length Alben (und einer EP) innerhalb von nur 6 Jahren sowie der Umbenennung in „Godwatt“. Mit dem aktuellen Output Necropolis – erneut unter der Flagge von Jolly Records – kam die Kombo schlussendlich auch in unser Blickfeld und beeindruckt damit nicht nur durch die Persistenz (die Band ist immer noch in Originalbesetzung), sondern auch durch die düsteren, treibenden Töne.


Aktuelle Besetzung

Motorgeezer - Bass

Junkie - Drums

Iommi - Vocals, Gitarre

Diskographie

2008 Godwatt Redemption (Demo)

2008 The Hard Ride of Mr. Slumber (Full-length)

2012 The Rough Sessions (Full-length)

2013 Senza redenzione (Full-length)

2014 Catrame (EP)

2015 MMXVXMM (Full-length)

2016 L'ultimo sole (Full-length)

2018 Necropolis (Full-length)

Review zu "Necropolis"


Sommer, Sonne, nur einen Katzensprung zum Meer, sanfte Musik und eine unerschütterliche Leichtigkeit. So stelle ich mir einen Tag in Italien bzw. in Frosinone nahe Rom vor. Man fragt sich in so einem Setting zwangsläufig, wie es da drei Italiener schaffen, schweren, drückenden und langsamen Stoner Doom zu fabrizieren, wie ihn Godwatt seit über 10 Jahren auf die Bühne bringen. Dabei legen Motorgeezer (Bass), Junkie (Drums) und Iommi (Gesang/Gitarre) − ganz entgegen dem Genre − eine Releasegeschwindigkeit vor, die man eher selten erlebt. So hat die Band seit 2006 neben einer Demo und einer EP inzwischen bereits insgesamt sechs Alben produziert. Der neueste Output „Necropolis“ wurde 2018 unter Jolly Roger Records (unter anderem Witchwood, Graal, Caronte) releast, die hiermit wiedermal absolutes Szenegold auf den Markt geworfen haben. Die neun Tracks der Italiener sind dabei eher Doom-untypisch im Schnitt recht kurz gehalten: Das Album bringt starke 40 Minuten auf die Waage und die Tracks sind damit im Schnitt gerade mal 5 Minuten lang.

Grundsätzlich gehört Necropolis zu den Outputs, die sich wie guter Ohren-Krebs erst entwickeln müssen – man muss ihm einfach genug Zeit geben, damit er in Ruhe wachsen kann. So fällt zuerst der etwas gewöhnungsbedürftige Gesang von Fronter Iommi auf, der mich brutal an die spanischen Oi-Punker von Non Servium erinnert und dem gesamten Album einen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Wie bei den meisten Doom-Heavy-Kombos liegt auch hier der Fokus besonders auf Bass und Distortion bzw. verzerrten Gitarreneffekten, die sich umso mehr mit dem sehr klaren Gesang von Iommi um die Oberhand in den einzelnen Tracks streiten. Was zu Beginn noch wie zwei eigenständige und parallel laufende Einflüsse wirkt(e), verwebt sich nach jedem Hören aber mehr und mehr zu einer Einheit, die harmonisch aufeinander aufbaut. So verschwindet das Gefühl eines Störfaktors, den man zwar hören, aber nicht wirklich benennen kann, relativ schnell und man kann sich auf die Tracks einlassen.

„Morendo“ hat es mir besonders angetan und ist einer der schnelleren Tracks des Albums. Das Stück beginnt mit einem Drum-Intro und einem einfachen aber gefälligen Riff, das ausgiebig wiederholt wird, bevor Iommi mit einer Teremin-Einlage, immer wieder unterbrochen von Gitarre und Bass, sein Werk beginnt. Ohne wirklich italienisch zu können, wird aber auch hier (wie z.B. bei „Tenebre“) der Trackname als Refrain genutzt, was es teilweise etwas simpler wirken lässt. Die Riffs sind aber on point, das Drumming superb und jedes Bandmember bekommt seinen Teil der Aufmerksamkeit.

Die Varianz, die hier präsentiert wird, macht „Necropolis“ sehr erfrischend und kurzweilig. Die beiden längsten und bombastischen Tracks „Siamo noi il male“ und „La morte è solo tua“ werden von dem sehr verträumten, gemächlichen und harmonischen Vor-Outro-Track „R.i.p“ eingefangen -und genau diese kurze Pause, die sich teilweise auch in Form von Soli in den Songs wiederfindet, gibt die spezielle Würze, die das Album aus der Masse der mittelmäßigen Outputs heraushebt.

Final ist zu sagen, dass hier natürlich nicht mit dem frischesten Quellwasser gebraut wird – Dazu ist der Markt schlicht schon zu gesättigt mit anderen Bands (Gorilla Monsoon, Taurus, Cathedral), an die ich mich auch immer wieder erinnert fühle. Fans der besagten Bands können hier ohne Umschweife zugreifen, allen anderen Doom-Enthusiasten empfehle ich die Bandcamp- und Youtube-Präsenz von Godwatt bzw. Jolly Records, um sich einzuhören. Für mich ist das Album und vor allem die Band schon jetzt ein (nicht mehr ganz so geheimer) Geheimtipp.

Tracklist

1. Necropolis

2. Morendo

3. Siamo noi il male

4. E' la tua ora

5. Tra le tue carni

6. La morte è solo tua

7. Tenebre

8. R.I.P.

9. Necrosadico

Weitere Informationen

Gelesen 783 mal Letzte Änderung am Freitag, 30 März 2018 19:50
Grave

Stolz kann sich nur erlauben wer bereit ist alles zu verlieren.

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Tenebre (official video) - Godwatt Godwatt