Sonntag, 26 Juni 2016 20:53

Distressed to Marrow - Half a Spine

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Half a Spine Half a Spine Distressed to Marrow

Distressed to Marrow setzen mit „Half a Spine", nach einigen personellen Ab-, Zu- und Rückmeldungen ein deutliches Zeichen der weiteren Existenz ihrer Band. Was das Album taugt, erfahrt ihr im folgenden Review.


Anhand der Bandbiographie von DISTRESSED TO MARROW kann man gut die Höhen, Tiefen und Unwägbarkeiten einer nicht professionellen Bandkarriere skizzieren. Musiker steigen ein, Musiker steigen aus, man findet sich wieder, sucht Proberäume, probt zusammen, nimmt Tapes auf, … Dass am Ende für die Karlsruher die erste Veröffentlichung seit drei Jahren steht, ist dabei umso erfreulicher.


Das zweite Full Length-Album nach „Release of Insanity“ (2013) präsentiert sich erneut als eine Mischung aus Down- bis Midtempo Death Metal mit leichten Doom-Anleihen und melodischem Death Metal unter der Ägide der Göteborger Schule. Vordergründig präsent ist in jedem Track die fulminante, melodiöse und treibende Gitarrenarbeit. Die Tracks haben im Grunde alle „Überlänge“, bei „nur“ sechs Titeln bekommt der Hörer insgesamt viel Spielzeit geboten. Das Songwriting ist in diesem Zusammenhang allerdings nie beliebig, die Songs enthalten wenige echte Füllmomente. Soweit alles im grünen Bereich, auch wenn mir ein wenig die Düsternis der ersten Demoveröffentlichung „Cause of Decline“ fehlt.


Das gesamte Album ist durch die Band selbst aufgenommen, produziert und abgemischt worden. So sehr ich Respekt vor dieser schweißtreibenden Leistung habe und auch den Hintergrund im Sinne der finanziellen und künstlerischen Freiheit gegenüber von Tonstudios und Plattenfirmen nachvollziehen und positiv bewerten möchte, ich komme nicht umhin, die offenkundigen Mängel dieser Vorgehensweise herauszuarbeiten. Der Gesang klingt oftmals zu stark in den Vordergrund gemischt, dahingegen wirkt der Drumsound, insbesondere die Snare etwas zu dünn und schrill. Die Bass-Drum wiederrum stört mit einem vielerorts unnatürlichen Triggersound, welcher gerade in den Blast Beat-Passagen Stirnrunzeln auslöst. Ich möchte allerdings nicht sagen, dass der Sound im Ganzen ein Totalausfall ist. Vielmehr steht die Platte auf dem Scheideweg zwischen kultigem Proberaum-Sound (Cause of Decline Demo!) und professioneller Mischung durch ein Tonstudio. Der Gesamtklang wirkt dadurch unausgewogen und, gerade für die Intention der eigentlich drückenden Doom/ Death-Parts im Mid- und Uptempo-Bereich, nicht kraftvoll genug. Diese Mängel wären bei einem Demo-Tape oder in anderen Genres zu verkraften, bei einer offiziellen Albumveröffentlichung im genannten Bereich habe ich an dieser Stelle etwas tiefergehende Bedenken.


Insgesamt bleibt ein Album zurück, welches aufgrund der dargestellten Punkte den Sprung von einer guten zu einer sehr guten Veröffentlichung (noch) nicht schafft. Trotzdem enthält „Half a Spine“ viele hörenswerte Ideen und Momente, sodass ich eine nur sehr geringfügig eingeschränkte Empfehlung ausspreche.


Tracklist: 

1. Paraphilic Mind
2. Prison Break
3. My God is Dead
4. Lunatic
5. Endless Trauma
6. For Lowers Grade


Bewertung:

6,5 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Distressed to Marrow
  • Album Titel: Half a Spine
  • Erscheinungsdatum: 2016
  • Fazit: Insgesamt bleibt ein Album zurück, welches aufgrund der dargestellten Punkte den Sprung von einer guten zu einer sehr guten Veröffentlichung (noch) nicht schafft. Trotzdem enthält „Half a Spine“ viele hörenswerte Ideen und Momente, sodass ich eine nur sehr geringfügig eingeschränkte Empfehlung ausspreche.
Gelesen 1273 mal Letzte Änderung am Sonntag, 26 Juni 2016 21:16

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My God is Dead Distressed to Marrow