Mittwoch, 25 Mai 2016 13:17

Counter-World Experience - Pulsar

geschrieben von Soundchaser
Artikel bewerten
(2 Stimmen)
Pulsar Pulsar Counter-World Experience

Jazz Metal” – als ich das vor dem Download der Tracks des fünften Longplayers der Berliner Counter-World-Experience las, musste ich spontan an Jared Dines denken, der auf Youtube seit geraumer Zeit Metalstyles durch den Mixer jagt und dabei in kurzen Spots völlig neue (und natürlich teilweise extrem absurde) neue Metalgattungen kreiert.

Bei Mr. Dines ist das nur Fun – das Label „Jazz Metal“ für „Pulsar“ hingegen ist absolut ernst gemeint. Das Anhören machte mir aber trotzdem Spaß. Echt jetzt. Die elf Instrumentalstücke auf der Scheibe sind allesamt nach Himmelskörpern benannt (ich kenne nicht alle, but who cares?). „Pulsar“ eröffnet einen Reigen verspielter und technisch versierter Tracks. Die ersten Keyboardtöne des zweiten Stückes „Bellatrix“ allein könnten schon manchem Die-Hard-Metaller den Angstschweiß auf die Stirn und ihn selbst sodann aus dem Raum treiben, doch nach kurzer Zeit setzen Gitarren ein. Alles gut? Nun ja – nach knapp zwei Minuten wieder Synthieklänge und darüber eine Trompete...äh... Bläsereinsatz? Meinen die das ernst? Klar, die Bezeichnung „Jazz Metal“ ist kein Etikettenschwindel, wenngleich die Jazz-Elemente in den Stücken nicht im Vordergrund stehen. Sie lungern eher verschlagen hinter der nächsten Ecke und kommen zum Vorschein, wenn man gerade nicht mit ihnen rechnet. So eine Art tonaler Zombie, quasi. Und doch quicklebendig, wenn es zur Sache geht.


Passend zum Jazz-Label: In vielen Stücken hört man deutlich den (Fretless) Bass, bei „Alpha Serpentis“ gar „featured“ by Steve DiGiorgio, der früher mal bei Testament und Death spielte. Auf „Pulsar“ teilt der Bass also nicht das Schicksal mancher Bassspuren auf Metalscheiben, die manchmal nur zu erahnen oder gar nicht zu hören sind. Hier darf er brummen, wummern, ist ein vollwertiges Instrument. Feine Sache.Helios“ zerrt mit dem Mix aus treibenden Gitarren und rhythmischen Synthieklängen wieder stärker die Jazz-Attitüde hinter der Ecke hervor, „Merak“ ist beim ersten Hören anstrengend, die Drums cruisen durch unterschiedliche Rhythmen wie ein hungriger Hai durch das Nichtschwimmerbecken im örtlichen Freibad, „Elektra“ ist da wesentlich geradeliniger und auch mehr Metal. „Nebula“ bietet feine, leicht wabernde Gitarren, auf denen die Sologitarre aufsattelt. Klingt für manche Ohren ansatzweise vielleicht etwas nach Fahrstuhlmusik – mir gefällt’s. „Alpha Serpentis“ beginnt mit synthetischen Chorälen, dann wieder ein Mix aus metallischen Rhythmusgitarren, wummerndem Bass und garniert mit schnellen, technisch ausgefeilten Soli und treibenden Drums. „Zaurak“ ist dann wieder Metal pur, mit stampfenden Gitarren, doch ohne Breaks und Sologitarre wird natürlich auch dieses Stück nicht in die Lauscher geblasen.Europa“ ist das kürzeste (und zwar durchaus nette, aber letztlich überflüssigste) Stück auf der Scheibe. „Cygnus“ geht wieder etwas mehr ab, wechselt zwischen rhythmischen Parts und Soloelementen. „Sirius“ bildet mit schnellen, galoppierenden Rhythmusgitarren, schlegelnden Drums und den obligatorischen, schnellen Soloeinschüben den Abschluss eines Albums, das Fans und Fansinen technisch anspruchsvollen Progressive Metals die Freudentränen in die Augen treiben dürfte (Moment, ich muss mal eben wegwischen...) – vorausgesetzt, der fehlende Gesang ist kein Ausschlusskriterium und man sieht über das hin und wieder einsetzende „Äh...kommt mir bekannt vor“-Gefühl hinweg (was auch der Grund dafür ist, dass „Pulsar“ nicht die Höchstnote von mir bekommt).


Alle True-Metaller werden hingegen den Eindruck gewinnen, sie könnten diese Scheibe getrost ihrer Schwiegermutter als Backgroundmusi für den nächsten Seniorentanztee oder dem örtlichen Supermarkt als Konsumanreiz offerieren. Na ja...ich weiß nicht...das müsst ihr selbst entscheiden. Oder lasst einfach die Finger von „Pulsar“, dann kommt ihr erst gar nicht in die Verlegenheit, über solche Optionen nachdenken zu müssen.


Trackliste:

01 Pulsar

02 Bellatrix

03 Helios

04 Merak

05 Elektra

06 Nebula

07 Alpha Serpentis

08 Zaurak

09 Europa

10 Cygnus

11 Sirius

 

Bewertung:

8,5 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Counter-World Experience
  • Album Titel: Pulsar
  • Erscheinungsdatum: 18.03.2016
  • Fazit: Alle True-Metaller werden hingegen den Eindruck gewinnen, sie könnten diese Scheibe getrost ihrer Schwiegermutter als Backgroundmusi für den nächsten Seniorentanztee oder dem örtlichen Supermarkt als Konsumanreiz offerieren. Na ja...ich weiß nicht...das müsst ihr selbst entscheiden. Oder lasst einfach die Finger von „Pulsar“, dann kommt ihr erst gar nicht in die Verlegenheit, über solche Optionen nachdenken zu müssen.
Gelesen 1153 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 25 Mai 2016 13:23

Medien

Pulsar Album Trailer Counter-World Experience