Donnerstag, 31 März 2016 10:46

Froststarr - Essenz

geschrieben von Ghostwriter
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Essenz Essenz Froststarr

„Ach du meine Nase“ würde jetzt wohl Pittiplatsch sagen und Schnatterinchen würde „Du tust dir wohl auch alles rein“ hinzufügen – Recht habt ihr, ihr kleinen Dreckspuppen, die nur in meinem Kopf zu mir sprechen und öfter ganz andere Sachen von sich geben!

Aber so sehr Psychosen auch nerven können, so sehr könnten sie wohl bei Froststarrs inzwischen „rund zweiten Werk“ - „Essenz“ - Programm sein. Die Selbstbeschreibung „Black Metal zwischen Kotze und Erhabenheit.“ trifft den Kern ganz gut, rotzen, rülpsen und würgen sich die zwei Sachsen-Anhaltiner doch durch die Produktion als obs noch einen Krieg zu verlieren gäbe. Man hat nur am Anfang das Gefühl als Hörer Ernst genommen zu werden und je mehr man sich mit dem infernalischen Duo auseinandersetzt, desto mehr schwindet auch dieser Eindruck. Keine Frage, mit dem Intro (Frostwärts), Track 2 (Winterstarre) und 3 (Yig) bekommt man soliden Black Metal vorgesetzt der jetzt nicht unbedingt Panzerplatten durchschlagen mag, der aber für ein doppeltes Soloprojekt doch annehmbar ist. Natt (Gitarre) und Yuggoth (alles andere) schreien, keifen und knüppeln sich durch irgendeinen hallenden Keller und lassen die Drums und durchlaufenden Blastbeats vom Drumcomputer rattern und erzeugen bei mir eine nicht näher bestimmbare Anziehungskraft.

 

Spätestens ab Track 4, „Gottlos und Stolz“, der wie eine Akustikversion von Motörheads „Ace Of Spades“ beginnt, geht der Klangkörper in eine andere, durchaus nicht weniger interessante Richtung. Die Hooks laden zum Schunkeln ein und der Drummer, wäre er echt, wäre zu diesem Zeitpunkt wohl schon ein Kandidat für eine Beintransplantation. Dazu kommt ein sehr unübliches Gitarrensolo, während die Welt im Hintergrund durch Gitarrenblitzkrieg zusammenfällt und man den ersten WTF Moment hat. Ab hier wird Froststarr auf jeden Fall etwas experimentierfreudiger, sei es ein kurzes Bass-Intermezzo bei „Hetzjagd“ oder Sprachsamples bzw. Zitate aus mir leider nicht näher bekannten Quellen, wie z.B. bei „Mein Wille“ oder „10 4 13 20“. Mit „My Metal Is Blacker Than Your Asshole“ hätte man wohl auch J.B.O. beerben können (würden diese Black Metal machen) und es wird zum Schluss noch von einer Truppe offenbar schwer intoxikierter Menschen nach Aufforderung ein Gruppen-Growlpart eingeworfen. Der längste Track der Scheibe ist ein Burzum Cover (Leere) und damit ein melodisches Intermezzo, das mir sehr gut gefällt (Auch wenn jetzt gleich alle Moralkevins wieder schreien werden) und fast besser als das Original tönt.

 

Insgesamt werde ich aus Froststarr nicht schlau, vor allem da mir deren anderes Projekt „Vargsblood“ leider nur vom Namen her geläufig ist und ich dieses nicht als Vergleich heranziehen kann. Fakt ist aber, dass man es hier mitnichten mit einem 0815 Wald- und Wiesen Black Metalprojekt zu tun hat, sondern mit einem schönen Mischmasch an interessanten Einflüssen des besagten Genres, die sich nicht beißen und die scheinbar mit einem Augenzwinkern präsentiert werden, das immer mal wieder aufblitzt und – „Halt Moment, wer hat das gesagt? Wen soll ich töten? Ach Pittiplatsch du kleines Miststück...“

 

Trackliste:

1. Frostwärts!
2. Winterstarre
3. Yig
4. Gottlos und stolz
5. Hetzjagd
6. Mein Wille
7. Leere (Burzum Cover)
8. My Metal Is Blacker Than Your Asshole
9. Nach Norden
10. 4 13 20
11. Leben

 

Bewertung:

7,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Froststarr
  • Album Titel: Essenz
  • Erscheinungsdatum: 2016
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Medien

Leben Froststarr