Freitag, 18 Dezember 2015 13:16

Deluge - Æther

geschrieben von Ghostwriter
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Æther Æther Deluge

Ist Untrve Black Metal jetzt auch ein etabliertes Ding? Ein eigenes Genre, ein Aufbegehren gegen altbackene Strukturen mit dem Wunsch progressiv zu sein, oder einfach nur ein Protest gegen das Wort „Post“? Egal was die 5 Franzosen von Deluge uns damit sagen wollen – Æther ist ein starkes Debüt geworden und ein neuer Wurf den sich das Label „Les Acteurs de l'Ombre Productions“ auf das Kerbholz schnitzen kann.

Æther glänzt gleich in mehreren Bereichen und geht durch das weite Genre Black Metal wie ein dickes Kind mit zu viel Taschengeld durch den Süßigkeitenladen. Vergleiche anzustellen ist für mich hier besonders schwierig, es wirkt auf mich wie ein wilder Mix aus der Band Freitod, Blutmond und unseren Jungs von Firtan, die jeweils ihre eigenen Stärken einfügen. Wer diese Auswahl nicht kennt, dem wird vielleicht noch Vyre mit ihrer Space Opera als Beispiel dienen, aber seis drum - Midtempo, Hyperblasts/Doublebass, Screams, Growls, verträumte Gitarrensoli, Samples aus Wald und Natur, Psychodelisch-Sphärische Ausflüge – Mal ruhig und befriedend, dann wieder mit einer Energie und Gewalt, die wohlige Schauer über den Rücken sendet und um den Anfang des Artikels wieder aufzugreifen: Wenn ich in diesem Bezug noch einmal Post-Hardcore lesen muss, bekomm ich Gesichtsfäule. Man mag mir Wortklauberei vorwerfen, aber solche Begriffe sind nur eine ins Leere gehende pseudo Normierung, wenn Begriffe wie Avantgarde oder Post nicht mehr ausreichen.


Das Klangbild zeichnet mir auf jeden Fall „Dalieresque“ Bilder in meinen Kopf. Dabei schaffen es die Franzosen, zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen zu lassen. Zu abwechslungsreich sind die Kompositionen und man hat das Gefühl, dass in jedem Song eine eigene Geschichte erzählt wird. „Klarträumer“ z.B. ist als episches Instrumental von knapp 10 Minuten Länge eine Fahrt durch die gesamte Bandbreite der Band und der Einsatz von zwei Gitarren zahlt sich hier mehr als aus. Einziger Wermutstropfen ist, dass Æther ein bisschen zur Entfaltung braucht. Gerade Avalanche und Appât als Track 1 und 2 klingen noch recht ähnlich, bis sich gegen Mitte der Einfluss von Samples und sphärische Klängen sich auf die Ohren wie ein warmer Kokon legt. Man hat ab da, bis auf wenige Ausnahmen, allgemein das Gefühl, dass sich Sänger Maxime mehr zurückgehalten hat - was mir besonders gut gefällt. Das soll auf keinen Fall abwertend wirken, aber Æther lebt vor allem aufgrund des Charmes und der Detailverliebtheit der Instrumentierung.


Trackliste:

01 Avalanche

02 Appât                

03 Mélas | Khoulé  

04 Naufrage          

05 Houle                

06 Klarträumer    

07 Vide                  

08 Hypoxie          

09 Bruine              


Bewertung:

9,0 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Deluge
  • Album Titel: Æther
  • Erscheinungsdatum: 19.09.2015
  • Fazit: Deluge haben aus meiner Sicht ein fulminantes erstes Werk geliefert. Eine Steigerung hinzubekommen wird wohl die große Herausforderung der noch jungen Band sein. Aber ich werde die Fünf definitiv im Auge behalten!
Gelesen 3088 mal Letzte Änderung am Freitag, 18 Dezember 2015 13:26

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Houle Deluge