Freitag, 03 Juli 2015 16:38

Carthagods – Carthagods

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Carthagods – Carthagods Carthagods – Carthagods Carthagods

Carthagods aus Tunesien existieren zwar schon seit 1996, ihr Debut-Album veröffentlichen sie allerdings erst jetzt. Nicht nur die sehr lange Zeit bis zum ersten Album ist ungewöhnlich: welche andere Band kann hier schon auf so eine lange Liste von bekannten Gästen, wie z.B. Tim Ripper Owens (Ex-Judas Prist, Ex-Iced Earth, Yngwie Malmsteen, Dio Disciples, Charred walls of damned, Beyond Fear…), Ron “BUMBLEFOOT” Thal (BUMBLEFOOT, Guns n’Roses), Hans IN T Sandt (Ex-Mad Max, Marcel COENEN and Friends) und Zuberoa Aznarez (DIABULUS IN MUSICA) verweisen?

Was für Musik machen Carthagods? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, da sie sich zwar innerhalb des klassischen Heavy Metals bewegen, hier aber keine Grenzen kennen und sich sowohl an gefühlvolle Power-Balladen („Memories Of Never Ending Pains“) wagen, aber auch tolle Nackenbrecher am Start haben, wie z.B. der Opener „ My Favorite Disguise“ und wer sich dann noch ausgerechnet an eine Coverversion von Yngwie Malmsteen traut („I Am A Viking“), der muss schon ziemlich was auf dem Kasten haben.


Das hohe musikalische Niveau wird auch durch die druckvolle und moderne Produktion sehr gut unterstützt und die variable Stimme von Sänger Mhedi Khemakhem verweist viele andere Bands recht schnell auf die hinteren Plätze. Exzellente Musiker, bekannte Gäste, tolles Album? Hier bestätigt sich auch leider wieder die alte Weisheit, dass gute Musiker eben noch keine tollen Komponisten sein müssen. Der Opener ist wirklich gut, „A Last Sigh“ zeigt das musikalische Können und ist der abwechslungsreichste Song des Albums, der von fast schon gefühlvollen ruhigen Gesangselementen bis zum Beinahe-Growling alles beinhaltet und durch den Einbau von langsamen Passagen, bis hin zu sehr flotten, auch über die Laufzeit von knapp siebeneinhalb Minuten gut zu unterhalten weiß. Er erinnert mich vom Aufbau teilweise etwas an Metallicas „One“ vom „... and justice for all“-Album.


Meine Kritikpunkte:
Wenn man knapp zwanzig Jahre für sein Debutalbum benötigt, dann sollte es doch eigentlich kein Problem sein, wenigstens zehn eigene Songs zu Stande zu bringen. Auf dem Album sind nur sieben (Song Nummer acht ist wieder Song Nummer vier, nur als Akusitk-Version) und davon ist einer wiederum die Malmsteen-Coverversion, d.h. man brauchte neunzehn Jahre für sechs eigene Stücke. Da ist natürlich die Erwartungshaltung entsprechend hoch und kann schon fast nicht erfüllt werden. Aber selbst wenn man ohne dieses Wissen die CD anhört haut sie einen einfach nicht so richtig vom Hocker. Die Akustik-Nummer „Memories Of Never Ending Pains“ ist auch eine der ungewöhnlichsten der Platte, da hier einerseits auf interessante Weise mit Percussion-Elementen gearbeitet wird, durch die sparsame Instrumentierung lässt man den Stimmen (Sänger Mhedi singt hier im Duett mit Zuberoa Aznarez) viel Raum und dass die Band aus wirklich tollen Musikern besteht ist ja unbestritten. Auf der anderen Seite geht das Stück halt über sieben Minuten und dafür tut sich dann leider doch nicht genug, nach rund drei Minuten wird’s etwas zäh.


Das gilt auch für die anderen Stücke: insgesamt sind viele der Songs einfach von der Marke „tausend Mal gehört“. Das ist schade, denn die Band macht eigentlich vieles richtig: der Sänger hat eine tolle Stimme, wer sich als Gitarrist an Yngwie Malmsteen wagt, braucht sich keine Gedanken um seine Reputation machen, die Produktion ist druckvoll und auch der Rest der Band spielt auf hohem Niveau. Aber die Songs zünden einfach nicht und wenn auf einem Album gerade mal zwei gute Titel (Nummer eins und drei) sind, dann ist das einfach zu wenig. Wenn sie das bisherige Tempo beibehalten werden sie dann 2034 eine EP veröffentlichen...


Tracklist:
1. My Favorite Disguise
2. Shadows
3. A Last Sigh
4. Memories Of Never Ending Pains
5. My Revenge
6. Eater Of Sin
7. I Am A Viking
8. Memories Of Never Ending Pains (Acoustic Version)


Bewertung:
5 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Carthagods
  • Album Titel: Carthagods
  • Erscheinungsdatum: 12.06.2015
  • Fazit: Das gilt auch für die anderen Stücke: insgesamt sind viele der Songs einfach von der Marke „tausend Mal gehört“. Das ist schade, denn die Band macht eigentlich vieles richtig: der Sänger hat eine tolle Stimme, wer sich als Gitarrist an Yngwie Malmsteen wagt, braucht sich keine Gedanken um seine Reputation machen, die Produktion ist druckvoll und auch der Rest der Band spielt auf hohem Niveau. Aber die Songs zünden einfach nicht und wenn auf einem Album gerade mal zwei gute Titel (Nummer eins und drei) sind, dann ist das einfach zu wenig. Wenn sie das bisherige Tempo beibehalten werden sie dann 2034 eine EP veröffentlichen...
Gelesen 3679 mal Letzte Änderung am Samstag, 04 Juli 2015 10:22

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Carthagods - Official Trailer Carthagods