Montag, 16 Februar 2015 19:07

Mallory - 2

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2 2 Mallory

Auch auf dem zweiten Album der französischen Rock-Band Mallory gibt es stilistisch keine Veränderungen, wohl aber eine konsequente Weiterentwicklung ihres Stils. Rock ist ein Begriff der viel Interpretationsspielraum lässt, daher versuche ich es mal zu beschreiben:

Die ganze CD ist der perfekte Soundtrack, um auf seiner Harley die Route 66 entlang zu fahren und vermengt das Lebensgefühl des freien Biker-Lebens mit dem saturierter, junggebliebener Whiskey-Freunde, die sich in ihrer Bibliothek auf einem dicken Ledersessel mit einer qualmenden Zigarre niederlassen und an ihre wilden Tage zurückdenken.Musikalisch ist es eine Mischung aus Jon Bon Jovis Soloausflügen (Blaze of Glory), Tesla, Steppenwolf, einem Schuss Thin Lizzy/Black Star Riders und der soften Version von Nashville Pussy. Um Missverständnissen vorzubeugen: die genannten Bands dienen lediglich der groben Einordnung, denn Mallory ziehen absolut glaubhaft ihr eigenes Ding durch und sind eine Bereicherung für die Szene und kein müder Abklatsch.


Beim ersten Hören muss man sich erstmal auf die etwas altmodisch klingende Produktion einlassen – das ist keineswegs negativ gemeint, aber Mallory sind eine der wenigen Rockbands, bei denen das Schlagzeug noch natürlich klingt und das nicht zu Tode komprimiert oder mit irgendwelchen Samples aufgehübscht wurde, sondern es klingt so als würden sie gerade in der Biker-Bar um die Ecke live spielen. Das Gleiche gilt natürlich auch für die restlichen Instrumente. Man ist das heute als Metalhörer nicht mehr gewohnt und daher hat es, zumindest bei mir, kurz gebraucht um sich darauf einzulassen. Das sollte man aber unbedingt tun, denn die Platte ist wirklich toll! Die Songs sind sehr gut arrangiert und durchkomponiert und Sänger Phil hat ein unglaublich vielseitiges und bei Bedarf auch kräftiges Organ. Stellenweise, z.B. beim Song „Summer Rain“ erinnert er auch an eine nicht typisch amerikanisch, überproduzierte Version von Little Ceasars „In Your Arms“, wobei Mallorys Song deutlich weniger geradeaus und vorhersehbar ist. Sie schaffen es durchweg die Grundstimmung in einem Lied beizubehalten und trotzdem zusätzliche Parts und Wendungen einzubauen, die den Hörer dann zwar überraschen, sich aber dennoch in das Gesamtbild harmonisch einfügen und nicht als Fremdkörper wahrgenommen werden.

 

Meine Höhepunkte des Albums: Bad Monkey ist genau das Lied das Kruder und Dorfmeister oder Cafe Del Mar komponieren würden, wenn diese denn Rock machen würden – cool, modern und dennoch auch sehr gut als niveauvolle Musik in einer Bar geeignet, bei dem man sich noch gut unterhalten kann. Runnin – einer der härteren Songs der CD, das mit einem tollen Schlagzeug-Riff aufwartet. Ja, richtig gelesen: hier dient das Schlagzeug nicht nur als reines Rhythmusinstrument, sondern spielt eigene, mit den anderen Instrumenten gleichberechtigte Riffs. Interessant daran ist, dass z.B. Gitarre und Bass hier dem Schlagzeug auch wirklich Raum lassen, wodurch der Gesang der Strophe ein ganz eigenes Flair bekommt, weil er immer wieder „nur“ mit einem ausklingenden Gitarrenakkord und eben dem Schlagzeug zu hören ist. Außerdem ist dieses Stück eines der abwechslungsreichsten des ganzen Albums.

 

Wenn alles so toll ist, warum dann „nur“ 7 Punkte? Ganz einfach: die ersten beiden Songs zünden einfach nicht und das Instrumentalstück „Somewhere“, auf der man nur das dünne Geschrammel einer Lagerfeuergitarre ohne Verstärker und ein paar kurze, eingestreute Lead-Gitarrenlicks hört wirkt leider eher wie im Proberaum zufällig mitgeschnitten denn wie ein „richtiges“ Stück. Das ist insgesamt einfach schade, weil bei 9 Titeln auf der CD insgesamt machen sich halt 3 nicht so gelungene Stücke doch bemerkbar und man sieht nicht so leicht darüber hinweg, als wenn man 12 Songs oder mehr auf einem Album hat.


Tracklist:

01. Awake
02. Big Nails
03. Ready
04. Bad Monkeys
05. Somewhere
06. Summer Rain
07. Heavy
08. Runnin
09. Something


Bewertung:

7 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Mallory
  • Album Titel: 2
  • Erscheinungsdatum: 2014
  • Fazit: Nichtsdestotrotz ist Mallory eine Band, die man auf jeden Fall im Auge behalten sollte und der man den Durchbruch wirklich wünscht, weil hier Können, Leidenschaft und tolle Musik zusammen kommen.
Gelesen 1715 mal Letzte Änderung am Dienstag, 17 Februar 2015 07:25

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Ready (Official Video) Mallory